Wer durch die Altstadt von Segovia schlendert, der sieht in vielen Schaufenstern kleine Schweinereien: Spanferkel „Suckling pig“, wie es auf den Speisekarten für Touristen heißt, scheint die Leibspeise der Kastilier zu sein.

Nirgendwo isst du sie stilvoller als im „Meson de Cándido“, im Schatten des grandiosen Aquädukts, das einst die Römer ohne Mörtel oder Zement aufschichteten, um das Wasser von den Bergen in die Stadt (und auf den Burgberg) zu leiten.

Vielleicht solltest du dir dieses eindrucksvolle und immer noch funktionsfähige Bauwerk in Ruhe ansehen, ehe du an der Plaza del Ezoguejo in „Candidos Gaststube“ einkehrst. Denn hinterher bist du vielleicht zu träge, um die Treppen noch zu erklimmen.

Andererseits ist auch dieser wundersam verschachtelte Gasthof ein Kulturdenkmal und trägt so dazu bei, dass diese historische Stadt seit 1985 als Unesco-Kulturerbe der Menschheit geehrt wird. Und gehuldigt wird eben auch dem Lechón oder auch Cochinillo.

Das Spanferkel-Ritual in Segovia 

Im „Meson de Cándido“ wird das Spanferkel mit einer Zeremonie aufgetragen, blaue Flämmchen umzüngeln noch die krosse Haut. Dann kommt, zumindest für Reisegruppen, der Chef des Hauses mit dem Teller in der Hand und preist, wie zart das Fleisch ist.

Und dann das kulinarische Erlebnis: Dieses Schweinchen schmeckt wirklich noch nach Schwein. Eigentlich gibt es dazu nur Brot, um die köstliche Soße aufzutunken, aber zuvor hatte es schon Salat, große weiße Bohnen mit Schweineohr und -fuß sowie kastilische Suppe gegeben.

Castilla y León - ein Zentrum Spaniens

Danach ruht der geneigte Gast ganz in sich und dazu, den Einheimischen zuzustimmen, die Kastilien y Léon für das eigentliche Zentrum Spaniens halten. Hier schlug in der verworrenen Geschichte Spaniens das Herz des Landes, ehe die Könige nach Madrid abwanderten. Segovia, Burgos oder Valladolid mögen an Bedeutung verloren haben, an Selbstbewusstsein nicht.

Dafür sorgte schon die Unesco, die neben Segovia auch die mittelalterliche Stadtanlage von Ávila zum Weltkulturerbe ernannte. Natürlich ist die Stadtmauer ein Muss, du kannst dich aber auch der Frage widmen, was denn ein Chuletón de Ávila ist. Das ist meist ein großes, dickes, maximal medium gebratenes Ribeyesteak vom Rind und als Chuleta de Ternera auch ein Kalbskotelett. 

So historisch stilvoll du im örtlichen Parador von Ávila auch übernachtest, die gekochte Milch als Nachspeise solltest du doch lieber im „Meson el Cid“ in Burgos kosten, wo die „Leche frida flambenda“ viel köstlicher schmeckt.

Auch wer glaubt, in seinem Leben schon genügend Kirchen besichtigt zu haben, würde etwas verpassen, wenn er die Kathedrale dieser Stadt umgeht.

Hinterher kannst du gut nebenan in das „Meson el Cid“ einkehren. Da folgt auf einen erfrischenden Thunfischsalat ein Lauchkuchen und dann die ortstypische Blutwurst, die zur Hälfte aus Zwiebeln und zu einem Viertel aus Reis besteht – und mundet. Als Hauptgericht folgt traumhaft zartes Lamm.

Übernachten wie ein Pilger

Wer preiswert übernachten will, muss sich als Pilger auf dem Weg nach Compostela registrieren lassen und kann dann in Burgos in einem modernen Vielbettzimmer für eine Handvoll Euro sein müdes Haupt betten. Wer es luxuriöser mag, der ist im Luxushotel Abadia Retuerta mitten im Weinbaugebiet Ribero del Duero bestens aufgehoben. Hier wurde ein altes Kloster zu einem weiträumigen Hotel umgebaut. Das Haus gehört zur Vereinigung Relais & Châteaux, das sagt einiges über Anspruch und Preiskategorie – wurde es doch zum besten Hotel Spaniens 2016 gekürt.

Wer hier nächtigt, blickt auf Weinstöcke. Wer wissen will, wie die dazugehörigen Weine schmecken, muss nur die Straße überqueren. In der Stadt Valladolid ist eine Weinprobe in der dezent schrägen Vinoteca Malauva ein Erlebnis für sich.

Die Weinkellerei Bodegas Portia 

Wie sich die Gegenwart ganz futuristisch gebärdet, ist in der Weinkellerei Bodegas Portia zu besichtigen. Der britische Stararchitekt Norman Foster hat hier eine futuristische Anlage entworfen, die wie ein gelandetes Ufo aussieht – allerdings mit Restaurant, Filmvorführungen für die erwünschten und erwarteten Besucher. Und den Spitzenwein des Weinguts Trienna, dessen Etikett den Umriss des Gebäudes als Zierde hat, gibt es auch nur hier zu kaufen.