Ich habe ein Date. Am 24. November um 17 Uhr. Mit meinem geliebten New York. Ich werde im Bubby’s an der Gansevoort/Ecke Washington Street sein, mit Pumpkin Pie und schwarzem Kaffee und dem wohligen Gefühl, dass genau in diesem Moment alles gut ist, so wie es ist...

Alle Jahre wieder, im November, wenn Volkstrauertags-Tristesse und erste Festtags-Panik-Attacken verlässlich wie Grippewellen Deutschland überrollen, bin ich weg. Nur für ein paar Tage. New York heißt das selbstverordnete Ziel. Ein Allheilmittel zur Jahresendzeit! Dieser sagenhafte Mikrokosmos mit seinen Menschen, der mir manchmal auf den Geist, aber nie aus dem Sinn geht. Der mich inspiriert und irritiert, auflädt und aufleben lässt... Schon die Vorfreude auf New York im November ist wie ein psychedelischer Rausch ohne den Einfluss von Drogen!

Central Park in bunten Herbstfarben

Die letzten Sonnenstrahlen, die ersten Weihnachtsgefühle: Die Stadt ist im Spätherbst einfach unwiderstehlich – und irrsinnig sinnlich. Wenn sich der stickige Sommermief längst aus dem Staub gemacht hat, der Wind beißend durch die Avenues pfeift, der Himmel im satten Yves-Klein-Blau über der Metropole steht, die letzten Blätter im Central Park in den schönsten Rot- und Gelbtönen schimmern... 

Wenn auf den zahlreichen Farmers’ Markets selbstgemachter Apfel-Cider und Kürbisse aus der Region angeboten werden und Eisläufer auf dem Wollman Rink ihre Kurven drehen... Dann, ja dann verzaubert eine melancholische, fast nostalgische Stimmung das hektische Manhattan.

Cut. 

Das ist nur die eine Seite. Der Übergang, an dem sich New York vom bezaubernden Herbst-Wunderland zum spektakulären Christmas-Epizentrum verwandelt, ist nahtlos. Schließlich dreht die Stadt auf, wenn die Natur runterfährt. Nicht nur die Kulisse, auch die Stimmung verändert sich praktisch über Nacht.

Festmachen lässt sich das am Feiertag Thanksgiving (vierter Donnerstag im November)  – und diesem einen traditionellen Event: Der „Macy’s Thanksgiving Day Parade“, einem Umzugs-Spektakel mit überdimensionalen Ballon-Figuren und Mega-Stars, das seit den Zwanzigerjahren Midtown Manhatten lahmlegt, Hunderttausende Besucher anzieht und live im TV übertragen wird.   

The best!!! ???????? #thanksgivingparade

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Ab da ist der Weihnachts-Schalter angeknipst, heißt es ungeniert und überfröhlich „Ho, ho, ho“ und „Happy Holidays“, wird’s noch bunter, schriller, überwältigender, süßer, verrückter, voller und gehaltvoller, versinkt die Metropole mit ihren Menschen in einem Glitzer- und Konsumrausch, erstrahlen die kunstvoll dekorierten Schaufenster der Luxus-Shoppingtempel wie Barneys und Bergdorf Goodman so opulent, dass du kurzzeitig wahlweise zum Kind wirst oder von einer gefälschten Kreditkarte träumst.  

Zwischen Uptown-Wahnsinn und Downtown-Gemütlichkeit: New York an diesen besonderen Tagen im Spätherbst ist so ambivalent wie einzigartig, so verschwenderisch wie verschroben. Und dann kommt auf einmal dieses wohlige Gefühl auf: Bei Pumpkin Pie und schwarzem Kaffee, dass genau in diesem Moment einfach alles gut ist, so wie es ist....