Der englische Fotograf Rich McCor liebt das Reisen. Wenn du dir seinen Instagram-Account @paperboyo anschaust, kannst du ganz genau zurückverfolgen, wie er dazu kam, Fotos mit Scherenschnitten zu verknüpfen.

Am Anfang hat er nur Fotos von seiner Reise nach Lissabon gepostet. Vom Strand, vom historischen Aquädukt oder dem surreal gestalteten Anwesen Quinta da Regaleira. Noch während des Urlaubs machte er das erste Foto mit einem Scherenschnitt im Bild: Ein Polaroidrahmen in einem Strandfoto. Klar, die Idee ist nicht so originell, aber es ist der Grundstein für seine weitere Arbeit. 

Es folgen Fotos, in denen er zunächst Gebäude und Sehenswürdigkeiten mit Scherenschnitten ersetzt. Dann schreibt er selbst, dass er während einer Fotosession bei den Londoner Wolkenkratzern eine Idee hatte: Er nennt es „Eine Ode an den Mad-Men-Vorspann“ und er beginnt, dem Foto eine Erzählung hinzuzufügen.

Seine Scherenschnitte sind filigran gearbeitet und er achtet beim Schneiden auf viele Details. Um die Figürchen in Szene zu setzen, sucht er sich meist bekannte Orte aus, die seine Follower schnell wiedererkennen. Das gibt dem Ganzen auch etwas Persönliches, weil du denkst: Mensch, so hab ich das ja noch nie gesehen.

 

 

Seinen ersten Erfolg auf Instagram feierte er mit seiner Interpretation des Arc de Triomphe in Paris: Er sieht in der Sehenswürdigkeit die Beine eines Lego-Männchens. Also schneidet er sich den Oberkörper der Legofigur zurecht, stellt sich in die Mitte des sechsspurigen Champs Élysées und sucht so lange die richtige Position für das Foto, bis die Legofigur zum Leben erwacht.

 

Er selbst sagt, dass er am Anfang die Scherenschnitte noch direkt vor Ort angefertigt habe. Mittlerweile sei er aber so viel unterwegs, dass er seine Reisen besser organisieren muss. Deshalb sucht er sich in der Vorbereitung zunächst alle großen Sehenswürdigkeiten heraus und überlegt, wie er diese gut in Szene setzen könnte.

Danach recherchiert er Gebäude, die eine besondere Architektur haben oder schaut auf Instagram-Accounts von anderen Reisenden und lässt sich von diesen inspirieren. Mit der zunehmenden Popularität seines eigenen Accounts, geben ihm seine Follower auch häufig Hinweise, welche Orte er fotografieren könne. Neben den vorbereiteten Scherenschnitten hat er aber auch immer schwarzes Tonpapier, Skalpell und eine Schneideunterlage im Reisegepäck dabei.

Eine weitere Besonderheit an Richs Account sind die teilweise sehr langen Beschreibungen der Bilder. Bereits in seinen ersten Posts wird deutlich, dass es ihm wichtig ist, zu einem Foto Hintergrunddetails zu liefern und allein dadurch dem User einen Mehrwert zu geben. Diesen Anspruch hat er beibehalten. Mittlerweile gibt er auch Insider-Tipps für Reisende, die sich in der jeweiligen Stadt aufhalten oder er fügt dem Bild eine Entstehungsgeschichte hinzu. Wie beispielsweise diesem Foto, das er in Dubai gemacht hat:

„Als ich das Foto machen wollte, wurde ich von einem Wachmann angesprochen, dass ich hier eigentlich keine Fotos machen dürfe. Ich zeigte ihm, was ich machen wollte und hielt den kleinen Surfer-Scherenschnitt hoch. Ich sah, wie er leicht lächelte und bekam gesagt, dass er jetzt noch eine Runde über die Brücke fährt, mich dann auf dem Rückweg mitnimmt und zum nächsten Taxistand bringt.“

Dank der vielen Follower auf Instagram, wird Rich immer häufiger von Unternehmen oder Touristenverbänden damit beauftragt, passende Fotos zu machen. Auch Einladungen in die jeweiligen Länder werden ihm gemacht und ermöglichen ihm, sein Hobby zum Beruf zu machen: Eine erste Postkarten-Serie ist schon ausverkauft, die zweite ist in seinem Onlineshop erhältlich. Für Rich McCor ist damit ein Traum wahr geworden.