Saphire und Nir sehen aus, als seien sie geradewegs dem Wilden Westen entsprungen: Karohemd, Cowboystiefel und dann dieses lässige Abenteuer-Lächeln, wenn sie auf dem Pferderücken sitzen. Beide sind Anfang 20 und Guides auf der Ranch Vered Hagalil. 

Vered Hagalil liegt mitten in Galiläa, gegenüber der Golan-Höhen, oberhalb des Sees Genezareth. Die malerische Hügellandschaft ist im Frühling grün und fruchtbar, im Herbst trocken und steinig. Was sie nicht zu bieten hat, sind immer gleiche, ausgetretene Waldwege, wo einem Bäume die Sicht versperren und man sogar den Pferden ansieht, dass sie davon gelangweilt sind. Nein, Galiläa ist Wildwest-Kulisse, oder besser: Wildost-Kulisse. 

Du musst trotzdem kein erfahrener Reiter sein, um dich mit Saphire und Nir auf Erkundungstour zu begeben. „Es ist ganz leicht“, erklärt Nir zu Beginn der Tour. Er macht es mit seinem Pferd vor, es folgt brav. Er wirkt so verbunden mit seinem Tier, was soll da schon schief gehen? 

Schon geht es los. Über Stock und Stein und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Die Steppen-Landschaft ist so uneben und unberührt, dass mit dem Rad oder mit dem Auto kein Durchkommen wäre. Mit dem Pferd aber schon. Und die Tiere haben sichtlich Freude daran. Sie wirken völlig entspannt und scheinen sehr gut damit umzugehen können, dass der ein oder andere Reiter sich noch an das Gefühl gewöhnen muss.

Plötzlich, nach ungefähr 20 Minuten liegt der silbrig funkelnde See Genezareth vor einem, auf dem in der Mittagssonne ein paar Fischerboote schaunkeln. Keine Menschenseele kreuzt den Weg, umso eindrucksvoller ist der unendlich weit scheinende Blick über das Heilige Land. „Immer wieder schön“, sagt Saphire, die die Gruppe von hinten zusammen hält. „Immer wieder schön“, sagt auch Nir, der vorne weg reitet. 

Ach ja, da war doch was, dieser See! Hier soll Jesus einst übers Wasser gelaufen sein und mit fünf Broten und zwei Fischen 5.000 Menschen satt bekommen haben. Völlig egal, ob du daran glaubst oder nicht, Millionen Menschen auf der Welt tun es. Und genau an diesem Ort gemütlich entlang zu traben, lässt kaum jemanden unberührt. Das ist schon besonders. Vielleicht auch, weil sich die Landschaft seit 2.000 Jahren kaum verändert hat, von den paar Strommasten einmal abgesehen. 

Für Nir und Saphire könnte es keinen besseren Ort zum Reiten geben. Und keinen zum Arbeiten. Sie lieben ihr israelisches Cowboy-Leben und natürlich versprüht die einsam gelegene Ranch durch ihre Holz und Basaltstein-Architektur ein bisschen USA-Prärie-Feeling. Das Beste aus beiden Welten sozusagen. Und diesem Ost-West-Cowboy-Mischmasch kannst du dich auf dem Pferderücken nur allzu wunderbar hingeben. Ob auf einer Halbtagestour über die Steppe oder auf einer mehrtägigen Route durch ganz Galiläa. 

Insider wissen schon lange, dass Israel ein ideales Ziel für Pferdefreunde mit Abenteuer-Bedarf ist. Das Land lockt mit unberührten Landschaften, rauen Gegenden und vielen bedeutenden historischen Plätzen, die mitunter für ein bisschen Gänsehautfeeling obendrauf sorgen. Und doch gilt Reiturlaub in Israel immer noch als Geheimtipp, was dafür sorgt, dass die Ranches nicht überlaufen sind und du schon ein paar Stunden über die Steppe galoppieren musst, um überhaupt auf Gegenverkehr zu treffen. Wilder Westen, ganz weit im Osten. Das gibt es nur hier!

Preise: Reiterferien auf der Ranch Vered Hagalil, inklusive Unterkunft ab ca. 100 Euro pro Tag. Ausritt in der Gruppe, je nach Saison ab 30 Euro.