Gemäß einer Anweisung ihres Gottes Huitzilopochtli ließen sich die Azteken dort nieder, wo sie einen auf einem Kaktus sitzenden Adler, eine Schlange verspeisend, vorfanden – ausgerechnet auf einer Insel des Texcoco-Sees im Hochtal von Mexiko.

Hier erbauten sie im 14. Jahrhundert ihre prachtvolle Stadt Tenochtitlán, auf deren Ruinen die Spanier rund 200 Jahre später Mexiko-Stadt errichten sollten.

182 Meter ragt der Wolkenkratzer Torre Latinoamericana in die Höhe: Dem Himmel ein Stück näher.

Traumziel für Kultur- und Kunstfreaks, Gourmets und Partypeople

So bewegt die Geschichte der mexikanischen Hauptstadt ist, so bewegt ist auch ihr heutiges Gesicht. Von ihrer faszinierenden Geschichte zeugen prähispanische, koloniale und moderne Gebäude, darunter nahezu 200 Museen, Kunstgalerien und Ausgrabungsstätten. Für alle Kunstliebhaber und Geschichtsinteressierten gibt’s kaum ein besseres Reiseziel als „Ciudad de México“, kurz: CDMX – gehört sie doch zu den Städten mit der höchsten Museumsdichte weltweit. 

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Auch Partygänger und Feinschmecker kommen voll auf ihre Kosten. Szenige Bars und Clubs hoch über den Dächern der quirligen Metropole findest du in trendigen Vierteln wie der Condesa. Im Ranking The World’s 50 Best Restaurants sind alljährlich gleich mehrere Restaurants der Hauptstadt vertreten. Die vielen Essensmärkte und Tacostände bieten kulinarische Genüsse ohnegleichen – und die Cantinas Kneipenkultur mit Kultfaktor.

Die aztekische Mythologie wirkt fort

Noch mal zurück zu den alten Azteken: Die Drei-Ebenen-Vorstellung der aztekischen Mythologie beinhaltete die Unterwelt Mictlán (als Ort des Todes in etwa vergleichbar mit unserem Konzept der Hölle) die Oberwelt Topan (Himmel) und die Mittelwelt Cemanahuatl (Erde), die von den lebenden Menschen bewohnt ist. 

Heute verschmelzen Himmel, Erde und Hölle miteinander zu einer gigantischen 22-Millionen-Metropole. Während sich manche im Himmel wähnen, ist das Chaos der Hauptstadt für andere die Hölle. Für viele ist CDMX beides zugleich, atemberaubend lebendig und atemberaubend schockierend. 

Recht unzärtlich wird die Hauptstadt bisweilen Mexico-Shitty oder WCDMX genannt – mit Verweis auf die Annahme, jeder Chilango (Einwohner der mexikanischen Hauptstadt) würde jährlich drei Kilogramm an Fäkalien inhalieren.

Einmal tief Luft holen: Im Chapultec-Park kannst du zumindest für einen Moment dem Trubel entkommen.

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Mexico-City ist atemberaubend

Zwar scheint CDMX aufgrund ihrer Höhenlage auf 2.250 Metern dem Himmel sehr nahe zu sein, doch die dünne und dazu hoch verschmutzte Luft kann das Atmen zur Hölle machen. Du musst hier mit rund 23 Prozent weniger Sauerstoff als auf Höhe des Meeresspiegels auskommen. In der ersten Woche können Besucher an Symptomen der Höhenkrankheit wie Schwindel, Kopfschmerz, Übelkeit und einer gesteigerten Atem- und Herzfrequenz leiden. 

Nach einigen Tagen gleicht der menschliche Organismus den Sauerstoffmangel aus, aber die Beeinträchtigungen durch den Smog bleiben. Gerade bei Allergikern können die hohen Ozon- und Feinstaubwerte zu Gesundheitsproblemen wie Husten, Asthma und Entzündungen führen. 

Auch die Fitten werden beim Joggen in der eigentlich grünen Lunge der Hauptstadt, dem Bosque de Chapultepec, ins Keuchen kommen – und angesichts mexikanischer Jogger mit Mundschutz ins Grübeln. Tipp: Bei längeren Aufenthalten ist die Einnahme von hoch dosierten B-Vitaminen zu empfehlen.

Kontraste in Mexiko-Stadt: Zwischen den hochmodernen Wolkenkratzern kommt die weniger aufpolierte Seite der Mega-City zum Vorschein – insofern der Smog die Sicht nicht beeinträchtigt.

Mexico-City ist laut 

Mexiko-Stadt steckt voller Leben. Klänge unterschiedlicher Art und Lautstärke sind Teil der Magie dieser Stadt. Aber auch nervtötend. 

Wenn dich von links tosender Verkehrslärm beschallt, von rechts der aufgezeichnete Werbeschrei eines Tamales-Anbieters und die Handglocke der vorbeifahrenden Müllabfuhr, von vorn das Fahrzeug mit Megafon, das nach gebrauchten Matratzen fragt, von hinten wütende Demonstranten und der Mann, der laut „Gas“ schreit, von oben eines der zahllosen landenden und startenden Flugzeuge und gleichzeitig ein Straßenbettler dir mit seiner Flöte direkt ins Ohr flötet, ist das der Sound Mexico-Citys.

Auto an Auto an Auto: Zäher Verkehr auf den Straßen von Mexiko-Stadt.

In manchen Stadtteilen bei bis zu krankmachenden 195 Dezibel (in Deutschland gilt laut Umweltbundesamt ein Grenzwert von 55 Dezibel).

Tipp: Besuche ruhigere Stadtteile wie Condesa oder den Bosque de Chapultepec und eigne dir eine gewisse Lärmtoleranz an. 

Mexico-City ist Erdbeben-Risikogebiet

CDMX liegt in einem Erdbeben-Hochrisikogebiet. Der sumpfige Boden des mittlerweile trockengelegten Texcoco-Sees verstärkt die Schockwellen noch. In der lauten Mega-Metropole ist das Sirenengeheul des ansonsten äußerst fortschrittlichen Erdeben-Frühwarnsystems paradoxerweise recht leise.

Einige Chilangos berichten, dass der Alarm unter der Dusche kaum zu hören sei – weshalb manche nicht mehr duschen, wenn sie allein in der Wohnung sind. Man merkt: Wer die schweren Erdbeben von 1985 und 2017 erlebt hat, bleibt traumatisiert zurück. 

Mexico-City versinkt

Zudem befindet sich Mexico-Stadt im Abwärtstrend: Jährlich sinkt die Stadt um 30 Zentimeter nach unten, im 20. Jahrhundert waren es insgesamt 9,1 Meter. Historische Gebäude sind schief und von Rissen durchzogen, müssen durch Gerüste gestützt werden und liegen teilweise einen Meter unter dem Bordstein.

Unterirdische Trinkwasserrohre gehen kaputt und über ein Drittel des Trinkwassers somit verloren. Es herrscht Trinkwassermangel in CDMX. Die Stadt, dem Himmel so nah, sinkt immer tiefer und tiefer in das Erdreich ein – dorthin, wo die Azteken die Unterwelt vermuteten. 

Feiern bis zur Apokalypse

22 Millionen Menschen, eingeschlossen von mächtigen Gebirgszügen, konfrontiert mit permanenter Erdbebengefahr, extremer Luftverschmutzung, Verkehrschaos und dazu noch einem Vulkan, der hin und wieder für Ascheregen sorgt: Die geografischen und menschengemachten Probleme Mexiko-Stadts muten apokalyptisch an und man fragt sich, wie lange das noch gut geht.

Und doch (oder gerade deshalb?) brodelt die Metropole vor Lebenslust und Heiterkeit. Zwischen Wolkenkratzern und Aztekentempeln findest du eine einzigartige Mischung aus pulsierender Kunstszene, prickelndem Nachtleben und köstlicher Küche. Und nicht zuletzt ist da die Fröhlichkeit und Herzlichkeit der Chilangos, die den vielen Widrigkeiten des Lebens gut gelaunt die Stirn bieten. 

In der Mega-City zwischen Himmel und Hölle, Topan und Mictlán, Leben und Tod schaffen die Kontraste eine einzigartige Atmosphäre. Wer CDMX erlebt – und überlebt –, darf sich glücklich schätzen und ist um viele Erfahrungen reicher. Frei nach dem Motto:


 As a city, it is always compelling. But every day in Mexico City, I give thanks that I am alive.

 Alejandro González Iñárritu