Der Urlaub beginnt gleich auf dem Flughafen. Wo andernorts grell erleuchtete Hallen aus Glas und Metall den von gut 15 Stunden Flug geschafften und Jetlag-geplagten europäischen Reisenden empfangen, sind es auf Koh Samui offene Pavillons, gesäumt von tropischen Pflanzen, farbenprächtigen Blumen, Palmen und pittoresken Wasserläufen mit exotischen Fischen darin. Ein würdiges Entree für das entspannte Tropenparadies im Golf von Thailand.

Willkommen auf Coconut Island

Auf dem Weg zum Resort – rund 760 kleine und große Hotelanlagen gibt es auf der Insel, Tendenz steigend – fahren wir die rund 50 Kilometer lange Ringstraße entlang, die Samui komplett umrundet. Immer wieder wird unser Kleinbus von Motorrollern überholt, die zumindest optisch das Hauptverkehrsmittel auf der Insel sind. Gefühlt alle 500 Meter werden die Roller für gut 5 Euro pro Tag zum Verleih angeboten, nach einem Führerschein wird dabei meist nicht gefragt.
 
Wer sich auf dieses Abenteuer einlässt, sollte aber sattelfest sein. Die Insel ist kurvig, hügelig, der Linksverkehr auf der Hauptstraße dicht, Unfälle häufig. Verkehrsregeln gibt es natürlich, allerdings werden die eher flexibel ausgelegt. Unser Fahrer hat die Lage aber voll im Griff. In entspannter Fahrt passieren wir idyllische Fischerorte mit bunten Langbooten, malerische Buchten mit weißen Stränden an blauem Wasser, ehrwürdige Tempelanlagen und Kokospalmen – jede Menge Kokospalmen. Die gesamte Insel ist davon bedeckt, was Ko Samui auch den Beinamen „Coconut Island“ eingetragen hat.
 
Die wichtigste Wirtschaftspflanze Samuis ist auch der Grund dafür, warum auf der Insel die für Pauschalreiseziele üblichen Bettenburgen gänzlich fehlen. „Auf Samui“, erklärt Guide Pippit, der unsere kleine Reisegruppe begleitet, „darf kein Gebäude höher als eine Kokospalme sein. Die Inselverwaltung will dadurch verhindern, dass der Tourismus das Gesicht der Insel zerstört.“ Der Massentourismus auf Samui ist damit zwar nicht gänzlich wegzuleugnen, tropisches Postkartenflair versprüht die Insel aber an jeder Ecke.

Dem Alltag entkommen

Wir lassen Chaweng-Beach, das Partyzentrum der Insel mit der berühmten Reggae-Bar, links liegen und erreichen unsere Anlage. Nicht Party und Aktivität, wovon es auf Samui natürlich jede Menge Angebote gibt, wie zum Beispiel die Moonshine-Partys am Strand, sind das Ziel unseres Kurztrips auf die Insel, sondern Ruhe und Entspannung. Die Insulaner machen es dem Gast aus dem Westen dabei leicht, sich überall sofort willkommen zu fühlen. Egal, in welches Gesicht du blickst, immer gibt es ein Lächeln und ein „Sawadee“, das thailändische „Hallo“, zurück. Überbordende Freundlichkeit.
 
Das schöne Gefühl, dem Alltag entkommen zu sein, stellt sich auf Ko Samui schnell ein; das Flair der Insel lädt geradezu dazu ein, sich tagelang dem entspannten Nichtstun hinzugeben. Ein Cocktail in der Abenddämmerung bei leichter Meeresbrise, Barbecue am Pool, Faulenzen in der Hängematte am Strand.
 
Zwei Tage lang leben wir ganz die Klischeevorstellungen eines Urlaubs unter Palmen aus, genießen das köstliche und üppige Thai-Essen. Viel Fisch, viel Kokosmilch, viel Reis und Limonengras. Das Schöne dabei: Es macht überhaupt nicht dick – das behauptet jedenfalls Guide Pippit. „Wir Thailänder essen selbst 24 Stunden am Tag und sind trotzdem alle schlank“, erklärt er uns mit schelmischem Lächeln.

Bangkok überfordert

Es könnte gern noch ein bisschen so weitergehen, aber die zweite Destination unserer Reise wartet: die thailändische Megastadt Bangkok, 75 Flugminuten von Ko Samui entfernt. Der Kontrast zwischen dem idyllischen Eiland und der Zwölf-Millionen-Metropole könnte kaum größer sein. Diejenigen von uns, die das erste Mal einen Fuß in die Hauptstadt Thailands setzen, fühlen sich vom Rausch der Eindrücke fast ein wenig überfordert.
 
Eine scheinbar endlose Stadtlandschaft ohne Zentrum, aus der sich Hunderte Hochhäuser und spektakuläre Wolkenkratzer in den Himmel schrauben. Dazwischen drängt sich der Verkehr in einem scheinbar ewigen Dauerstau. Limousinen, pinke und grüne Taxis, Tuk-Tuks und Motorroller. Die engen Bürgersteige daneben sind von Tausenden Menschen bevölkert, die sich zwischen grell erleuchteten Geschäften und mobilen Garküchen mit für westliche Augen schier undefinierbaren Speisen vorbeischieben. Es ist laut, hektisch, heiß, nervig, die Gerüche schwanken zwischen exotisch und eklig, aber doch auf jedem Meter wunderbar faszinierend und aufregend.
 
Nach einem abendlichen Absacker in der legendären Sky-Bar im 64. Stock des Lebua-Tower, von der aus wir einen atemberaubenden Rundumblick über das nächtlich erleuchtete Bangkok genießen, und einer ruhigen Nacht im Hotel nutzen wir am nächsten Tag die beste Art, Bangkok zu erkunden: das Langboot. Denn nicht ohne Grund wird die Metropole auch das Venedig des Ostens genannt. Der Fluss Chao Phraya mäandert einmal quer durch Bangkok und ist eine wichtige Verkehrsader der Stadt. Außenbordgetrieben fahren wir vorbei an riesigen Hotelbauten und einer von Bangkoks schönsten Sehenswürdigkeiten, dem Tempel der Morgenröte, einem der größten von mehr als 30.000 buddhistischen Tempeln in Thailand.
 
Die interessantesten Eindrücke bieten jedoch die Seitenstraßen des Chao Phraya, die Khlongs – künstliche Wasserstraßen, die große Teile der Stadt durchziehen. An ihren Ufern offenbart sich ein Idyll, das wir dem Moloch Bangkok so nicht zugetraut hätten. Neben hübschen Holzhäusern, auf Stelzen direkt ins Wasser gebaut, gibt es immer wieder grüne Paradiese, die sich die Natur zurückerobert hat.

Shoppen auf dem Wasser

An einer Art Künstlerkommune mit angeschlossenem Markt, der nur über das Wasser zu erreichen ist, legt unser Boot an. Anders als bei der auf vielen Märkten zu findenden Massenware lässt sich hier echte Thai-Kunst erwerben. Ob du dabei ein Schnäppchen machst oder über den Tisch gezogen wirst, hängt allerdings von deinem Verhandlungsgeschick ab.
 
Überhaupt empfiehlt es sich, den Koffer auf der Hinreise nicht zu voll zu packen. Bangkok ist das Paradies des Shoppens, denn zu kaufen gibt es hier nahezu alles. Ob in luxuriösen, durchgestylten Einkaufszentren wie dem „Siam Paragon“ oder auf den ungezählten Märkten der Stadt, wo (garantiert gefälschte) italienische Markenschuhe und Luxusuhren für kleines Geld an den Touristen gebracht werden.
 
Drei Tage dauert unser Aufenthalt in Bangkok. Aber die vielen Eindrücke, vor denen unsere Köpfe überquellen, täuschen nicht darüber hinweg, dass wir nach dieser kurzen Zeit nicht einmal an der Oberfläche dieser wunderbaren, anstrengenden, undurchdringlichen Stadt gekratzt haben.