Erdbeben: Wie sicher ist Italien?

Erneut hat in Mittelitalien die Erde gebebt. Die Region war bereits im Jahr 2016 von drei starken Beben betroffen. Wie sicher ist Italien und was bedeutet das für deine Urlaubsplanung?

Ein Erdbeben hat in Mittelitalien für Zerstörung gesorgt.
Ein Erdbeben hatte bereits im Oktober 2016 in Mittelitalien für Zerstörung gesorgt.

Foto: imago/Independent Photo Agency

Kann ich noch nach Italien reisen?

„Die Gefahr im Straßenverkehr ist größer als eine Reise nach Italien", ist sich Thomas Plenefisch, Seismologe an der Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, sicher. „Von einer Reise genau in die Region würde ich aktuell allerdings abraten.“ In Mailand, Venedig und an der Küste sei die Gefahr aber nicht größer als die Jahre zuvor.

Kann ich meine Reise stornieren?

Es kommt darauf an, ob die Reise konkret beeinträchtigt ist. Eine Kündigung wegen höherer Gewalt ist nur dann gerechtfertigt, wenn der Urlaub erheblich beeinträchtigt ist. „Wenn die Reise genau in die Erdbebenregion führt, dann kann der Vertrag zum Beispiel über eine Pauschalreise gekündigt werden“, sagt Paul Degott, Anwalt für Reiserecht. Zum einen sei davon auszugehen, dass die Infrastruktur rund um das Zentrum in Mittelitalien zerstört ist und zum anderen bestehe die Gefahr, dass Nachbeben erneut die Region erschüttern.

Geht die Reise allerdings nach Rom, Venedig oder Sizilien kann sie erfahrungsgemäß weder vorab gekündigt noch währenddessen abgebrochen werden. „Sitze ich im Robinson-Club in Apulia und habe Angstgefühle, dann ist meine Reise nicht konkret gefährdet“, erklärt Degott. 

Wie hoch ist die Gefahr eines weiteren Erdbebens?

Die Region ist bekannt für Erdbeben. „Einen genauen Zeitpunkt für ein weiteres Erdbeben vorauszusagen, ist nicht möglich“, sagt Plenefisch. Es sei aber schon außergewöhnlich, dass es drei stärkere Erdbeben in einem so kurzen Zeitraum gegeben habe.

Für die Italiener seien Erdbeben nichts Besonderes. „Wenn es in Italien etwa ein Erdbeben der Stärke vier gibt, dann geht der Alltag dort weiter“, vergleicht der Erdbeben-Experte. „Während in Deutschland nahezu ein Katastrophenfall ausgerufen wird.“

Wie sieht es mit Nachbeben aus?

„Nachbeben sind ganz normal“, erklärt Plenefisch. Üblicherweise gebe es ein größeres Beben und viele kleinere, die im Laufe der Zeit abnehmen. 

Nerd-Wissen: Warum kommt es in Italien überhaupt so häufig zu Erdbeben?

In Italien treffen die Kontinentalplatten von Afrika und Europa aufeinander. „Diese können sich ineinander verhaken beziehungsweise reiben aneinander“, erklärt Plenefisch. „Dabei kommt es zu Spannungen und wenn sich diese entladen, findet ein Erdbeben statt.“ Außerdem seien diese Platten in Mittelitalien nur fünf bis zehn Kilometer unter der Erdoberfläche. 

Chronologie: Schwere Erdbeben in Italien

In Mittelitalien hat es seit August 2016 mehrere schwere Erdbeben gegeben. Hier eine Übersicht mit Daten des Helmholtz-Zentrums Potsdam über Beben mit einer Magnitude ab 5,0 (Stand: 18. Januar 2017).

  • 18. Januar 2017, 13.33 Uhr: Stärke: 5,1, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (südlich von Amatrice)
  • 18. Januar 2017, 10.25 Uhr: Stärke: 5,5, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (südlich von Amatrice)
  • 18. Januar 2017, 10.14 Uhr: Stärke: 5,6, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (südlich von Amatrice)
  • 18. Januar 2017, 9.25 Uhr: Stärke: 5,1, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (südlich von Amatrice)
  • 30. Oktober 2016, 7.40 Uhr: Stärke: 6,5, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (Gemeinde Norcia)
  • 26. Oktober 2016, 19.18 Uhr: Stärke: 6,1, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (Gemeinde Ussita)
  • 26. Oktober 2016, 17.10 Uhr: Stärke: 5,5, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (Gemeinde Castelsantangelo sul Nera)
  • 24. August, 2.33 Uhr: Stärke: 5,5, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (Gemeinde Norcia)
  • 24. August, 1.36 Uhr: Stärke: 6,2, Tiefe: 10 Kilometer, Mittelitalien (Gemeinde Accumoli)
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Die Autorin
Sonne und Meer gehen immer, das steht für mich fest. Die schönste Urlaubserinnerung? Auf dem Surfbrett sitzend, Blick Richtung Horizont und auf die nächste Welle wartend. Schnee si ... mehr
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