Am Ende, auf der Rückfahrt im Bus, da haben Bosti, Felix, Sammy und Simon gewettet, ob es der Bosti wohl schaffen würde, vier Milky Ways auf einmal zu essen. Natürlich hat der Bosti das geschafft – und ein extra Müsliriegel passte auch noch hinein. Das Gejohle auf der letzten Bank war beachtlich; nur der Bosti, der konnte nicht mitlachen, der hatte ja den Mund voll.
 
Die vier Jungs – alle bis auf Simon sind noch keine 30 Jahre alt – arbeiten als Bike-Guides auf der „Mein Schiff 3“ der TUI-Cruises-Flotte. 2.500 Passagiere passen an Bord, wenn alle Kabinen mit zwei Personen besetzt sind. Bei der Mittelmeertour von Malta über Monte Carlo, Korsika, Rom und Sizilien zurück nach Malta sind knapp 2.200 Gäste an Bord. Das ist eine sehr gute Auslastung.

Kreuzfahrten sind ein Massenmarkt

Der Kreuzfahrtmarkt wächst, immer mehr Leute finden Gefallen daran, so durch die Welt zu reisen: nachts fahren, tagsüber Stadtbesichtigungen, ab und zu ein Seetag. Eine Kreuzfahrt verbindet Anregung mit Erholung und ist meist überhaupt keine Alte-Leute-Veranstaltung mit Kapitänsdinner und Krawattenzwang mehr.
 
Kreuzfahrten sind ein Massenmarkt geworden. Immer mehr Schiffe werden in Dienst gestellt. Als „Mein Schiff 3“ die Werft im finnischen Turku verließ, war das baugleiche Schwesterschiff „Mein Schiff 4“ schon in Arbeit. Darauf folgte, richtig, die „Mein Schiff 5“. Alle haben, dem neuen Trend folgend, einen Fahrradkeller.

Rom: Mehr erleben auf dem Fahrrad

Aber Rom mit dem Rad? Geht denn das? Ja, das geht, allerdings nicht von allein. Du brauchst jemanden, der sich damit auskennt. Einen wie Felix – derjenige, der den Bosti zur Milky-Way-Wette verleitet hat. Felix, Typ Skilehrer, laut, witzig, sonniges Wesen, führt uns durch Rom. Und das macht er sehr gut.

Die Gruppen für die Radtouren durch Rom sind klein, zehn oder elf Radler, mehr nicht. Mit dem Lkw werden die Räder vom Kreuzfahrerhafen Civitavecchia ins Zentrum von Rom gebracht. Die Radfahrer legen die 80 Kilometer mit dem Bus zurück. Die Caracalla-Thermen sind der Treffpunkt. Dort gibt es eine kurze Einweisung („Mit dem Daumen und mit dem Zeigefinger schaltet’s ihr! Passt’s vorn mit der Bremse auf!“), eine kurze Proberunde auf dem Fußweg, dann geht’s los.
 
Rein in den römischen Autoverkehr. Und der ist heftig. Mehrspurige Magistralen gibt es in Rom reichlich, Einbahnstraßen, winzige Gässchen und Fußgängerzonen auch. Fahrradwege dagegen sind hier kaum zu finden. Du könntest sich von der Verkehrssituation durchaus einschüchtern lassen. Und würde das wohl auch tun, wenn Felix und Sammy nicht dabei wären.

Mit dem Fahrrad zu allen wichtigen Monumenten

Die beiden nehmen die kleine Radlergruppe fürsorglich in die Zange. Sammy fährt hinten und passt auf, dass niemand zurückbleibt, Felix macht vorn den Weg frei. In dieser Disziplin ist er ein Naturtalent. Er verfügt über ein magisches Händchen: Kaum zeigt er mit der Handfläche gegen eine Autoschlange, verlangsamt die ihr Tempo, sodass die Radlergruppe einscheren kann.
 
Und wo Felix uns überall hinfährt: Wir sehen nicht nur alle wichtigen Monumente und Plätze (Kolosseum, Trevi-Brunnen, Spanische Treppe, Forum Romanum, Piazza Navona, Engelsburg, Petersdom und das Pantheon sogar von innen), wir lernen auch angenehm schattige Strecken im Stadtpark kennen, und wir kurven durch winzige Gässchen, haarscharf vorbei an Tischchen, auf denen Berge von Steinpilzen und Trüffeln die Gäste in die Restaurants locken sollen. Felix vorn klingelt wild und ruft „jalla jalla“ in die Menge. Es klappt: Die Leute weichen zur Seite, um die deutschen Radfahrer mit den hellblauen „Mein Schiff“-Helmen durchzulassen.

Das Verrückte dabei: Allein würdest du so etwas nie machen, in der Gruppe aber geht das. Es macht sogar Spaß. Wir kurven ums Kolosseum, als ob das hier ein Radweg wäre. Es ist keiner, aber niemand sagt was. Die Touristen eilen zur Seite, für die anwesenden Carabinieri sind wir nicht interessant.

Felix und Schlussmann Sammy geben sich redlich Mühe, ihrer Radlergruppe Rom nicht nur zu zeigen, sondern auch zu erklären. Ansatzweise klappt das auch. Dass die beiden Sportsfreunde keine Kunsthistoriker sind, lässt sich nicht verheimlichen, ist aber auch nicht weiter schlimm. Den Überblick erhälst du nicht durch das Reden, sondern durch Radeln. Radfahrer sehen mehr, sie erkennen Zusammenhänge, die du bei einer Tagesvisite sonst keinesfalls erhalten könnte. Für den Radler fügt sich Rom zu einem Ganzen. Schön.

Der neue Kreuzfahrttourismus

Die Rom-Erkundung ist nur eines von vielen Radangeboten, die so eine Mittelmeerreise mit „Mein Schiff 3“ bietet. Deutlich anstrengender als die Romtour (für die der Gast durchaus ein bisschen Raderfahrung mitbringen sollte) ist die Tagestour von Monaco nach Villefranche (52 Kilometer, etwa 800 Höhenmeter). Wer das schafft, hat nachher in der „Abtanzbar“ auf dem Schiff eine Menge zu erzählen.
 
Glücklicherweise gibt es mit zwei Seetagen ausreichend Erholungspausen zwischen den Touren. Zwei Seetage bei einer Schiffsreise, die eine gute Woche dauert – da haben die Passagiere viel Gelegenheit, die Wellnessangebote an Bord zu studieren. Die „Mein Schiff 3“ hat da einiges zu bieten, unter anderem auf Deck zwölf den längsten Pool auf einem Kreuzfahrer. 25 Meter lang – die übliche Hallenbadlänge. Wer will (und wer sich die richtige Zeit zum Schwimmen aussucht), kann hier ohne große Ausweichmanöver seine 1000 Meter absolvieren.
 
Der große Pool ist eine der Besonderheiten des Schiffs. Eine andere ist das Abgasnachbehandlungs-System mit Entschwefelungsanlage und diversen Katalysatoren. TUI Cruises kennt die Vorbehalte gegen Kreuzfahrttourismus und setzt sich mit ihnen auseinander. Die „Mein Schiff 3“ soll rund 30 Prozent weniger Energie verbrauchen als vergleichbare Schiffe. Und die Routen wurden so geplant, dass das Schiff meist treibstoffsparend langsam fahren kann.
 
„Mein Schiff 3“ soll sauber wirken – bis das so weit ist, bedarf es allerdings noch einiger Einstellungsarbeit. Keines der drei anderen Kreuzfahrtschiffe, die an diesem Tag neben „Mein Schiff 3“ in Civitavecchia lagen, pustete im Hafen eine so dunkle Abgasfahne aus dem Schlot. Auf See konnte es passieren, dass der Wind die Rauchfahne runter auf das Achterdeck drückte. So fanden sich dann Rußpartikel auf den geschmackvollen Sesselkissen – und auch an der Abendgarderobe der Gäste. Das ist ärgerlich, aber vielleicht auch nur eine Kinderkrankheit eines Schiffes, das Maßstäbe in Sachen Umweltfreundlichkeit setzen will.

Der Felix, der Bosti, der Simon und der Sammy immerhin haben mit dem Rußausstoß kein Problem: Abends feiern sie in der „Abtanzbar“ auf Deck fünf im Bauch des Schiffes. Und tagsüber sind sie fast immer unterwegs.