Nach Michael Schumacher und Sebastian Vettel kennt dieses Gefühl nun auch Nico Rosberg. Der Deutsche hat sich hier in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten seinen langersehnten Kindheitstraum erfüllt. Im letzten Formel-1- Rennen der Saison 2016 musste sich der Mercedes-Pilot lediglich seinem Teamkollegen geschlagen geben. Aber: Der zweite Platz reicht ihm. Mit 385 Punkten und damit 5 Punkten Vorsprung vor seinem Rivalen Luis Hamilton, gewinnt Rosberg die Weltmeisterschaft. Seine Freude über den Titelgewinn ist grenzenlos. Was folgt ist eine lange Partynacht.  

Nico Rosberg, ein würdiger Titelträger, der offenbar auch im Feiern absolut weltmeisterlich ist. 

Hamilton: Weltmeister der Herzen oder unsportliches Verhalten? 

Darüber scheiden sich die Geister. Mehrere Runden lang fuhr der Brite auf Platz eins liegend vor seinem Teamkollegen und WM-Rivalen Nico Rosberg absichtlich langsam. Die Folge: Sebastian Vettel und Max Verstappen schlossen auf. Rosbergs zweiter Platz geriet in Gefahr. Hätten ihn beide Verfolger kassiert, wäre Hamilton Weltmeister gewesen. Die Aktion des Briten: „Nicht ganz fair“, sagte Sebastian Vettel nach dem Saisonfinale.

????

A photo posted by NICO ROSBERG (@nicorosberg) on

 Keke Rosberg, Vater des frischgebackenen Formel-1-Weltmeisters, hätte das Hamilton-Problem auf seine Weise in den Griff bekommen. „Ich wäre ihm ins Getriebe gefahren“, sagte der Weltmeister von 1982. 
Andere Rennfahrerkollegen brachten hingegen Verständnis für das Verhalten von Luis Hamilton auf, der das Rennen durch seine Aktion bis zum Schluss spannend machte. Die Verantwortlichen bei Mercedes tobten jedoch nach dem Rennen. Sie hatten ihren Fahrer mehrmals aufgefordert, schneller zu fahren. Der Brite widersetzte sich jedoch den Anordnungen seines Teams. Droht ihm nun der Rausschmiss bei Mercedes? 

Lewis Hamilton, Mercedes AMG, 2014 und 2015 feierte er hier seine WM-Titel.
Lewis Hamilton, Mercedes AMG, 2014 und 2015 feierte er hier seine WM-Titel. Foto: imago/LAT Photographic

Vor dem Showdown haben wir die Rennstrecke inspiziert

Motorsportfeeling vom Allerfeinsten: Auch ohne Rosberg, Vettel und Hamilton ist es ein Wahnsinnsgefühl, an der Strecke in den Vereinigte Arabischen Emiraten (VAE) zu sein. Hier messen sich jedes Jahr beim Saisonfinale  der Formel 1 die besten und schnellsten Rennfahrer der Königsklasse. Im Vorfeld der WM-Entscheidung durften wir hinter die Kulissen des Großen Preises von Abu Dhabi schauen. Ein junger Mann von der Yas Marina Circuit – so der Name der Strecke – führte uns über durch die heiligen Hallen und über das „Rund“, der mehr als fünfeinhalb Kilometer langen Rennpiste. 

Einmal fühlen wie 007

Die Führung beginnt in der Yas-Island-Autorenn-Schule, die Mitte Juni 2010 ihre Pforten öffnete. Hier stehen rund 50 Sportwagen. Interessierte können für 1500 VAE-Dirham (das sind rund 375 Euro) für eine Privatstunde auf dem Yas Marina Circuit fahren. Kennen und lenken lernen können die Gäste unter anderem sieben Aston Martin, GT4 Rennwagen, 4.7-Liter V8, Höchstgeschwindigkeit 290 Stundenkilometer. Das erste Mal fuhr James Bond, der „Geheimagent ihrer Majestät“ in „Goldfinger“ mit einem Aston Martin und zwar mit dem DB5. Außerdem ist hier ein Papp-Rennfahrer ohne Gesicht, aber in Lebensgröße, aufgestellt. Auch ein ausrangiertes Safety Car, ein Sicherungsfahrzeug, dürfen die Besucher sich anschauen und sich darin als Pseudo-Fahrer knipsen lassen. 

Hotel mit Renn-Atmosphäre

Wer es sich leisten kann, wohnt im Yas-Viceroy-Hotel unmittelbar an der Strecke. Gleich nebenan rasen die Piloten durch einen Tunnel. Und die Hotel-Gäste können das Spektakel beobachten, ohne das Haus verlassen zu müssen. Allerdings kosten sechs Nächte in dieser Luxus-Unterkunft „schlappe“ 40.000 Euro. 
Für rund 30 Milliarden Euro entstand mit Hilfe von mehr als 45.000 Arbeitern auf 2500 Hektar ein riesiger Freizeitpark mit der modernsten F1-Strecke der Welt, einem überdimensional großen Wasserpark und der Ferrari-Welt. Dazu mussten 1,6 Millionen Kubikmeter Erdreich verschoben, 720.000 Quadratmeter Asphalt, 225.000 Kubikmeter Beton verbaut, über 400.000 Quadratmeter Grünfläche hergerichtet und 5000 Bäume gepflanzt werden. 

Yas-Hotel auf Yas Island. Futuristisches Luxushotel inmitten der Formel 1 Rennstrecke von Abu Dhabi.
Yas-Hotel auf Yas Island. Futuristisches Luxushotel inmitten der Formel 1 Rennstrecke von Abu Dhabi. Foto: mago/Jochen Tack

Nach dem WM-Finale wird gefeiert 

Dass es sich in Abu Dhabi gut feiern lässt, zeigt euch der frischgebackene F1-Weltmeister Nico Rosberg. Nach dem Titelgewinn und der standesgemäßen Champagnerdusche bei der Siegerehrung, ließ es der Mercedespilot richtig krachen. In der "Amber Lounge" im noblen Golfclub Yas feierte Rosberg mit seiner Frau Vivian, Papa Keke, der Mercedes-Crew, den angereisten Freunden und einigen Rennfahrerkollegen.

Teamkollege Lewis Hamilton war trotz Einladung nicht auf der Party erschienen. Als Hamilton 2014 seinen WM-Titel in Abu Dhabi feierte, war Rosberg auf der Siegerparty dabei und tanzte mit. Rosbergs Dank über den gewonnen Titel galt seinem Team und vor allem seiner Frau Vivian, die ihn immer unterstützt habe.