Der Fahrer unseres Land Cruisers heißt Mohammed. Er chauffiert uns wie es üblich ist in Marokko. Zügig. Mit 120 Kilometern pro Stunde über Schotter und Sand sind wir für die meisten Dörfer, die wir passieren, nicht mehr als eine Staubwolke. Wenn Mohammed die Nerven seiner Passagiere strapaziert, weil er 20 Zentimeter Abstand zu einem entgegenkommenden Lkw für ausreichend hält, schenkt er uns ein beruhigendes Lächeln. Immerhin…
 
Wir schicken uns selbst in die Wüste. Gestartet sind wir in Marrakesch. Nach rund 500 Kilometern vorbei am atemberaubenden Panorama des Hohen Atlas und geschätzt 150 Panikattacken am Rand von 300 Meter tiefen Schluchten erreichen wir den Ausgangspunkt unserer Sahara-Tour, ein Dorf nahe Merzouga, das Google Maps nicht kennt. Erwartet werden wir von vier Reiseführern. Sie heißen Mohammed – und servieren uns Minztee.
 
Zelte in der Sahara (Marokko)
Zelte in der Sahara. Foto: pixabay.com/wbwolfgang

Umgeben von Dünen sind schon kleine Kuppelzelte aufgebaut. Inklusive Koch- und Toilettenzelt. Ein Camping-Platz in der Sahara. Als die Sonne untergeht, fühlt es sich an, als schließe sich die Tür eines Kühlschrankes. Binnen einer Stunde fällt die Temperatur von 32 auf vier Grad. Zwei Mal stehe ich auf in der Nacht. Habe ich noch einen Pullover eingepackt?

Um 7 Uhr weckt uns Mohammed. Er schiebt uns eine kleine Schüssel mit etwas warmem Wasser ins Zelt. Wüstendusche. Schnell sind die Kamele beladen. Obenauf die blauen Matratzen unseres Nachtlagers, die jetzt einen passablen Sattel hergeben. Dachte ich. Vier Stunden schaukele ich durch den größten Sandkasten der Welt. Dann entscheide ich, lieber eine Weile zu Fuß zu gehen. Der Hintern schmerzt.
 
Kamel-Karawane durch die Sahara.
In der Karawane durch die Sahara. Foto: pixabay.com/JimboChan

Erg Chebbi ist das größte zusammenhängende Sandwüstengebiet Marokkos mit bis zu 100 Meter hohen Sanddünen. Hier sieht die Sahara aus, wie ich mir Wüste vorgestellt habe. Wie in „Lawrence von Arabien“. Und heiß ist es auch. Die Sonne brennt unerbittlich. Kein Schatten. Nirgendwo. Alle zwei Stunden werden wir mit gekühlten Tüchern versorgt, die wir uns um den Kopf wickeln.

Trekking-Tour mit ganz viel Luxus

Überhaupt hat unsere Karawane eine Menge Luxus. Mittags und abends versorgt uns ein Koch mit regionalen Köstlichkeiten. Käse, Oliven, Sardinen, Tajine. Sogar kaltes Bier hat er dabei. Zum Sonnenuntergang musizieren Berber für uns. Wüsten-Entertainment.
 
Er Chebbi ist das größte zusammenhängende Sandwüstengebiet Marokkos.
Die Sonne in der Sahara ist gnadenlos. Foto: pixabay.com/JimboChan

Ich schlafe wie ein Stein in dieser Nacht. Bis mich mein Wecker um 5 Uhr aus dem Schlafsack treibt. Sonnenaufgang in der Wüste, das ist in der schier unendlichen Weite ein überwältigendes Schauspiel. Eine Symphonie von Farben, von hell und dunkel, von laut und leise. Grandios. Erst seit diesem Morgen weiß ich, dass Rot hundert Varianten hat. Selten habe ich die Welt so friedlich erlebt. Die Kamele liegen und fressen. Ein leichter Wind geht. Die Hitze kommt. Man kann sie hören.

Kurze Zeit später mahnt uns Mohammed zum Aufbruch. Nach zwei Tagen durch Sand führt uns die letzte Etappe durch eine Steinwüstenebene. Nichts als Kies und Geröll. 70 Prozent der Sahara sehen so aus. Längst hat das Reisen etwas Meditatives. Wir schweigen und träumen.

Ein Berber fährt mit seinem Moped durch die Steinwüste Erg Chebbi (Marokko).
Ein Berber fährt mit seinem Moped durch die Steinwüste. Foto: imago/McPHOTO

Zurück in Merzouga, einem Berberort in der Wüste, freue ich mich vor allem auf eine Dusche. Leider hat das Hotel in diesem Oasenstädtchen gerade kein warmes Wasser. Ist hier oft so, entschuldigen sich die Einheimischen. Wir nehmen es als Erfrischung.

Morgens klettern wir wieder in einen Geländewagen, der uns zurück nach Marrakesch bringt. Ich sitze neben dem Fahrer, der extrem entspannt wirkt. Mit 110 Kilometern pro Stunde schleicht er geradezu durch die Ortschaften. Erst nach einer Stunde komme ich darauf, ihn nach seinem Namen zu fragen. „Said“, sagt er. Aber das könnten Deutsche ja nicht aussprechen. „Nenn mich einfach Mohammed…“
 
Hotel Kasbah Tombouctou in Merzouga, Sahara in Marokko.
Hotel Kasbah Tombouctou in Merzouga. Foto: imago/imagebroker