Teil 1: San Pedro de Atacama
... aus der Reihe: „5 Orte, die du in Chile sehen musst"

Von Bolivien nach Chile

Meine erste Reise durch Chile führte mich in 2012 von der Hauptstadt Santiago de Chile an der Küste entlang, bis an die nördlichste Grenze des Landes. Nach einer Rundreise durch die Nachbarländer Peru und Bolivien kehrte ich über die Salzwüste „Salar de Uyuni“ zurück nach Chile, in den Wüstenort „San Pedro de Atacama“. Spätestens dort entdeckte ich meine Leidenschaft für das Land und wusste, dass es nicht mein letzter Besuch in diesem kontrastreichen Fleck Südamerikas sein sollte. 

Berauschende Natur: In Chile treffen Extreme aufeinander.
Der Blick auf San Pedro de Atamaca, im Hintergrund mächtige Gipfel der Anden. Foto: Julia Jerg

Karges, nationsloses und wunderschönes Niemandsland

Endlose Weiten, dampfende Geysire und imposante Vulkane erwarteten mich, als ich die Grenze Boliviens hinter mir ließ. Nachdem du die Ausreiseformalien im kleinen Beamtenhäuschen inmitten einer kargen und windigen Wüstenlandschaft erledigt hast, folgt eine circa 20-minütige Überfahrt auf nationslosem Gebiet, bis du die chilenische Grenze in San Pedro de Atacama erreichst. Noch weniger autoritär als auf bolivianischer Seite erscheint das Gebäude der chilenischen Grenzbehörde und schon nach Abschluss der Passkontrolle hast du das Gefühl, in eine andere Welt einzutauchen.

Das Haus der Grenzposten in Bolivien.
„Massive" Befestigung auf bolivianischer Grenzseite. Das ist das Grenzposten-Haus. Foto: Julia Jerg

 

Das Ortsschild von San Pedro de Atamaca
Willkommen in San Pedro de Atamaca! Foto: Julia Jerg

Eine Reise in vergangene Zeiten

Es herrscht eine Mischung aus touristischem Treiben und verschlafenem Alltag. Die meisten Einwohner des Wüstenorts gehören zu der indigenen Gruppe der „Atacameños“. Du erkennst sie an ihrer traditionellen Kleidung und ihrer dunkleren Haut. Das naturverbundene, stolze Volk geht nach wie vor seinen Traditionen nach und es scheint, als wäre für sie die Zeit angehalten worden. Neben vereinzelten Autos sieht man die Männer auf ihren Pferden oder Holzkarren über die sandigen Wege manövrieren. Wer in die chilenische Geschichte der Ureinwohner dieser Gegend eintauchen möchte, findet hier viele authentische Lebendbeispiele.

Das Souvenirgeschäft in San Pedro de Atamaca ist wichtig für die Einheimischen.
Ein junger Chilene webt in San Pedro de Atamaca Souvenirs für Touristen. Foto: Julia Jerg

Tourismus als treibende Kraft

Doch nicht nur wegen der Einwohner ist San Pedro de Atacama eine Reise wert: Die beeindruckende und einzigartige Natur, die den auf über 2400 Meter über Normalnull gelegenen Wüstenort umgibt, ist die Hauptattraktion dieser Gegend und Wirtschaftsmotor der rund 2500 Einwohner. Diese leben fast ausschließlich von der Tourismusindustrie, weshalb ein Spaziergang durch die sandige Hauptstraße des Dorfes an unzähligen Souvenirshops, Reise- und Tour-Agenturen vorbeiführt. 

San Pedro de Atamaca lebt und liebt das Geschäft mit den Touristen.
Glück pur bei den Reisebegleitern: San Pedro de Atamaca ist bodenständig, herzlich und gastfreundlich. Foto: Julia Jerg

Mystische Phänomene im Morgengrauen

Eine der beliebtesten Tagesausflüge ist der Besuch des Geysirfeldes „El Tatio“, welches du vor Sonnenaufgang in der nahegelegenen Bergkette besuchst. Es ist ein spektakuläres Naturschauspiel, für das sich das frühe Aufstehen absolut lohnt! Die Landschaft hat im Morgengrauen, durch den aus dem Boden aufsteigenden Dampf der Geysire, etwas mystisches an sich. Doch solltest du sie mit ausreichendem Abstand bewundern, denn ihre heißen Dampffontänen können Temperaturen von über 90 Grad Celsius erreichen!

Vulkanische Aktivität sorgt für bis zu 90°C heißes Wasser.
Mystische Erscheinung: Die Geysire von El Tatio erscheinen im Scheinwerferlicht. Foto: Julia Jerg

Entspannung im Spa-Bereich der Vulkane

Angenehmere Temperaturen haben dagegen die natürlichen Thermalquellen, die du im Anschluss und nach einem leichten Frühstück besuchst. Mit ihrer wohltuenden Wärme lässt sich das Aufgehen der Sonne in besonders entspannter Haltung genießen. Unbedingt Mütze, Schal und Handschuhe mitnehmen – die Außentemperaturen sind aufgrund der Höhenlage und der noch schwächelnden Sonne am Morgen klirrend kalt!

Heiße Quellen sorgen für Entspannung während der Reise.
Entspannung wie sonst nur in der Sauna: Die heißen Quellen haben es in sich. Foto: Julia Jerg

Weitere Tagestouren von San Pedro de Atacama:

  • „Salar de Tara“: Salzsee mit Flamingos auf über 4400 Metern Höhe.

  • Laguna Cejar“: Badespaß mit „Floating“ an der Oberfläche, dank des 40-prozentigen Salzgehalts im Wasser. 

  • Valle de la Luna“: Beeindruckendes Tal aus Felsen und Naturgesteinen, die an eine Landschaft auf dem Mond erinnern.

  • Sandboarding im „Valle de la Muerte“: Im Tal „Valle de la Luna“ liegt auch das „Tal des Todes“, wo sich Wagemutige mit einem Board von den Sanddünen stürzen können. 

  • „Tour astronómico“: Ein Besuch bei der Sternenwarte mit interessanten Erklärungen zum Weltraum.

Tipp: Für geübte Fahrradfahrer ist ein Ausflug ins „Valle de la Luna“ durchaus auf eigene Faust möglich. Bei Sonnenuntergang solltest du dich aber bereits auf dem Heimweg befinden, da die Wege nicht beleuchtet sind.

Das Tal des Mondes macht seinem Namen alle Ehre.
Das Valle de la Luna sieht aus wie eine Mondlandschaft, daher auch der Name: Tal des Mondes. Foto: Julia Jerg

Das hilft gegen Höhenkrankheit:

  • Vermehrt Flüssigkeit zu sich nehmen

  • Tee aus Coca-Blättern trinken

  • Langsam und kontrolliert durch die Nase atmen

  • Schnelles Gehen und Überanstrengungen vermeiden

  • Sonnenschutz auftragen

 

Alle Episoden findest du hier:

 

... Teil 1: San Pedro de Atamaca

... Teil 2: Patagonien und Feuerland

... Teil 3: Teil 3: La Araucania

... Teil 4: Elqui-Tal (Valle del Elqui)

... Teil 5: Valparaíso und Viña del Mar