Lange war es ein Geheimnis von Deutschlands Sterneköchen: „Die besten Jakobsmuscheln, die bekommst du in Düsseldorf“, so raunte man es sich zu. Inzwischen hat sich dieser Insider-Tipp unter Deutschlands Gourmets rumgesprochen. Als „Klein-Tokio am Rhein“ bezeichnen Städteführer die Stadt deshalb auch gerne, ist sie doch in Deutschland mit einem Bevölkerungsanteil von über einem Prozent diejenige mit dem höchsten Japaner-Anteil überhaupt. 

Besonders schnell tauchst du in diese Kultur von Sushi, Manga und Karaoke rund um die Immermannstraße ein. Erster Stop in einem All-You-Can-Eat-Restaurant wie das Maruyasu. Seit 1995 gibt es das Restaurant in den Shadow-Arkaden, nachdem sein Besitzer zuvor einen Lebensmittelhandel betrieben hatte und auch als Bergarbeiter aushalf. Akio Ando Kimiko kam wie viele Japaner in den 60er Jahren nah Düsseldorf – damals war der Handel mit Stahl aus dem Ruhrgebiet und der Rhein für den In- und Export nach Rotterdam als einer der wichtigsten Häfen Europas entscheidend für japanische Firmen, sich hier in Düsseldorf anzusiedeln. 

 Viele Japaner gingen nach ein paar Jahren wieder, wie es auch heute noch üblich ist, doch einige blieben auch und veränderten wie Akio Ando Kimiko das Stadtbild. Nur in London und Paris leben heute laut dem Japanischen Generalkonsulat noch mehr Japaner als in Düsseldorf und seiner Umgebung. Sicher ist Sushi hier im Maruyasu mit 100 Varianten das beliebteste Gericht. Als eines der besten Sushi-Lokale gilt das Kikaku, in dem du den Matten-Meistern beim Rollen zugucken kannst – vorausgesetzt du hast schnelle Augen. Vor allem die Thunfisch-Kreationen sind hier exzellent.

 Wer etwas anderes probieren möchte, hält sich an die gefüllten Algen-Sandwiches „Onigiri“. Die grünlichen Dreiecke, gefüllt mit Dreiecke mit Hühnchen, Shitakepilze, Lachs, Shrimps und vielen mehr verkauft der Imbiss Waraku. Sie sind so gut, dass der Laden laut Gerüchten an manchen Tagen schon nach dem Mittagessen ausverkauft sein soll. Von der Bento-Box und den Suppen ist aber auch dann noch genügend übrig …

 Neben Sushi verbreitet sich in Düsseldorf die Nudelsuppe – wie übrigens in ganz Deutschland  – immer stärker. Ramen, Sojabohnen-Brühe mit Nudeleinlage, gerne mit Fleisch oder Fisch, gibt es im Na Ni Wa satt. Mit Stäbchen und dem Mut auch mal richtig laut zu schlürfen, futtern sich die Deutschen hier neben Japanern durch die Suppen –  Glücksgefühle sind garantiert. Wer es noch authentischer möchte, geht ins Takumi: Die Menü-Karte ist ein Wust aus Schriftzeichen, die Nudelbar wie ein Urlaub mitten in Tokio, die Nudeln sogar von dort importiert und die Idee ist so erfolgreich, dass es Takumi-Bars in mehreren deutschen Städten gibt. 

 Edle Spezialitäten kommen im Nagaya auf den Tisch. Küchenchef Yoshizumi Nagaya hält einen Michelin-Stern, laut Bewertung wegen „einer Küche voller Finesse“. Das Ambiente steht im nüchternen Kontrast zu den Kunstwerken aus Hummer, Gelbschwanz, Leber und Wagyu-Lende  auf den Tellern. 

Wie sehr Hightech in der japanischen Kultur verankert ist, merkt der Besucher im Okinii, das es gleich zwei Mal in Düsseldorf gibt: In der City und am Medienhafen. Die Speisekarte gibt es per iPad. Und nach wenigen Minuten steht wie von Zauberhand der Kellner vor einem und serviert das All-You-Can-Eat-Menü mit Spezialitäten wie Spider Roll (Soft-Shell-Crab-Sushi), Tako Yaki (Oktopus-Klößchen) oder Ibodai Yaki (Butterfisch). 

 Wer nach dem Essen noch tiefer in die japanische Kultur eintauchen möchte, begibt sich nach Oberkassel, ins Eko-Haus. Der buddhistische Tempel ist der einzige in Europa, der von Japanern errichtet wurde. Und: Jeden Monat können Besucher bei einer Teezeremonie teilnehmen - schriftliche Anmeldung ist Pflicht, die Termine sind meistens schnell ausgebucht. Eine besondere Atmosphäre herrscht an Silvester. Dann klingen die Tempelglocken 108 Mal zur Vergebung von 108 Sünden.

Bunt und schrill wird Düsseldorf jedes Jahr am Japan-Tag. 2017 findet et am 20. Mai statt. Dann bestimmen Pokémons und Manga-Figuren das Bild der Innenstadt, zwischen Sushi-Ständen gibt Papierkunst wie Origami, gibt es japanische Musik und ab und an schwingt auch ein Japaner mal sein Samurai-Schwert kunstvoll durch die Luft. Mit einem Feuerwerk endet nachts dann das bunte Treiben.