Bombay Sapphire Gin, Pimm’s oder Champagner, oder vielleicht doch ein Mineralwasser? Was trinkt eigentlich Model und Schauspielerin Elizabeth Hurley, wenn sie in den Village Pub, die Dorfschenke in Barnsley geht?

Der Mann hinter der Theke lächelt versonnen, schüttelt mit dem Kopf und hüllt sich in Schweigen. Hier auf dem Land ist man diskret – und auch für ein hohes Trinkgeld nicht käuflich. 

Das ist einer der vielen Gründe, warum immer mehr britische Promis von London aufs Land ziehen. Ganz weit oben auf der Lebenswunsch-Liste: Die Cotswolds, die nur 90 Autominuten von London entfernt liegen. Zum Vergleich: Nach Cornwall, ebenfalls ein Sehnsuchtsziel in Great Britain, braucht es von London mindestens 4 ½ Stunden.

Cotswolds: Das Herz Englands

Das „Herz Englands“, wie die Cotswolds auch genannt werden, ist genau so, wie man sich das englische Land vorstellt und von Filmen kennt: Da schmiegen sich kleine, mit Efeu bewachsene Cottages aus honigfarbenem Sandstein in engen Gassen aneinander. Buschrosen und Rhododendron umranken die steinalten Gemäuer – alte Pubs laden zu würzigem Bier und deftigen Würsten ein.

Wobei sich mittlerweile auch Küchen mit Michelin-Sternen in der Region finden. Im noblem Hotel Whatley Manor zum Beispiel, wo sich Martin Burge gleich zwei Sterne erkochte. Zu den neuen englischen Spitzenköchen gehört auch Michael Bedford. Sein Edel-Pub "The Trouble House", außerhalb von Tetbury, wurde mit einem Stern ausgezeichnet. Und dabei verlangt er für seine Leckereien durchaus moderate Preise: Der „Wild Sea Trout“ auf Lauch kostet rund 24 Euro.

Der Begriff Cotswold – die Region ist weder Grafschaft noch Verwaltungsbezirk – setzt sich aus den beiden altenglischen Wörtern „Cots“ (eingefasste Schafsweiden) und „Wold“ (sanfte Hügel) zusammen. Und tatsächlich sind die Cotswolds eine durch Hügel und Flusstäler geprägte Gegend, die sich über rund 160 Kilometer erstreckt und im Mittelalter der Mittelpunkt eines blühenden Wollhandels war. 

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Wohlstand, der überall seine Spuren hinterlassen hat. Eine von Steinmauern durchzogene Landschaft (um die Schafherden einzugrenzen) und prächtige Landhäuser und Kirchen, die vom Reichtum der Dörfer zeugen. Eines der bekanntesten Örtchen: Bourton-on-the-Water – das „Venedig der Cotswolds“.

In diesem Städtchen überspannen eine Reihe wunderbar zu betrachtender Brücken den Fluss Windrush. Zahlreiche Läden und traditionelle Teehäuser vermitteln ein Jane-Austen-Feeling. 

Cirencester ist historisch betrachtet, die „Hauptstadt“ der Region, mit tollen Einkaufsmöglichkeiten und einer prachtvollen Kathedrale. Fairford liegt am Fluß Coln, die Fenstermalereien in der St. Mary’s Kirche sind bewundernswert und ein tolles Ausflugsziel. Als „Königin der Cotswolds“ gilt aber der Ort Painswick, ein echtes Schmuckstück an mittelalterlicher Architektur, das auf einem Hügel liegt. Moreton-in-Marsh hingegen ist eine bereits im 13. Jahrhundert angelegte Stadt. Hier findet jeden Dienstag der größte Markt der Region statt.

Apropos Markt: Auf dem „Organic Food Market“ von Cirencester ist neuerdings auch Schauspielerin Elizabeth Hurley zu sehen. Sie hat sich mittlerweile als Bio-Bäuerin etabliert und verkauft dort gemeinsam mit einem Mitarbeiter ihres Anwesens „Old Spot“ – Schweinswürstel. Die Tiere werden auf ihrer Farm gezüchtet und ihr Fleisch gilt als Delikatesse. Die Müsliriegel und Fleischsnacks (natürlich kalorienarm) von ihrer Farm werden inzwischen auch bei Harrods in London verkauft.

Elizabeth Hurley trägt Gummistiefel

Hurley, die du in London nur in High Heels und engen, tief ausgeschnittenen Kleidern zu sehen bekommst, schlüpft auf dem Land gerne in Wollpullover, Jeans und Gummistiefel. Denn hier auf dem Land trägt man bequemes Schuhwerk oder auch „Wellis“ (Wellingtons = Gummistiefel) – woraus sich auch der in England oft benutzte Begriff „Welli-Brigade“ ableitet.

Doch es sind nicht nur berühmte Londoner wie Künstler Damien Hirst, Modemacher Jasper Conran oder Kollegin Stella McCartney, sondern auch Adelige, Rechtsanwälte oder Banker, die spätestens am Freitagnachmittag in ihren Range Rover steigen, um sich von der Hektik in London zu erholen – und dem Hobby zu frönen, für das die Briten so bekannt sind: dem Gardening.

Auch hier erweisen sich die Cotswolds als ein Kronjuwel: Der National-Trust-Garten "Hidcote Manor" oder auch der "Rokoko"-Garten in Painswick bei Stroud sind wunderbare Beispiele der Gartenlust- und Kunst.

ls einer der schönsten Gärten in der Gegend gilt der Highgrove Garten von Prinz Charles. Doch der Mann, der kein Geheimnis daraus macht, dass er mit seinen Blumen spricht, ist nicht nur ein begnadeter Rosenflüsterer, sondern auch geschäftstüchtig. Neben Bio-Keksen und Konfitüren aus ökologischem Anbau vermarktet er auf seiner Highgrove-Website auch Accessoires, mit denen sich wahre britische Landliebe demonstrieren lässt: Das Geschenkset für Gentlemen für 170 Pfund enthält einen Wollschal (aus der Wolle der auf Highgrove gehaltenen Schafe), einen silbernen Flachmann, einen in Leder gebundenen Bilderrahmen und einen mit Wodka angereicherten Ingwerlikör.

Keine Lust, so lange zu warten? Die gärtnerischen Fähigkeiten von Prinz Charles lassen sich auch in einem prächtigen Bildband bewundern, der auf Deutsch erschienen ist: "Der Garten von Highgrove" (Busse Seewald Verlag).

Cotswolts: teurer als Wohnsitze in London

Den Mittelpunkt des britischen Country-Promi-Laufsteges bilden die drei Orte Barnsley, Bibury und Burford. Top-Model Kate Moss (sie hat hier geheiratet), Kate Winslet (sie darf ihr Anwesen, dass sie mit ihrem Ex Sam Mendes gekauft hat, behalten) oder auch der Künstler Damien Hirst haben hier ihre Häuser. Und die sind oft teurer als ihre Wohnsitze in London. 

Doch für die Promis hat der bisher recht dünn besiedelte Landstrich noch einen weiteren Anziehungspunkt: Die Cotswolds bietet in konzentrierter Form all das, was Stars an Service und Glamour in der britischen Hauptstadt gewohnt sind. Kleine feine Cappuccino-Bars, ausgezeichnete Restaurants, Gelegenheit zum Power Shopping (auf dem Land interessiert man sich weniger für High Heels als für kostbare Antiquitäten).

Die meisten Touristen zieht es in den kleinen Ort Tetbury, südwestlich von Barnsley, dorthin, wo Prinz Charles, Prinz William und seine Catherine, Prinz Harry, Princess Anne und Zara Philipps ihre Landsitze liegen haben. Wenn du die Tetbury´s Hauptstraße entlang gehst, leuchten dir aus den vornehm dekorierten Schaufenstern des Bäckers, Buchhändlers oder des Käseladens das Wappen von Prinz Charles entgegen.

In Tetbury ist Prinz Charles schon König

„Charlie“ mag im Buckingham Palace um die Thronfolge kämpfen. In Tetbury ist er bereits der König. Und man kann noch so charmant nachfragen, die 2.000 Einwohner halten dicht, stehen absolut loyal hinter Charles, geben keinen Klatsch von sich, verraten nicht mal, was sein Lieblingskäse ist oder welches Buch er als letztes gekauft hat. 

Übrigens: Falls du im englischen Gesellschaftsspiel mitspielen möchtest: Über die vornehmste Adresse verfügt der Duke of Beaufort, der in der britischen Gesellschaft für seine noblen (und auch heftig umstrittenen) Treibjagden bekannt ist. Wer zu einem solchen Event eingeladen wird, so heißt es, hat es in die Upper Class geschafft.

Wobei die meisten Briten schon zufrieden wären, wenn sie ein kleines Cottage ihr Eigen nennen dürften. Dann fühlten sie sich zwar nicht der Upper class zugehörig, aber im siebten Himmel.