Die Mittagshitze brennt. Am Straßenrand gammeln ein paar Jugendliche. Manche warten auf Arbeit, manche darauf, dass die Zeit vergeht. Mittagszeit in Khayelitsha, dem drittgrößten Township Südafrikas am Stadtrand von Kapstadt.

Vermutlich leben hier etwas mehr als 1,5 Millionen Menschen. 90 Prozent Schwarze, 10 Prozent Menschen mit schwarzen und weißen Eltern. Sie sind arm – ihre Hütten aus Blech, Holz und Pappe. 

Born and bread in this awesome township #kasiLam #Khayelitsha

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„Hierher kommen wir, wenn wir neue Möbel brauchen.“ Unser Guide zeigt auf eine rostige Wellblechhütte, vor der vier, fünf schäbige Sessel stehen. Ein Möbelhaus? Sieht eher nach Sperrmüll aus. Drüben am Marktplatz feilschen mit Plastiktüten unter dem Arm Frauen um frisches Obst oder Fleisch.

Die Männer sitzen an den Straßenecken im kargen Schatten der Hütten auf ihren wackeligen Klappstühlen. Bräsig beobachten sie das geschäftige Treiben ihrer Frauen. Einkaufen ist Frauensache, arbeiten die Angelegenheit der Männer. Aber Arbeit gibt’s nicht. So sitzen sie hier, reißen hin und wieder den Deckel einer Bierdose auf.

Keine Arbeit, keine Perspektive und trotzdem glücklich. In Khayelithsa scheint das zusammenzupassen. Viele warnen vor einem Besuch der Townships. Ich fühle mich hier nicht unsicher, halte aber respektvoll Abstand. 

Kapstadt: Cocktails statt Dosenbier

Szenenwechsel. 30 Kilometer von Khayelitsha entfernt, auf der anderen Seite des Tafelberges: alles neu, alles schick. An der „Victoria & Albert Waterfront“, dem modernen und eleganten Stadtzentrum der Metropole Kapstadt, geht es nur um eins: Geld machen. Rolex und Armani statt schäbiger Turnschuhe und zerrissener Jeans. Cocktails statt Dosenbier.

Über ihre Grundnahrungsmittel müssen sich diese Leute hier keine Gedanken machen.Die Waterfront ist eine der wenigen Gegenden Kapstadts, die auch in den Abendstunden für Touristen sicher ist. Die zahllosen Kneipen und Cafés bieten einen wunderbaren Blick auf den Indischen Ozean und den Tafelberg. Die Armut und das Elend der Townships sind hier schnell vergessen. 

Der Tafelberg bildet das geografische Zentrum von Kapstadt. Es scheint, als drehe sich die gesamte Stadt nur um ihn. Sportfanatiker laufen den Berg rauf und runter, Naturliebhaber wandern über die Hänge und Böschungen, und die restlichen Leute, nun ja, die sitzen auf ihren Balkonen und bestaunen die Wolken, die den Tafelberg in kürzester Zeit überziehen – die sogenannte Tischdecke.

Tafelberg: Magnet für Touristen und Einheimische

Wie ein Magnet zieht er Besucher und Einheimische an. Nach oben geht es per Gondel. Wer mit will, braucht Geduld. Wir haben Glück, bereits nach 30 Minuten stehen wir ganz vorn in der Schlange. Die Fahrt zum Gipfel ist nur 5 Minuten lang, aber spektakulär. Während der Fahrt dreht sich die Kapsel um die eigene Achse – ein nahezu perfekter Panorama-Blick über die Westseite Kapstadts! 

#Capetown you are beautiful ????

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Hier oben brennt die Sonne noch gnadenloser. Der Tafelberg macht seinem Namen alle Ehre. Erst hier oben wird einem bewusst, dass das Berg-Plateau aus einer riesigen, ebenen Fläche besteht. Fast 6.500 Hektar umfasst eines der neuen Sieben Weltwunder (Tafelberg, Amazonas, Halong Bay, Iguazu Falls, Jeju Island, Komodo und Puerto Princesa).

Große Lagune in den Knysna Heads

Südafrika bietet viele einzigartige Aussichtspunkte. Neben dem Tafelberg gehören die Knysna Heads (knapp 500 Kilometer von Kapstadt entfernt, an der Gardenroute) zu den atemberaubenden Natur-Schauplätzen. Charakteristisch für das Ortsbild von Knysna ist die große Lagune. 

In diesen gut geschützten Naturhafen kommen Schiffe nur durch einen engen Kanal. Rechts und links dieser Einfahrt stehen „The Heads“, zwei riesige Sandsteinklippen. Schon zahlreiche Schiffe hatten Probleme mit der engen Durchfahrt und sanken hier, direkt vor dem Hafen.

Die Royal Navy bezeichnet die Heads als die gefährlichste Hafeneinfahrt der Welt. Verständlich, warum die Schifffahrtsagenturen für diese Einfahrt keinen Versicherungsschutz anbieten.

Tuktuk-Fahrt in Knysna

In Knysna mieteten wir uns spontan ein Tuktuk. Tuktuks kommen ursprünglich aus dem asiatischen Raum und werden dort oft als Taxi-Ersatz verwendet, da sie sich einfacher durch enge Straßen manövrieren lassen. Unser Fahrer heißt genauso wie ich: Hendrik. Er lebt seit 1995 in Knysna. Und liebt seine Heimat. Eine Hand am Lenker, mit der anderen wild gestikulierend, tuckert er uns zu einem der Heads.

Das Tuktuk müssen wir an der steilen Bergstraße 200 Meter vor unserem Ziel parken. Es hilft nichts, den steilen Rest müssen wir zu Fuß überwinden. Und werden belohnt: mit einer Aussicht, die ich in meinem Leben nicht vergessen werde. Als ich die hölzerne Plattform betrete, bleibt mir die Luft weg.

Unten brüllt der Indische Ozean, peitscht die Wellen an den Klippen hoch und am Horizont eröffnet sich diese unendliche Weite. Blau, soweit das Auge reicht. So klares, so azurblaues Wasser, dass es einem selbst hier oben vorkommt, als könne man wie durch eine Glasscheibe bis auf den Meeresboden schauen. 

Faszination Südafrika, das Land hat mich gepackt. Die Natur, die Menschen – halt, da fehlt doch noch was! Klar doch, die wilden Tiere! Natürlich wollen auch wir das volle Programm. Es geht in die Karoo Halbwüste zum Addo Elephant Park. Auf dem Parkplatz am Park reicht uns ein Wäter eine Liste mit allen Tieren. Zum Abhaken!

Schon nach wenigen Kilometern gegenverkehr: Ein gigantischer, ausgewachsener Elefant schlendert direkt auf unser Auto zu. Mama knipst, Papa wird nervös. Ein Elefant vor seinem Auto – die Situation schneint ihn sichtlich zu überfordern. 

Das riesige Tier vor uns ist weniger aufgeregt. Er stampft einfach weiter zum nächsten Baum. Elefant und Vater haben die Situation gemeistert und wir machen uns weiter auf zum Tierabhaken. Ein „tierisch“ toller Tag. 

Südafrika  – das bleibt das Land der großen Gefühle, Abenteuer und Gegensätze. Ein anderes Land, das wirkt wie eine andere Welt.