Nein, das ist keine Szene aus dem Netflix-Hit „Narcos“ über die Drogen-Karriere um Pablo Escobar. Es ist die aktuelle Realität an Frankreichs Stränden. Seitdem täglich kiloweise Kokainpäckchen entlang der Atlantikküste auftauchen, patroulliert die Polizei.

Vorsorglich wurden mehrere Strände abgeriegelt – darunter die sechs der Orte Lège-Cap-Ferret, Naujac, Lacanau, Le Porge, Hourtin und Carcans im Département Gironde. Das meldet die „Le Parisien“.

Frankreich: Auf 500 Kilometer Küstenlinie rund eine Tonne Koks gefunden

Bis zur Westpitze der Bretagne, also im Norden Frankreichs, soll das berauschende Treibgut gefunden worden sein. Besucher müssen sich an den betroffenen Küstenabschnitten filzen lassen, denn: Das Einstecken ist natürlich verboten. Bei dem angespülten Rauschmittel handelt es sich um Kokain mit einem extrem hohen Reinheitsgrad von 83 Prozent.

Der höhere Wirkstoffgehalt macht es gefährlicher: „Je reiner das Koks, desto höher das Risiko einer Herzschädigung – und einer Überdosierung. Tatsächlich liegt die größte Gefahr von reinem Stoff mehr bei einer akuten körperlichen Schädigung als bei einer Abhängigkeit“, erklärte der Neuropharmakolge und frühere Berater der britischen Regierung, David Nutt, der „Vice“, nachdem diese über einen ähnlichen Fall in Ostfriesland und Großbritannien 2017 berichtet hatte. Damals fanden Spaziergänger vereinzelt verdächtige Pakete.

Der aktuelle Fall in Frankreich ist deutlich extremer: Seit Mitte Oktober wurden nach Angaben der Polizei Hunderte Kilo Koks aus dem Meer gefischt. Mittlerweile soll es sich um mehr als eine Tonne handeln, berichtet die Regionalzeitung „Sud Ouest“ am Mittwoch.

Vermutlich sind die Drogen auf dem Meer über Bord gegangen

Woher kommt die „weiße Flut“? Diese Frage beschäftigt aktuell die ermittelnden Behörden. „Die europäischen Geheimdienste gehen davon aus, dass etwa zwei Drittel des in Europa ankommenden Kokains aus der Schifffahrt stammt“, sagte David Weinberger, Drogenspezialist am „L’Institut national des hautes études de la sécurité et de la justice“ (INHESJ). Naheliegend sei demnach, dass die Fracht unabsichtlich über Bord gegangen ist.

An Stränden Floridas sollen nach Hurrikan „Dorian“ Pakete mit der gleichen Beschriftung, „Diamante“ und „Brillante“, an die Küste geschwemmt worden sein.