Englisch spreche ich ganz gut, sieben Jahre Schulfranzösisch haben dagegen nur wenige Spuren hinterlassen. Bonjour, où est le chocolat? Im Studium probierte ich es auf eigene Faust: Spanisch wollte ich lernen, später noch Italienisch, Koreanisch, Chinesisch, Arabisch, Niederländisch, Vietnamesisch … Auf was für Ideen man halt so kommt.
 
Wir besuchen fremde Länder, doch die Fremden sind wir. Touristen. Ich bin gern Tourist, auch wenn das ja etwas verpönt ist. Doch Tarnung als Einheimische funktioniert nirgends – und warum sollte man sich auch verstecken? Wer sich als Fremde outet, der hat die Chance, spannende Orte gezeigt zu bekommen, neugierige Menschen kennen zu lernen. Wenn wir sie denn verstehen.

Ein paar Wörter können dir schon Türen öffnen

Englisch ist noch immer die Weltsprache Nummer eins, Spanisch und Chinesisch werden daran nichts ändern. Warum? Natürlich gibt es immer mehr Chinesen. Doch den meisten werden wir wohl nie begegnen. Englisch hingegen dient für Menschen aus der ganzen Welt als kleinster gemeinsamer Nenner. Die meisten Sprachen verwenden die gleichen Schriftzeichen, viele haben sogar ähnliche Wörter.
 
Wenn du in dieser Welt verstanden werden willst, solltest du Englisch sprechen, das sagt sogar die Wissenschaft. Wozu dann noch eine andere Sprache lernen? Der Aufwand lohnt sich. Wer schonmal weiß, was links, rechts und Toilette bedeutet, der kann Schilder besser lesen. Wer seine Grundnahrungsmittel beisammen hat, der endet nicht mit frittiertem Hund in der Suppenschale. Zimmer frei? Gibt es hier einen Supermarkt? Ein Glas Wasser, bitte? Und wer die Schilder am Flughafen lesen kann, der hat schon einen leichteren Start.

Selbst pantomimische Versuche werden belohnt

Aber es geht nicht nur ums Überleben. Es geht auch um Sympathie. Ein miserabel betontes Konnichi Wa zeigt dem japanischen Gegenüber, dass sich der Gast zumindest bemüht. Briten und Schotten werden nie müde, die Sprachkenntnisse des Gastes zu loben, Australier verstehen dich auch nicht, wenn dein Englisch perfekt sitzt, aber wenigstens wird es lustig.

In Israel und Palästina wird dein Gastgeber vermutlich freiwillig ins Englische wechseln, in die Zeichensprache – oder sogar ins Deutsche. Bei Hummus und Brot beginnt dann der Sprachkurs von Neuem. Arabisch ist nämlich in jedem Land ein wenig anders und Hocharabisch versteht kaum jemand. Völkerverständigung? Funktioniert über gegenseitiges Bemühen. Erfolg ist nebensächlich, lächeln und winken tut’s auch.

Der Aufwand lohnt sich also. Ist er groß? Kommt darauf an. Spanisch, Italienisch, Niederländisch, Französisch, Portugiesisch: Diese Sprachen ähneln einander, und sie ähneln dem Englischen. Für unser Gehirn sind die Wörter deshalb einfach zu lernen – dafür fällt es manchmal schwer, cerveza und cerveja der richtigen Sprach zuzuordnen. Wer gerade sein Spanisch aufgefrischt hat, der dürfte im Italienischen erst einmal Schwierigkeiten haben, die richtigen Wörter wieder zu entdecken. Aber keine Sorge: Unser Gehirn verliert die Informationen nicht. Es sortiert sie nur gut weg.

Story of my life #languages #francais #babbel

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Mit Post-Its Sprache lernen?

Am besten lernen wir eine Sprache, wenn wir sie in unseren Alltag integrieren. Doch nicht jeder hat Zeit und Muße für ein Sprachtandem mit einem Muttersprachler. Wenn du es leichter mit Speisekarten haben willst, kannst du einfach Zettelchen auf die Tomaten, die Gurken, die Milch kleben. Drauf steht nur das Wort in der fremden Sprache.

Die gleichen Zettel kommen noch auf die Kleidung, die Türen und werden im Badezimmer verteilt. Schon sitzen ein paar Wörter. Bei der Grammatik helfen Apps. Mein klarer Favorit ist „Babbel“. Die App bietet verschiedene Sprachen zum Abo an und hat Kurse, die zum Schreiben auffordern, zum Sprechen und dazu, ganze Sätze zu bilden.

Apps gibt es auch für fremde Schriftzeichen. Reinschnuppern geht wunderbar mit der App „Memrise“. Allerdings: Ein Crashkurs für Schriftzeichen und die Basics der neuen Sprache kann sich durchaus lohnen. Hurra: Den bezahlt oft die Arbeitsagentur, Stichwort Bildungsgutschein. Auch viele Universitäten bieten Sprachkurse an. 

Wer bezahlt, darf auch ohne Studentenausweis teilnehmen. Wenn die Sprache schon einigermaßen sitzt, kannst du dir die Online-Medien deines Ziels anschauen. So erfährst du, was im Land gerade läuft und entdeckst neue Wörter. Die Webseite dict.cc übersetzt sie dir, potentielle Lieblingswörter landen wieder auf Post-Its. Nur bei den Franzosen lohnt sich der Aufwand nicht. Die sind eher beleidigt, wenn ihre Sprache von deutschen Zungen missbraucht wird. Pardonnez-moi.