Boarding im Flugzeug: Wie es am schnellsten und langsamsten geht

Experiment zeigt: So geht das Flugzeug-Boarding am schnellsten

Vor wenigen Tagen hat die Lufthansa ihr neues Boarding-System vorgestellt: Passagiere sollen schneller und stressfreier zu ihrem Platz kommen. Wie es hingegen gar nicht funktioniert, zeigt ein Test.

Ein kleines Mädchen rennt zu ihrem Sitz.
Einfach ins Flugzeug laufen und sich einen Platz aussuchen – so, wie dieses kleine Mädchen. Klingt chaotisch, funktioniert aber. Zum Beispiel bei Southwest Airlines. (Symbolbild)

Foto: imago images/Science Photo Library

Wenn du am Gate stehst und darauf wartest, ins Flugzeug zu dürfen, fühlen sich Minuten schnell wie Stunden an. Dann kommt der erlösende Aufruf – und alle hetzen los. Anschließend heißt es drängeln und quetschen, bis du endlich auf deinem Platz sitzt. Klingt nervig, ist es auch. 

Das wollen Lufthansa, Austrian Airlines und Swiss jetzt ändern. Die Airlines führen ein neues Boarding-System mit fester Reihenfolge ein – Passagiere mit einem Fensterplatz dürfen zuerst ins Flugzeug einsteigen. Das System trägt den Namen Wilma, als Abkürzung für die Reihenfolge: Window, Middle and Aisle (deutsch: Fenster, Mitte und Gang).

Lufthansa führt Wilma-Boarding ein

Lufthansa sagt, dass so mehrere Minuten im Vergleich zum vorherigen (ungeordneten) System eingespart würden. Wie sehen das andere Fluggesellschaften?

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Viele Airlines, besonders in den USA, folgen beim Boarding einem einfachen Prinzip. Die Economy-Class-Passagiere werden in drei Kategorien eingeteilt: hinten (1), Mitte (2) und vorn (3). Die hinteren Reihen dürfen zuerst ins Flugzeug, dann kommen die mittleren und zuletzt die vorderen Reihen. Dabei könnte es viel schneller und unkomplizierter gehen.

Boarding im Flugzeug: Viele Airlines machen es falsch

Das bewies die TV-Show „Mythbusters“ bereits im Jahr 2012 mit einem Experiment. Knapp 200 Testpersonen sollten auf sechs verschiedene Arten an Bord eines Flugzeugs gelassen werden. Am Ende jedes Testlaufs konnten sie darüber abstimmen, wie zufrieden sie waren. Außerdem wurde die Zeit gestoppt, um zu ermitteln, wie lange das jeweilige Boarding gedauert hat.

Das Experiment zeigte, dass das „Standard-Boarding“ die schlechteste Variante ist: Es dauerte 24 Minuten, bis alle knapp 200 Passagiere auf ihren Plätzen saßen. Diese Simulation zeigt den umständlichen Ablauf des Boardings:

Doch Southwest Airlines macht es anders – und besser. Bei der amerikanischen Billig-Fluggesellschaft kommen die Passagiere in der Reihenfolge in die Maschine, in der sie eingecheckt haben. An Bord angekommen sucht sich jeder Passagier seinen eigenen Platz aus. Überraschenderweise war das im Experiment mit 14:07 Minuten die schnellste Boarding-Methode.

Experiment beweist: Southwest Airlines bietet das schnellste Boarding

Die TV-Show fand aber auch heraus, dass es noch eine weitere effiziente Methode gibt – das Wilma-Boarding. Lufthansa und Co. führen das System jetzt ein, bei United Airlines füllen sich die Sitzreihen schon heute von außen nach innen. Das Test-Boarding dauerte nur 14:55 Minuten.

Eine andere von „Mythbusters“ getestete Bording-Methode klingt chaotisch, ist mit 17:15 Minuten aber trotzdem deutlich schneller als das „Standard-Boarding“.

Hierbei werden einfach alle Passagiere an Bord gelassen, unabhängig von ihren Sitzplätzen. Allerdings zeigt das Ergebnis auch, dass die Testpersonen ziemlich unzufrieden waren. Kein Wunder – schon das Anschauen der Simulation macht unruhig. 

Es gäbe nur eine Boarding-Variante, die noch schneller wäre als die von Sotuhwest, aber vermutlich nur in der Theorie funktioniert. Der US-amerikanische Physiker Jason Steffen hat herausgefunden, dass das Bording am schnellsten ginge, wenn sich alle Passagiere bereits am Gate in der Reihenfolge aufstellen würden, in der sie laut Sitzplatznummern ins Flugzeug steigen sollten.

Aber mal ehrlich: Wer ist denn schon so organisiert? 

Warum machen es Airlines nicht besser?

Genug Simulationen und Theroien – warum halten zahlreiche Airlines am „Standard-Boarding“ fest, wenn es auch schneller und effizienter geht? Verlieren sie nicht Zeit und Geld, wenn das Boarding länger dauert? 

Die Antwort liegt auf der Hand: Nein, denn Airlines verdienen viel Geld durch Fast Lane und Priority Tickets, mit denen Passagiere schneller ins Flugzeug kommen. Und wer würde die noch kaufen, wenn das Boarding schnell, einfach und unkompliziert wäre?

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