Wir waren den ganzen Tag in San Francisco unterwegs, sind am Küstenwanderweg zur Golden Gate Bridge gelaufen, dann rüber nach Downtown und von dort aus zum Dolores Park. Als wir schließlich abends in einer Taqueria saßen, einem mexikanischen Schnellimbiss, fühlten wir unsere Beine nicht mehr. Nur noch ein Gedanke kreiste in unseren Köpfen: Ab ins Bett! Aber wie? Mit der Metro wäre es etwa eine Stunde bis zu unserer Unterkunft. Nehmen wir ein Taxi? Nein, wir machen es wie die Locals: Wir„ubern“.

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Über die App des Fahrdienstes, der in den USA vollkommen legal und beliebt ist, bestellten wir unsere Mitfahrgelegenheit. In Echtzeit konnten wir nachverfolgen, wo das Auto, das uns abholen sollte, unterwegs war. Bald würde es unsere Position erreichen. Nur noch zwei Minuten. 

Scott, unser etwa 45-jähriger Fahrer, öffnete uns die Tür seines Toyota Corollas. „Hey Guys, how are you?“, begrüßte er uns. Er war, wie die meisten Amerikaner, die wir bisher getroffen hatten, sehr gesprächig. Er freute sich, dass wir aus Deutschland kamen und erzählte uns von einer Jugendliebe aus Hamburg. 

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Scott gehört zu den nun mehr als 45.000 Uber- und Lyft-Fahrern – Ubers größter Konkurrent – die mittlerweile in San Francisco arbeiten. „Uber ist sehr beliebt hier“, erzählt er uns. „Ich komme jeden Tag aus Oakland hierher, um zu fahren“. Die hohe Zahl an Mitfahrgelegenheiten und die dadurch niedrigen Fahrtkosten, machen Fahrdienste wie Uber oder Lyft bei Touristen wie bei Locals gleichermaßen populär. Für die Stadt werden sie dagegen allmählich zum Problem, denn die Straßen San Franciscos versinken auch so schon im Verkehrschaos. 

Unsere Fahrt dauerte dank Rushhour etwa eine halbe Stunde. Scott schimpfte und nahm oft Umwege. Uns störte das nicht. Wir hatten die 15 Dollar für die Fahrt bereits über die App bezahlt, die immer im Vorfeld den Preis festlegt – egal wie lange man dann doch unterwegs ist. Zu dritt machte das fünf Dollar pro Kopf, nur 2,55 Dollar mehr als die Metro. 

„Ihr solltet unbedingt North Beach besuchen! Aber nicht das Fishermann´s Wharf. Das ist voller Touristen. Schaut lieber in den kleinen Gassen Richtung Downtown vorbei. Dort gibt es coole Cafés und Bars“, erzählte Scott „und ihr solltet zum Castro-Viertel, das Herz der Schwulenszene. Das alte Castro-Kino ist ein Relikt, sehr sehenswert“. 

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Scott erzählte mit Begeisterung, gab uns allerlei Tipps für San Francisco und sogar für unseren Roadtrip über den Highway Nr. 1: „Ihr solltet zu den Tassajara Quellen und das Hearst Castle besuchen, aber nehmt die Nacht-Tour. Nachts verkleiden sich die Angestellten und man fühlt sich wie in Zeiten des exzentrischen Verlegerkönigs William Hearst.“ 

Wir fühlten uns bestätigt: Ubern war eine gute Idee. Es gab nichts auszusetzen. Doch das Geschäft hat auch Schattenseiten, die vom App-Nutzer nicht auf den ersten Blick erkannt werden: „Es ist ein schwieriges Geschäft geworden“, erzählte Scott. Die Konkurrenz unter den Fahrern sei groß. Außerdem sind die Fahrer über Uber oder Lyft als Selbstständige tätig, haben keine sozialen Leistungen und auch keinen Urlaub. Viele von ihnen, wie auch Scott, fahren aber täglich und in Vollzeit.

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Daher gingen sie im Frühjahr auf die Straßen und klagten gegen ihren Arbeitgeber. Der auf 60 Milliarden Dollar geschätzte Start-up-Riese Uber, einigte sich schließlich auf einen 100-Millionen-Dollar-Vergleich. 

Die neuen Fahrdienste sind also ein zweischneidiges Schwert: Für erschöpfte Touristen dennoch manchmal das allerbeste. Scott setzte uns vor unserer Tür ab. „Machts gut! Viel Spaß in Kalifornien!“ verabschiedete er sich – und fuhr schnell zum nächsten Pickup. Er wird noch die ganze Nacht unterwegs sein.