Fidschi – irgendwie schon mal gehört. Ist das nicht da ganz weit unten rechts auf der Weltkarte? Richtig. Wo Australien längst vorbei ist und auch Neuseeland schon rund 2.000 Kilometer weit südlich hinter einem liegt, dort erheben sich ein paar kleine grüne Flecken aus der blauen See: die Fidschi-Inseln. 

#Fidschi

A photo posted by @cerenlii on

Dieser Südseetraum muss hart erarbeitet werden. Keine acht, keine zwölf Stunden Flug stehen dem Reisenden bevor, volle zwei Tage müssen für die rund 17.000 Kilometer lange Strecke eingeplant werden. Nach der Ankunft fällst du erst einmal ziemlich gerädert und vom Jetlag geplagt aus der Maschine. Ein feuchtheißer Wattebausch umfängt den Körper – das Südseeklima.

Musikalischer Empfang auf Fidschi

Angekommen auf Fidschi. Am anderen Ende der Welt, wo auch die Zeit ganz anders geht. Und der erste unwirkliche Eindruck davon ist ein vielstimmiges „Bula!“, das den Reisenden schon in der Terminalhalle des International Airports von Nadi von einer bunt gekleideten Musiker- und Sängergruppe entgegenschallt. Wir sind angekommen in der Welt der Unbeschwertheit.

Der Inselstaat Fidschi, lange Zeit unter der Herrschaft der britischen Krone und immer noch mit Commonwealth-Symbol in der Nationalflagge, emanzipiert sich, befindet sich in Aufbruchstimmung. Die Fidschianer sehen seit einiger Zeit auch ihre touristischen Chancen und wollen nicht länger nur eine exotische Station auf Ozeanien-Rundreisen sein.

Das 850.000-Einwohner-Land ist zwar nicht reich. Doch niemand hungert auf Fidschi, die Arbeitslosigkeit liegt bei unter sechs Prozent, und die aus 332 Inseln bestehende Südseerepublik hat sich aufgemacht, einen großen Schatz zu heben: sein ganz alltägliches Paradies. Ein einfaches Leben bei Sonne – außer in der Regenzeit im November –, ewiger Wärme und ständiger Musik.

Kreuzfahrten durch die Inselwelt der Südsee

Folgende Berufe haben keine Chance auf Fidschi: Heizungsbauer können ihr Werkzeug zu Hause lassen, genauso wie Produzenten warmer Kleidung oder das Schuhhandwerk. Der Fidschianer geht am liebsten barfuß. Am Strand wie auf unwegsamem Gelände in den Bergen. Nur wenn etwa die Bootsleute auf den Inselkreuzfahrtschiffen an Deck mit kniffligen Manövern zu tun haben, streifen sie sich widerwillig ein paar Flipflops über.

Inseltouren sind der Kern des touristischen Angebots. So bieten mehrere Reedereien Kreuzfahrten durch die Inselwelt der Yasawas an. Die Touren sind gut organisiert – einen gewissen „Fiji-Time“-Faktor musst du stets einrechnen – und bieten Tauchkurse, Landgänge zum Schnorcheln, folkloristisches Bordprogramm. Die Bordverpflegung ist nicht frei von englischer Prägung, Tea-Time ist Standard, allerdings kommen Seafood-Freunde voll auf ihre Kosten. 

Einblick ins Leben der Fidschianer

Wer sich über die Strandstreifen hinaus weiter an Land begibt, trifft auf eine Inselwirklichkeit, die keinem Postkartenklischee entspricht. Die Villages sind schmucklos und nüchtern. Spätestens jetzt wird deutlich: Fidschi, das ist auch ein Stück Dritte Welt. Die dunkelhäutige und sehr an die australischen Aborigines erinnernde melanesische Bevölkerung hat erst vor etwa 200 Jahren intensiveren Kontakt mit dem bekommen, was wir westliche Zivilisation nennen. 

Ein Ergebnis davon ist die weitverbreitete christliche (methodistische) Religion. Womit die Fidschianer beeindrucken, ihre unverfälschte und genügsame Lebensart, mag manchen westlichen Touristen auch irritieren. Ihre Kultur ist nicht in Stein gemeißelt, sie liegt in ihren Herzen und in Form von Liedern auf der Zunge.

Besuch der blauen Lagune

Und so schaut sich der Gast aus Europa dreimal um, wenn er auf Matacawalevu – einer der Yasawa-Inseln, direkt neben der durch den gleichnamigen Film bekannten blauen Lagune – das Haus des Dorfchefs Selema betritt. Auf dem Boden auf einer Palmenbastmatte hockend, sitzt er dem 1936 geborenen Herrn gegenüber. Freundlich und ruhig nimmt er das traditionelle Gastgeschenk, die Kava-Wurzel, entgegen.

Ob er schon einmal Fidschi verlassen hat, fragen die Gäste neugierig. Er antwortet lächelnd: „Ja, ich war einmal in New York, bei meinem Sohn, der für die UN als Klimaexperte arbeitet. Aber das war mir dort viel zu hektisch. Ich war froh, als ich wieder hier auf meiner Insel war.“

Sein Haus besteht aus einem einzigen Raum, Schlaf-, Koch- und Sanitärbereiche sind mit paraventartigen Stellwänden abgeteilt. So lebt der Dorfchef, so leben die Nachbarn. Verglaste Fenster gibt es nur wenige, zur Windseite hin. Und die haben eine offene Lamellenbauweise.

Die in Restaurants, Geschäften und Hotels unvermeidlichen Klimaanlagen gibt es in den Inseldörfern genauso wenig wie elektrischen Strom. Dieselgeneratoren liefern vereinzelt Energie für die nötigste Versorgung. Licht gehört weniger dazu. Weitverbreitet sind hingegen Mobiltelefone – für viele der einzige schnelle Kontakt zu den Hauptinseln Viti Levu und Vanua Levu. Und Satellitenschüsseln sind verbreitet, für Fernsehen, das es auf Fidschi erst seit den frühen neunziger Jahren gibt.

Rohdiamant im Südpazifik

Eine Reise nach Fidschi ist also fast zwangsläufig ein Trip in ein unentdecktes, raues Paradies. Fidschi ist so etwas wie ein Rohdiamant unter den Palmenstrand-Traumurlaubs-Regionen. Wenn du nicht knauserst, kannst du dich aber auch direkt in eine begehbare Postkarte tagträumen: In Luxusferiendörfern, wie dem Likuliku-Resort, Fidschi für ruhiges Wasser, auf der Insel Mamanuca, wo du beim Zähneputzen im Bad den Fischen durch den Glasfußboden zuschauen kannst. 

About last night.... #lightstudies #dusk #fiji #southpacific #honeymoon #adventures

A photo posted by Sasha Cohen (@sashacohennyc) on

Oder im Malolo Island Resort, das vor allem Familien mit Kindern zu Taucherlebnissen und Wettfahrten mit verspielten Delfinen einlädt. Ausgezeichnete Abenteuer – Awesome Adventures – heißt daher auch einer der Tourismusanbieter.

Fidschi Islands – wo war das noch mal? Richtig, am anderen Ende der Welt. Und wie anders die Welt dort ist, wird dir erst wieder zu Hause bewusst. Nach gut zwei Tagen Rückreise. Noch die Klänge der Abschiedslieder dieser freundlichen Fidschianer im Ohr.