„Surfen – das geht in Europa doch nur in Portugal oder Spanien richtig gut.“ Diese Meinung ist weit verbreitet und gerade Anfänger werden durch die zahlreichen Surfschulen an die Küste der iberischen Halbinsel gelockt. Es sprechen auch viele Argumente für das Wellenreiten im Süden: als Neoprenanzug reicht – wenn überhaupt von Nöten – ein Shorty, es gibt fast immer einen stetigen Swell, der die Wellen ans Ufer treibt und schön warm ist es auch das ganze Jahr über. Was viele nicht beachten ist, dass die Spots in Spanien und Portugal durch ihre Popularität häufig völlig überfüllt sind. Und ein volles Lineup bringt häufig auch Aggressionen, Streit und schlechte Stimmung mit sich. Vor allem, wenn du noch Anfänger bist und eigentlich genug mit dir und deinem Board zu tun hast, anstatt dich um die inoffiziellen Regeln im Wasser zu kümmern. Wenn du also lieber deine Ruhe in den Wellen haben willst, dir 20 Grad Celsius Lufttemperatur und 17 Grad Celsius Wassertemperatur im Oktober reichen, dann versuch es doch mal an Englands Atlantikküste in Cornwall. 

Wellen laufen an den Strand bei St. Agnes
Die Wellen laufen gemächlich an den Strand von Chapel Porth bei St. Agnes. Foto: Sarah Wahnelt


Am westlichsten Strand Englands gibt es Wellen ohne Ende

Diese südwestlichste Grafschaft Englands bietet dir viele Spots, die nicht nur mit leeren Lineups locken, sondern auch landschaftlich abwechslungsreich sind. Allerdings darfst du dabei nicht den Massen in das Surfmekka Newquay folgen – für einen Shoppingausflug lohnt sich die Stadt trotzdem – sondern solltest die kleinen Hafen- und Fischerstädte anpeilen. Ein besonderes Highlight ist dabei das fast schon verschlafen wirkende Fischerdorf Sennen. Nur 1 Meile von Land’s End entfernt, ist Sennen der westlichste Surfspot des Vereinigten Königreichs. 

Corduroy lines #houseonthehill #homesweethome

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Die Anfahrt ist – wie auch in anderen Teilen Cornwalls – sehr hügelig und besonders die letzte Abfahrt zum Strand hinunter hat es in sich. Unten angekommen, musst du scharf rechts auf den großen Bezahl-Parkplatz abbiegen. Hier siehst du auch gleich schon die ersten Locals auf der Suche nach der perfekten Welle. Praktisch: Toilette und Trinkwasser gibt’s direkt vor Ort. Beim Sennen Surfing Centre oder bei der Smart Surf School kannst du dir bei Bedarf Board und Neo ausleihen. Auch ein Surfshop ist vorhanden, in dem du deine kühnsten Surfequipment-Träume ausleben kannst. 

#smartsurf instructor Seb Smart in a typical situation between teaching lessons.. #Sennen #fearless #air

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Die Locals sind entspannt und geben auch gerne Tipps 

Für Anfänger kommen die besten Wellen während der Ebbe rein, weil dann der Strand wesentlich größer wird und keine Steine mehr ins Wasser ragen. Dort wartet dann glasklares, türkis-blaues Wasser auf dich und ein edler Sandstrand. Hier kannst du in entspannter Atmosphäre deine ersten Versuche auf dem Brett starten oder deine Fahrkünste weiter ausbauen. Wenn du schon nur noch Grünwasserwellen reitest, dann solltest du auf jeden Fall warten,  bis sich der Wasserstand wieder hebt und den nördlichen Teil des Strandes anpeilen – hier gibt es die höchsten Wellen.

Surfer am Strand von Sennen
In Sennen ist für jeden Surfer was dabei: Vom blutigen Anfänger im Weißwasser bis hin zum Profi in der grünen Welle. Foto: Sarah Wahnelt


Nicht nur was für Surfer: Cornwall lockt auch Gourmets, Kletterer und Wanderlustige an

Wenn du nach dem Surfen noch etwas Zeit in Sennen verbringen willst, kannst du im Blue Lagoon mit Fish and Chips wieder Energie tanken oder im Little Bo Café den süßen Klassiker Cornish Cream Tea probieren. Beachte: Jam first, cream second. Soll heißen: Erst die Marmelade auf das Gebäck streichen, danach die Clotted Cream (eine Art Rahm, der sehr sehr sahnig ist). Diese Reihenfolge ist Tradition in Cornwall. In der benachbarten Grafschaft Devon dagegen hält man es andersherum. Um Streitereien zu vermeiden halte dich besser an die jeweilige Vorgabe. 

One of these is VERY wrong! #scone #creamtea #kernow #cornwall #thismorning

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Wenn du keine Lust aufs Wellenreiten hast, ist auch eine Wanderung auf dem Southwest Coast Path zu Land’s End lohnenswert: Die Steilküste ist wirklich beeindruckend und wenn du auch Klettergurt, Seil, Exen und Sicherungsgerät dabei hast, kannst du rund um Land’s End direkt am Meer noch ein paar Routen klettern (Schwierigkeitsgrad: 4b-6c).

Dougie climbing Demo Route at Sennen near Lands End

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