Kurzurlaub im September? Bisschen Wandern, nicht zu viel Regen, Luft ohne Feinstaub. Gern auch eine dezent geschwungene Landschaft, der Hanseat ist da ja nicht so anspruchsvoll. Der Tipp von Freunden: Fahrt nach Alpbach in Tirol. 
Ok. Alpbach also. Wir machen uns kundig. Alpbach liegt auf knapp 1000 Meter Seehöhe mitten in den „lieblichen Grasbergen“ der Kitzbüheler Alpen und dem „schroffen“ Rofangebirge. Innsbruck ist 50 Kilometer entfernt, Kufstein gerade mal 30, von Hamburg mit dem Auto 896 Kilometer. Mehr Tirol als hier geht angeblich nicht. Der Ort schmückt sich mit dem Titel „Schönstes Dorf in Österreich“, seit es in den 80er-Jahren nach einer TV-Sendung dazu gekürt wurde. Alpbach begeisterte die Zuschauer mit seinen adretten Holzhäusern. Gut kam auch die Blumenpracht an, die auf allen Balkonen im Ort üppig wuchert. Wie im Bilderbuch. Nur alles eben echt. 

Dorf der Denker zwischen Kitzbüheler Alpen und Rofangebirge

Architektonisch sticht in Alpbach (einmal abgesehen von der barocken Pfarrkirche) übrigens nur ein Gebäude heraus: das Congress Center Alpbach. Ein ebenso mutig wie futuristisch designtes Bauwerk mit viel Glas und Stahl. Damit es aber nicht ganz aus dem Rahmen fällt, wurde das Haus vorsichtshalber in den Berg gebettet. Jedes Jahr tagt hier im August das Europäische Forum mit namhaften Wissenschaftlern und Größen aus Politik und Kultur aus aller Welt. Ein Event, das natürlich längst auch imagemäßig perfekt vermarktet wird. Weil so viele kluge Köpfe hierherkommen, nennt sich Alpbach zudem auch noch „Dorf der Denker“. 
Zumindest davon spürt der gemeine Tourist im Spätsommer weniger. Dann ist Alpbach einfach nur ein beschaulicher Ort mit Postkartenidylle. Und daran wird sich auch so schnell nichts ändern. Dafür sorgen strenge Vorschriften. Da kennt der Bergort kein Pardon. Bei allen Häusern in Alpbach darf lediglich das Erdgeschoss gemauert sein, der Rest ist aus Holz. Dachschräge, Höhe der Gebäude, Fensterbreite, Holzfassade, Balkone – alles ist genau geregelt. So ähneln sich die Häuser zwar alle irgendwie, sind aber dennoch Unikate, wie Bauexperten beteuern. Manche Höfe stehen bereits länger als 400 Jahre. Früher teilten sich bis zu 20 Bewohner die Räume eines Hauses. Heute beherbergen die 731 Häuser im Ort zumeist Touristen. Das hat gewissenmaßen Tradition hier. Bereits 1938 hatte Alpbach 110 Gästebetten, heute sind es rund 3.300 Betten. Stolze 360.000 Gesamtnächtigungen pro Jahr zählt der Tourismusverband aktuell. Städte wie Bremerhaven wären froh über solche Zahlen.

Eine Bar, immerhin: Bier ab 2,40 Euro

Nicht übel für einen Ort mit gerade mal 2.651 Einwohnern. Und wichtig, denn der Tourismus ist die Haupterwerbsquelle der Menschen hier. 18 Restaurants und Gasthäuser und sogar zwei Vier-Sterne-Hotels sind im Ort ansässig. In der näheren Umgebung von Alpbach werben elf Jausenstationen und Gipfelhütten um Gäste. Bettflüchtige lockt ein Pub und eine Bar (das „Waschkuchl“), die als solche allerdings auf den ersten Blick nicht zu erkennen ist. Eine Spur edler prostet man sich in der „Check in Lounge“ des Vier-Sterne-Hotels „Der Alpbacherhof“ zu. Die Preise sind überall moderat. Bier gibt’s ab 2,40 Euro, offene Weine für knapp drei Euro. Wer auf XXL-Schnitzel (12,90 Euro) steht, sollte unbedingt das Gasthaus „Jakober“ neben dem Standesamt ansteuern. Hier trifft sich übrigens auch die Jugend des Ortes. Fischgerichte sind selten teurer als 18 Euro, regionale Küche liegt preislich drunter. Aber Vorsicht: Die Tiroler Küche schmeckt prima, figurtechnisch ist sie eher problematisch ...

Haus Sandra: WLAN und zwölf Babysitter 

Gewohnt haben wir am Ortsrand im „Haus Sandra“. Ein Haus so brav, wie alle hier. Kleinere Verständnisschwierigkeiten hatten wir allerdings mit unserem freundlichen Vermieter. Seinen Tiroler Dialekt konnten wir nur mühsam entschlüsseln. Gut, dass wir vorher alles schriftlich hatten. 
Zur Ortsmitte brauchten wir knapp zehn Minuten zu Fuß. Zum einzigen Supermarkt im Ort (SPAR) zehn Minuten länger. Das Appartement (80 Quadratmeter) ist natürlich mit viel Holz bepflastert und erstaunlich geschmackvoll eingerichtet. Zwei Bäder, zwei Schlafräume, komplett eingerichtete Kochecke, WLAN, TV und eine Liste mit zwölf Babysittern. Fast alle mehrsprachig. Alpbach steht auch bei Engländern, Franzosen und Holländern hoch im Kurs.
55 Euro in der Nebensaison pro Nacht – ein fairer Preis. Dazu kommt die Kurtaxe, zwei Euro pro Gast pro Tag. Dafür gibt’s dann gratis die „Alpbachtal Seenland Card“. Damit können Gäste im Sommer dann kostenlos mit dem Postbus der Region fahren, außerdem sind viele Museen und Bäder in der Umgebung kostenfrei. 


Auch vier Alpbacher Sommerbergbahnen dürfen Kartenbesitzer gratis benutzen. Darunter die Wiedersbergerhornbahn, eine knappe halbe Stunde Fußmarsch vom Ort entfernt. Über zwei Stationen geht’s auf mehr als 1850 Meter hoch. Bis zum Gipfel (2128 Meter) sind es dann noch knapp 280 harte Höhenmeter. Diverse gelbe Pfeiler weisen Wanderern den Weg zum Gipfel (eine Stunde) oder wahlweise zu einem Panoramawanderweg (2,5 Stunden) rund um den Hausberg Alpbachs. Als mittelschwer gekennzeichnet erweist sich der Weg zum Gipfel mit einigen kurzen, aber ziemlich steilen Felspassagen für Ungeübte (wie wir) als ziemlich ambitioniert. Entspannter umrundet man den Berg zweifellos auf dem Panoramawanderweg. Eine atemberauende Sicht auf die Bergwelt rings um Alpbach garantieren beide. 

Wanderwege: Auf die Farbe achten!

Wander-und Spazierwege (insgesamt 900 Kilometer) mit unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden gibt es im Alpbachtal für jeden Geschmack. Auf der tapetengroßen Wanderkarte, die wir im Tourismusbüro für die Region freundlicherweise bekommen haben, sind alle farbig markiert. Blau die leichten, rot die mittelschweren, schwarz die, die an die Substanz gehen. Wer auch immer die Wege klassifiziert hat, aus dem Flachland kann er nicht gewesen sein. Auch als leicht ausgewiesene Pfade fordern Kondition. Immerhin haben Wanderer erstmal eine der vielen Aussichtspunkte erklommen, entschädigt der Blick auf wunderbare Natur. Und mit guter Luft. Zuhause haben wir übrigens erstmal alle Blumenkübel neu bepflanzt …