Stahl und Klinker, Glas und Plastik, Eisen und Projektion: Düsseldorfs Architektur lebt von Gegensätzen. Besonders in der Nachkriegsmodernen haben zahlreiche herausragende Künstler der Stadt mit ihren Gebäuden und Umbauten einen künstlerischen Anstrich verlieren. Düsseldorf ist damit auch eine Art Aushängeschild für Größen wie Daniel Libeskind, Joe Coenen, Claude Vasconi und Frank O. Gehry geworden. 

Am eindrucksvollsten wird für Besucher die Moderne am Medienhafen sichtbar. Büro- und Wohnhäuser stehen hier harmonisch, aber nicht heterogen beieinander. Manche Bauten sind kurvig, andere eckig, mit herausragenden Dächern, Fenstern oder Balkonen. Einige sind schlicht und glatt, andere kunterbunt mit dreidimensionalen Figuren an den Fenstern. Jedes Grundstück hat seinen eigenen Charme. Am besten fängst du bei den Gehry-Bauten an, dem Neuen Zollhof. Sie sind heute das am meisten fotografierteste Ensemble der Stadt. 

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Die drei Gebäude, die 1999 eingeweiht wurden, sind von Weitem auffällig, sehen sie doch aus, als ob sie schunkeln würden, wie „Die Zeit“ zur Eröffnung schrieb. Einer der Türme ist aus rotem Klinker und eher eckig, der andere aus weißen, kurvigen Kalkstein, in der Mitte stakt die Fassade aus Edelstahl gen Himmel – und schmilzt mit seiner Wellenform fast in der Sonne. Ein Trick des Architekten Gehry, denn so spiegelt der Mittelbau seine Brüder jeden Tag aufs Neues. Die Fenster ragen aus dem Gebäude, als ob sie sich auf in die Welt machen wollen.

Medienhafen: Szeneviertel für junge Leute

Vor gut zehn Jahren war der Hafen bestimmt von Lagerhallen und Tristesse. Inzwischen reihen sich Werbeagenturen an Hightechfirmen, Filmproduktionen konkurrieren mit Modefirmen, Szene-Restaurants lehnen sich an Clubs. Dazu wird hinter einer Glasfassade der örtliche Kräuterlikör „Killepitsch“ produziert. Ein Viertel, das junge, dynamische Menschen zum Wohnen und Arbeiten anzieht und die Touristen ebenso.

Im Vergleich zu den Gehry-Bauten wirkt das „Colorium“ da geradezu glatt. Aus 2.200 bunt bedruckten Glasfenstern setzt sich das Gebäude zusammen, schraubt sich wie ein großes Lego-Haus über 17 Stockwerke. Unter der Aufsicht des britischen Architekten William Allen Alsop (entwarf auch das Fährterminal in Hamburg) wurde es 2001 fertiggestellt, beherbergt seit drei Jahren ein Hotel. Wie ein Deckel schließt es oben ein rotes Technikgeschoss ab, das weit bis über den Rhein reicht.  

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Ähnlich bunt ist das in der Nachbarschaft stehende Roggendorf-Haus, das von den sogenannten „Flossis“ erobert wird. Diese 24 kunterbunten Kletterer der Künstlerin Rosalie hangeln sich an den Wänden hoch bis zum Dach – und fünf von ihnen sind sogar auf das Nachbargebäude ausgebüxt.

Mit Architekturpreisen prämiert ist das Capricornhaus im Süden des Hafens. Seine roten Glaspaneelen sind das besondere, wurden 2008 mit dem „Architects Award“ ausgezeichnet. Genannt werden sie  „i-modulFassade“ und beinhalten mehr Technik als jede Klimaanlage: Die Fenster sind es nämlich, die das Klima in jeden Raum steuern, die heizen, kühlen, frische Luft einlassen – und auch noch die Wärmerückgewinnung automatischen regeln. Außerdem regulieren sie den Schall, den Lichteinfall, sogar die Akustik - ganz schön viel, wenn man sich das geradlinige Gebäude von außen anschaut. 

Panoramablick vom Rheinturm

Alles andere als geradlinig – nämlich ganz schön bauchig – ist das sechsstöckige Bürogebäude „Haus vor dem Wind“ am Yachthafen. Seine gläserne Front von Architekt Günter Zamp Kelp wölbt sich wie ein Schiffssegel im Wind. Wer das Glück hat, das Gebäude von innen zu sehen – der Blick durch die riesigen, runden Fenster ist einmalig. 
Ein weiterer Blick im Medienhafen lohnt sich auf den Rheinturm, der mit seinen 240,50 Metern Höhe alle anderen Gebäude Düsseldorfs überragt. Er ist das einstige Wahrzeichen der Stadt, ehe die Gehry-Bauten diese Rollen übernahmen. Während einer ersten Planung in den 1910er Jahren sollte er sogar den Eiffelturm überragen. Dazu kam es dann doch nicht. 

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Erst 1979 zog die Stadt den Turm mit Architekt Harald Deilmann hoch. Neben der Höhe, wird am Rheinturm immer wieder mit Licht gespielt: Auf Seite der Altstadt ist die größte Dezimaluhr der Welt mit 39 übereinander angeordneten Bullaugen-Lampen angebracht. Sie geben Stunde, Minute und Sekunde an. Doch nicht nur sollten Besucher den Turm von unten betrachten, vor allem die Aussichtsplattform auf 166 Metern Höhe legt einen Düsseldorf zu Füßen.