Eine Fläche von 116 Fußballfeldern, drei Seilbahnen und diverse Einkehrmöglichkeiten: Schon im nächsten Jahr soll in den Skigebieten Pitztal und Ötztal kräftig gebaut werden. Das Resultat: das weltweit größte Gletscher-Skigebiet. Für das Vorhaben, die Lifte im Pitztal mit jenen im benachbarten Ötztal zu verbinden, ist jedoch ein massiver Eingriff in die Natur vorgesehen. 

Umweltschützer kritisieren Fusion von Skigebiet Pitztal-Ötztal

Der Gletschergipfel des Linken Fernerkogels soll um 40 Meter gekürzt werden – mittels einer Sprengung, diese Information soll der Initiative „Allianz für die Seele der Alpen“, einem Zusammenschluss aus der österreichischen Vereinigung des Alpenvereins, dem WWF und den Naturfreunden, vorliegen. Bei der Sprengaktion könnten mehr als 750.000 Kubikmeter Gestein, Erde und Eis abgetragen werden, warnt die Allianz.

Die orange markierte Fläche soll nach Informationen der Umweltinitiative weggesprengt werden.
Die orange markierte Fläche soll nach Informationen der Umweltinitiative weggesprengt werden. Foto: WWF Österreich

„Hände weg von unseren Gletschern“, heißt es in einer aktuellen Petition. Bisher (Stand Dienstagnachmittag) haben bereits mehr als 71.300 Menschen unterschrieben, Ziel sind 75.000. Sie wollen nicht akzeptieren, dass der geplante Zusammenschluss auf Kosten der Gletscher und zugunsten des Massentourismus gehen würde.

In Anbetracht der fortschreitenden Gletscherschmelze fordern sie die Tiroler Landesregierung dazu auf, die Baumaßnahme zu stoppen. 

Gletscher-Sprengung? Projektbetreiber sprechen von „Fehlinformation“

Seitens der Projektbetreiber besteht offenbar Klärungsbedarf: Die Planung einer Sprengung sei „eine bewusste Fehlinformation, die von den Projektbewerbern kategorisch zurückgewiesen wird“, berichtete der „ORF“.

Tatsächlich beabsichtige man eine Begradigung einer Felskuppe, die zu einer Sprengung „hochstilisiert“ würde. Auch die 750.000 Kubikmeter Abtrag seien aus dem Kontext gerissen.

Der WWF Österreich hat das Mega-Bauprojekt visualisiert: Unter anderem zu sehen sind die geplanten Skipisten und Seilbahnstationen.
Der WWF Österreich hat das Mega-Bauprojekt visualisiert: Unter anderem zu sehen sind die geplanten Skipisten und Seilbahnstationen. Foto: WWF Österreich

Was denn nun? Die Betreiber bestätigten dem Sender, dass insgesamt 64 Hektar Piste bis zum Jahr 2026 entstehen sollen – ein ganzer Gipfel solle dafür aber nicht geopfert werden. Mit dem neuen Skigebiet soll der Tourismus im Herzen Nordtirols angekurbelt werden. Einer Studie zufolge könnten dann mehr als 200 Millionen Euro zusätzlich in die Staatskasse Österreichs wandern.

Pitztal-Ötztal könnte das weltweit größte Gletscher-Skigebiet werden

Tourismus ja, aber nur Hand in Hand mit dem Naturschutz, appelliert die „Allianz für die Seele der Alpen“. Die Umweltinitiative will wissen, dass neben den drei Liften auch ein 600 Meter langer befahrbarer Tunnel und ein asphaltierter Speicherteich aus dem Boden gestampft werden sollen.

Letzteres sei laut Generalsekretär des Österreichischen Alpenvereins, Robert Renzler, nötig, da zehn Hektar der Piste künstlich beschneit werden sollen, „was einen riesigen Speicherteich notwendig macht, der bisher unberührte Fließgewässer ableitet“, sagte er der österreichischen „Krone“.

Die Diskussion um die Zusammenführung von Pitztal und Ötztal läuft seit der im Mai 2016 beantragten Genehmigung. Derzeit werden Gutachten für die Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) eingeholt. Zu einer mündlichen Verhandlung könnte es dann Anfang Dezember kommen.