Italien: Mit dem Kajak um die liparische Insel Vulcano

Italien: Mit dem Kajak um die Insel Vulcano

Die liparische Insel Vulcano vor Sizilien misst nur drei mal fünf Kilometer und lässt sich daher gut mit dem Kajak umrunden. Doch richtige Entdecker tragen dabei Helm – sagen die reisereporter Carsten und Ilka.

Carsten Lippert
Ilka Fischer
Queren der 800 Meter breiten Wasserstraße, die Vulcano von Lipari trennt.
Abstecher nach Lipari: Zur Nachbarinsel gelangen Paddler über eine 800 Meter breite Wasserstraße.

Foto: Carsten Lippert

Paddeln vor Sizilien? Lohnt sich! Vor allem vor Vulcano. Die liparische Insel ist geprägt durch Fumarole: Zwischen dem Vulkan Gran Cratere und der vorgelagerten Insel gibt es einen Grundwasserschlammpool, und ein öffentliches Schwefelbad verwandelt die Badegäste in einheitsgraue Wesen. 

Eine zweitägige Tour rund um Vulcano, die 20 Quadratkilometer groß ist und 900 Einwohner hat, sollte auf deine Bucket-List! Wozu man beim Paddeln einen Helm braucht? Bei dieser Frage schmunzelt Eugenio Viviani, der seit elf Jahren und immer noch als einziger auf den gesamten Liparischen Inseln Kajak-Touren anbietet. Gleich nach dem Passieren des Hafens und damit noch im Dunstkreis des Hauptvulkans Gran Cratere folgt die Antwort: Eugenio paddelt mit uns in eine Grotte und damit quasi fast unter den Vulkan, dessen schwefelige Dämpfe in die Nasen kriechen.

Kajak-Tour vor den Liparischen Inseln

Wir steigen hier das erste Mal aus, können die schwefeligen Gase um unsere Füße blubbern lassen. So abgelenkt kann es passieren, dass der Kopf mit den glitschigen Felswänden in Berührung kommt. Und spätestens dann ist klar: Aaah, dafür gibt es den Helm.

Kayak fahren vor der Insel Vulcano in Italien.
Für die Höhlenabenteuer ist ein Helm beim Paddeln unerlässlich. Foto: Eugenio Viviani
Es bleibt nicht der einzige Einsatz. Nach etwa einer Stunde wird es richtig eng. Unwillkürlich ziehen wir die Köpfe ein und staunen wenig später. Denn unter dem relativ kleinen Grotteneingang befindet sich eine viel größere Unterwasser-Öffnung, wodurch die Morgensonne das Wasser in ein leuchtendes Hellblau taucht.

Zumindest in den Vormittagsstunden kommt dieses der berühmten Grotte auf Capri gleich. Nur dass wir die Grotte, die nur für kleinste Boote befahrbar ist, nicht mit Hunderten anderen Touristen teilen müssen.

In der Morgensonne leucIn der Morgensonne leuchtet es in Capri-Blau. htet es Capri-blau. Foto
In der Morgensonne leuchtet es in Capri-Blau. Foto: Eugenio Viviani
Weiter geht es an zum Teil bis zu 400 Meter hohen Felswänden vorbei. Die blau-türkis-schwarze See schaukelt uns gen Süden. Dort kennt Eugenio beim Gelso-Leuchtturm den leider gar nicht mehr ganz so einsamen Strand Carnevali.

Das Essen, das seine Mutter und seine Großmutter eingepackt haben, lässt uns die sizilianische Küche feiern. Es hat mit der ansonsten allgegenwärtigen Pasta und den Pizzagerichten nicht viel gemein.

Die ideale Stärkung für Paddler: sizilianische Spezialitäten

Stattdessen locken Zucchini als sauer eingelegter Salat und Käse mit hausgemachter Feigenmarmelade. Und wer kommt schon auf die Idee, dass Rosinen und Kapern tatsächlich zusammen mit getrockneten Tomaten, Sellerie, Auberginen und Tomaten schmecken? Dazu gibt es auch noch Weißbrot, mit Artischocken garniert.

Der restliche Tag könnte damit locker fürs Verdauen draufgehen, doch wer will, kann die Paddeltour mit der auf Vulcano fast obligatorischen Kraterwanderung kombinieren. Wir wollen.

Das Panoramabild vom Gran Cratere erinnert an eine Mondlandschaft.
Das Panoramabild vom Gran Cratere erinnert an eine Mondlandschaft. Foto: Ilka Fischer
Der 20-minütige Aufstieg zur Straße zur provisorischen Haltestelle wird mit einer Ernte am Maulbeerbaum versüßt. Der Bus selbst fährt in wenigen Minuten bis zum Zugang des Kraterwanderweges, auf dem insgesamt 350 Höhenmeter hinaufzustiefeln sind.

Der noch aktive Vulkan lässt sich zwar auch unkompliziert selbst erwandern, doch für uns geht es nach dem Kraterbesuch nun mit dem kleinen Segelboot „Barbablu“ zurück zu unserer kleinen Bucht. Dieses Boot ist der ganze Stolz von Eugenio, der es zurückbringen muss und uns daher an seinen diesjährigen Helfer, den 21-jährigen Baptiste Bouvier aus Frankreich, übergibt.

Nach Kajak- und SUP-Abenteuer: Zelten unterm Sternenhimmel 

Doch vorher verfolgt er noch das Abenteuer Stand-up-Paddling. Denn das SUP-Brett, für uns eine absolute Premiere, ersetzt das Beiboot. Selbst schuld. Schließlich hatten wir ja signalisiert, dass wir das mal ausprobieren würden.

Die abendlich ruhige See, die Hinweise und das Wissen, dass das Meer angenehm warm ist und das Gepäck in den Bootssäcken auf jeden Fall trocken ankommt, helfen, heil zum Ufer zu kommen. Die Paddelbote samt Zeltausrüstung warten am Strand. Und beim Aufbau leuchten die Sterne den Taschenlampen zur Verstärkung.

Der „Zeltplatz“ auf Carnevali.
Der „Zeltplatz“ auf Carnevali garantiert Einsamkeit. Foto: Carsten Lippert
Am nächsten Tag passieren wir nach einem typisch italienischen Frühstück mit aufmunterndem Espresso den Leuchtturm im Süden der Insel, die Möwen lärmen mit ihrem Nachwuchs. Und dann kommt eine Grottenfahrt, bei der die Sinne noch einmal ganz anders herausgefordert sind. Denn in dem vor Hunderten von Jahren ausgespuckten Lavagestein versteckt sich auch ein rund 100 Meter langer Tunnel. Ohne Guide wären wir da garantiert nicht reingefahren.

Hier dringt kein Licht ein, hier spüren wir die vom Meersalz geschwängerte Luft auf unserer Haut, erschrecken fast ein wenig vor dem Geräusch, dass das Eintauchen der Paddel macht. Erst eine gefühlte Ewigkeit später wird zunächst die Silhouette des vorausfahrenden Guides wieder sichtbar, dann schickt die gleißende liparische Sonne erste Grüße in die Finsternis.

Höhlen-Hopping auf den Liparischen Inseln

Die später noch angefahrene und touristisch weit besser vermarktete Grotta del Calvallo (übersetzt: Höhle der Pferde) im Norden der Insel kann da nicht mithalten. Dafür lockt davor ein natürlicher Lava-Swimmingpool, dessen flacher Eingang nur von Paddelbooten passiert werden kann.

Dank Wasserschuhen und Taucherbrille lässt sich sehen, dass man diesen aber dennoch nicht allein für sich hat. Etliche Seeigel ruhen auf dem Grund, ein Fischschwarm und einige regenbogenfarbene Fische schwimmen mit uns in dem vielleicht drei, vier Meter tiefen Wasser. Das ändert sich abrupt an der Eingangsklippe, wo das Meer plötzlich steil abfällt, unendlich tief und weit zugleich. Ein unglaubliches Gefühl, plötzlich nur Hunderte Meter himmelblau leuchtendes Meer unter sich zu wissen.

Nach einer in Sizilien typischen Pani Cunzatu (getoastetes rundes Brot mit Tomaten, Kapern, Oregano und Büffel-Mozzarella) am Spiaggia Sabbie Nere (schwarzer Sandstrand) kreuzen wir die 850 Meter breite Wasserstraße, die Vulcano von der größeren Insel Lipari trennt. Am dortigen Ufer ragen etliche Felsnadel aus dem Meer, zwei davon haben, wohl extra für Paddler, zwei, drei Meter große Tore, die wir vor einem letzten Badestopp natürlich auch noch durchfahren müssen.

Als Baptiste auf den Helm zeigt, wundern wir uns nicht mehr. Die letzten beiden Highlights einer aufregenden Kajaktour stehen an, bevor wir am späten Nachmittag nach insgesamt 30 Paddelkilometern den Strand Spiaggia delle Acque Calde von Vulcano anlaufen.

Tipps für deine Reise nach Vulcano

Anreise: Die zwischen Neapel und Sizilien im Tyrrhenischen Meer liegenden Liparischen Inseln sind nur per Schiff ab Neapel (seltene Abfahrten, zwölfstündige Fahrzeit meist über Nacht) oder von Milazzo auf Sizilien (mehrmals täglich) zu erreichen. Die Fährfahrt von Milazzo nach Vulcano dauert etwa 90 Minuten. Die meisten Fahrten bietet Libertylines an. Diverse Airlines fliegen von Deutschland direkt bis Neapel, aber auch bis zu den sizilianischen Flughäfen Catania oder Palermo. Von Catania und Palermo aus geht es jeweils per Shuttle oder mit dem Zug in etwa drei Stunden nach Milazzo. Zugtickets lassen sich bequem am Automaten kaufen (auch auf Deutsch).

Kajak fahren bei Vulcano: Kajak fahren ist auf den Liparischen Inseln erstaunlicherweise wenig verbreitet. Eugenio Viviani bietet verschiedene mehrtägige Touren von Vulcano aus an. Die hier beschriebene Zwei-Tage-Tour findet immer am Wochenende statt und beginnt am Freitagabend mit einer Besprechung, bei der auch individuelle Wünsche noch berücksichtigt werden. Preis: 270 Euro pro Person. Eugenio spricht Italienisch, Englisch und Französisch. 

Kajak fahren auf Stromboli: Zumindest einen Kajakverleih gibt es auch auf der 20 Kilometer entfernten Insel Stromboli, der aber nur vor Ort beworben wird. Die Ausleihe eines Doppelkajaks kostet hier für die erste Stunde 20 Euro, jede weitere dann zehn Euro. Bei den Zeiten ist man aber kulant.

Es bieten sich hier zwei Ein-Stunden-Touren an, die man kombinieren kann. Sie führen rund um den eineinhalb Kilometer vorgelagerten Vulkanschlot Strombolicchio und an der Westküste zu der berühmten Feuerrutsche des Vulkans Stromboli (Sciara del Fuoco). Bis nach Ginostra (der Ort, der vom jüngsten Vulkanausbruch betroffen war) brauchen Freizeitpaddler vom Hafen in Stromboli aus etwa eineinhalb Stunden.

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