Atemmasken bei Boeing: Zu wenig Sauerstoff im Notfall?

Atemmasken bei Boeing: Zu wenig Sauerstoff im Notfall?

Es ist eine Horror-Vorstellung: Die Atemmasken im Flugzeug fallen herunter, doch sie funktionieren nicht. Ein Whistleblower warnt vor Problemen mit der Sauerstoff-Notversorgung beim 787 Dreamliner.

Airline-Mitarbeiter überprüfen die Sauerstoffmasken im Flugzeug – gibt es bei Boeing Probleme? (Symbolfoto)
Airline-Mitarbeiter überprüfen die Sauerstoffmasken im Flugzeug – gibt es bei Boeing Probleme? (Symbolfoto)

Foto: imago images/Xinhua

Die schlechten Nachrichten bei Boeing reißen nicht ab: Dieses Mal geht es um mögliche Probleme bei den Langstreckenjets vom Typ Boeing 787. Ein Ex-Ingenieur des Unternehmens warnt, dass Passagiere im Falle eines Druckverlustes über die Atemmasken nicht mit genügend Sauerstoff versorgt würden, das berichtet der Sender „BBC“.

John Barnett (57) soll mehr als 30 Jahre bei Boeing gearbeitet haben, unter anderem als Manager in der Qualitätskontrolle. Die Probleme will er bereits im Jahr 2016 erstmals gemeldet haben. Demnach habe eine Überprüfung ergeben, dass 75 von 300 getesteten Sauerstoff-Flaschen nicht funktioniert hätten.

Wirkungslose Atemmasken bei Boeing?

Bedeutet im Klartext: Bei einem Notfall hätte etwa ein Viertel der Passagiere nicht mit genügend Sauerstoff versorgt werden können. Das kann in großer Flughöhe zur Folge haben, dass Passagiere innerhalb weniger Sekunden ohnmächtig werden, im schlimmsten Fall sogar Gehirnschäden davontragen oder sterben.

Der Grund für die Probleme sei, dass sich viele Sauerstoff-Flaschen im Dreamliner nicht automatisch entleeren, so Barnett. Daher würden die Masken nicht mit Sauerstoff versorgt.

Der Vorwurf des Ex-Ingenieurs: Vor knapp zehn Jahren, als die Massenproduktion des Dreamliners angelaufen war, sei innerhalb kürzester Zeit umgebaut worden – auf Kosten von Sicherheit und Qualität. Die Mängel seien zwar gemeldet worden – nicht nur intern im Jahr 2016, sondern 2017 auch der US-Luftfahrtbehörde FAA. Doch Manager bei Boeing hätten weiteren Untersuchungen einen Riegel vorgeschoben. Im Jahr 2018 wurde Barnett in den Ruhestand entlassen – offiziell aus gesundheitlichen Gründen.

Boeing wehrt sich gegen die Vorwürfe

Boeing wehrt sich gegen die Vorwürfe. Der Flugzeugbauer räumt allerdings ein, er habe im Jahr 2017 „einige Sauerstoff-Flaschen von einem Zulieferer identifiziert, die nicht korrekt entluden“. Diese seien aus dem Verkehr gezogen und durch andere Sauerstoff-Flaschen ersetzt worden.

Weiter heißt es: „Jedes in unseren Flugzeugen installierte Sauerstoffsystem für Passagiere wird vor der Auslieferung mehrmals getestet, um sicherzustellen, dass es ordnungsgemäß funktioniert, und muss diese Tests bestehen, bevor es eingebaut wird.“ Auch bei Maschinen, die bereits im Einsatz sind, werde in regelmäßigen Abständen geprüft.

Der US-Konzern Boeing kommt seit dem Absturz zweier Maschinen des Typs 737 Max nicht zur Ruhe. Auch hier sind die technischen Probleme nach wie vor nicht ausgeräumt, die Maschinen bleiben weiterhin gegroundet. 

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