Er strahlt wie ein Kind: Wenn Dan Quirke von Harry Potter erzählt, dann strahlt er aus vollem Herzen – obwohl der junge Mann dem Kindesalter mit Anfang 20 nun eigentlich entwachsen ist. Quirke ist durch und durch Fan. Und daraus macht er kein Geheimnis: Einmal habe er mit seiner Schwester bereits in der Tiefkühlabteilung des Supermarktes noch vor dem Kauf begonnen, den neuesten Band um die Wette zu lesen.

Quirke ist Mitarbeiter in den Warner Brothers Studios in Leavesden bei London. Insofern hat er für sich so etwas wie den Idealjob gefunden: In den Originalkulissen der Harry-Potter-Filmreihe steht er Tag für Tag, um den Besuchern bereitwillig Fragen zu beantworten und sie durch die Hallen zu führen. Und er verbindet damit etwas ganz Besonderes: In den letzten drei Filmen der Reihe hat er selbst mitgespielt – als Statist.

Quirke stammt aus der Umgebung und war als Kind Teil einer Theatergruppe. Die hatte sich irgendwann kollektiv zur Mitarbeit in den Studios angeboten und wurde prompt eingeladen. „Ich wollte schon immer hinter diesen Studiozaun“, sagt der junge Mann; und irgendwann durfte er regelmäßig durch das Tor gehen. „Ich hätte das sogar kostenlos gemacht, so ein Fan war ich.“

Kulissen von Harry Potter in Leavesden

Inzwischen aber dürfen auch andere Besucher einen Blick hinter den Zaun werfen: Seit 2012 lädt die Filmproduktionsfirma Warner Brothers hier in einer früheren Rolls-Royce-Flugzeug-Fabrik ein zum „Making of Harry Potter“.

Nachdem 2011 der letzte Teil der Reihe gedreht war, fragten sich die Verantwortlichen, was sie mit all den aufwendigen Kulissen der insgesamt acht Filme anstellen sollten. Alle Romanvorlagen waren verfilmt, im Grunde gab es keinen Bedarf mehr für die auch in der Realität wirklich riesige „Große Halle“ von Hogwarts, für das Büro von Professor Dumbledore, den „Knight Bus“ und viele Hundert weiterer Utensilien. 

Joanne K. Rowling, die Autorin der Buchreihe, hatte ja zunächst deutlich gemacht, dass die Geschichte nun vollständig erzählt sei. So entschieden sich die Verantwortlichen, alles in einer Ausstellung auf dem Studiogelände zu vereinen und den Fans zugänglich zu machen.

Ein Erfolg ähnlich wie die Bücher und Filme, wie sich schnell herausstellte: Wer die Warner Bros. Studio Tour sehen möchte, muss sich auf lange Wartezeiten einstellen. Denn damit es nicht zu voll wird, können maximal 5.000 Besucher pro Tag auf das Gelände. Karten müssen vorab im Internet für eine festgelegte Zeit gebucht werden, damit niemand den weiten Weg nach Leavesden vergebens unternimmt. „Wir sind derzeit sechs Wochen im Voraus ausgebucht“, verdeutlicht PR-Managerin Rachel Parsons.

„The Making of Harry Potter“ ist alles andere als ein schlichtes Museum. Zwar sind die Hallen der Studio Tour nicht jene, in denen die Filme wirklich gedreht wurden – diese befinden sich nebenan. Doch wurde versucht, die Atmosphäre der Originalstudios auch hier in diesen Hallen aufzufangen. 

Besucher können gleich zu Beginn durch die „Große Halle“ spazieren. Sie sehen, wie Harry Potter auf einem Besen fliegen konnte, und können dies vor einer Greenscreen-Wand sogar selbst tun – auf einen grünen Hintergrund werden elektronisch vorab gedrehte Hintergrundszenen projiziert.

Sie erfahren, wie aufwendig das Maskieren mancher Schauspieler gewesen ist, und laufen an den Originalkostümen vorbei.Immer wieder dreht sich etwas, bewegt sich ein Zauberlöffel im Topf, wird auf Monitoren gezeigt, wo die entsprechende Requisite im Film auftauchte.

Und zwischendurch kannst du sogar das „Butterbeer“ probieren, das die Magier im Film einst in Hogwarts zu sich nahmen. 

Und wenn die Besucher schließlich zu jenem riesigen Modell kommen, an dem alle Außenansichten von Hogwarts gedreht wurden, verstummen die meisten. So eindrucksvoll ist auch dieses mit Licht und Toneffekten hier in Szene gesetzt worden.

Wie Harry Potter durch die Winkelgasse

Die Studios verzaubern die Besucher – egal, ob sie nun eingefleischte Harry-Potter-Fans sind oder nicht. Manche bleiben fasziniert vor den aufwendigen Fassaden der Winkelgasse (Diagon Alley) stehen, durch die Potter-Darsteller Daniel Radcliffe einst marschiert ist, und ziehen dann nach einem Rundumblick weiter.

Andere fotografieren jeden Winkel der Ausstellung – und sich selbst gleich dazu. „Der Rekord bei der Besuchszeit liegt bei über zwölf Stunden“, sagt Dominic Wong, Marketing und Communications Director der Studio Tour.

Noch immer werden in den Studios nebenan aufwendige Filme gedreht. Ein Ende ist nicht absehbar. Auch Dan Quirke ist als Statist dabeigeblieben. So wie bei Harry Potter sei es jedoch nie wieder gewesen, sagt auch er. „Wir waren damals eine große Familie.“