Bahn-Verspätungsschal: Pendlerin strickt ihre Bahnverspätungen

Pendlerin strickt einen Deutsche-Bahn-Verspätungsschal

Wie kreativ! Eine Pendlerin hat die Verspätungen ihrer Bahnfahrten im Jahr 2018 verewigt – aber nicht auf Papier oder im Handy, sondern im Muster eines Schals. So sieht die gestrickte Verspätung aus:

Till Frommann
Johannes Christ
Mit diesem gestrickten Schal zeigt eine Pendlerin, wie oft ihre Bahn Verspätung hatte.
Mit diesem gestrickten Schal zeigt eine Pendlerin, wie oft ihre Bahn Verspätung hatte.

Foto: twitter.com/Sara Weber

Die Mutter von Sara Weber hat ein großes Hobby: das Stricken. Und sie hat einen Beruf, für den sie im Münchner Umland pendeln muss. Verspätungen, Zugausfälle, volle Züge – all das bekommt sie jeden Tag mit. Die Genervtheit darüber wandelte sie in Kreativität um: Sie strickte jede Verspätung in einen Schal. Das Ergebnis: eine ziemlich kuschelige, bunte und kreative Infografik.

Deutsche Bahn: Pendlerin strickt einen Verspätungsschal

Ihre Tochter postete ein Foto des Bahn-Verspätungsschals auf Twitter und erklärt das Prinzip: „Pro Fahrt hat sie zwei Reihen gestrickt. Grau bei weniger als fünf Minuten Verspätung, Rosa bei fünf bis 30 Minuten, Rot bei mehr als einer halben Stunde.“ 

Während der Schal zu Anfang noch ziemlich viel Grau und Rosa enthält, folgt in der Mitte ein langes rotes Stück. Die Ursache: „Schienenersatzverkehr, die ganzen Sommerferien lang. Da hat sie pro Fahrt nicht mehr 40 Minuten gebraucht, sondern knapp zwei Stunden. Jeden Tag. Sechseinhalb Wochen lang“, so Weber.

Die Hoffnung, dass nach dem Sommer alles gut werde, war vergebens, so Weber: „Aber: Wieder viel Rot. Türstörungen, Weichenstörungen, verspätete Züge aus ‚Zugfolge‘.“ Insgesamt habe ihre Mutter sechs Knäuel Wolle verstrickt – nur die Hälfte sei grau gewesen. 

Deutsche Bahn: Nur 73 Prozent der Züge sind pünktlich

Tatsächlich waren im Jahr 2018 bei der Bahn nur 73 Prozent aller Züge pünktlich. Der Konzern hat daher sein Ziel, eine Pünktlichkeitsquote von 82 Prozent zu erreichen, verschoben. Ursprünglich sollte es 2018 so weit sein, jetzt im Jahr 2025.

Das Foto des Verspätungsschals wurde bereits mehr als 4.000-mal geteilt. Die Twitter-Nutzer sind begeistert: „Mahnschal“, „anschaulicher ist die Pünktlichkeit der Bahn nicht zu vermitteln“, „der gehört ins Bahmmuseum“ und „geniale Idee“ sind nur einige der Kommentare.

Sogar die Bahn hat sich schon geäußert: „Grundsätzlich ist das natürlich ein Thema, das uns nicht glücklich macht und an dem wir mit Hochdruck arbeiten. Aber: Das nenne ich mal kreativ, sensationeller Schal, großartig“, twittert Antje Neubauer, Leitung Marketing und PR der Deutschen Bahn.

Der Bahn-Verspätungsschal soll auf Ebay versteigert werden

Über die große Resonanz freut sich die Mutter von Sara Weber im Übrigen sehr: „Wir wundern uns alle, dass der Schal so viral gegangen ist“, sagt die Twitter-Userin im Gespräch mit dem reisereporter. „Meine Mutter beobachtet seit der Veröffentlichung natürlich live mit.“

Der Plan sei, den Schal auf Ebay zu versteigern und den Erlös der Bahnhofsmission zu spenden.

Klimawandel und Pommes-Verzehr: So kreativ kann Statistik sein

Die Pendlerin ist nicht die Einzige, die ungewöhnliche Methoden nutzt, um komplexe Sachverhalte darzustellen. Arlene Cline aus British Columbia zum Beispiel strickte die Jahrestemperaturen in eine Tagesdecke: 

Der Grafiker Sigitas Guzauskas stellte die Veränderung des Niederschlages in Europa nach, um auf den Klimawandel hinzuweisen. Dafür legte er die Europakarte aus Moos nach und betröpfelte es mit Wasser. Erhält es genügend Flüssigkeit, ist das Moos grün, erhält es zu wenig, wird es braun. 

Und warum nicht einmal das Fett in den Mittelpunkt stellen? Lauren Manning hat den Pommes-Konsum kreativ visualisiert: 

FRIES BY MONTH

Und dann war da noch dieser Mann, der sich Statistiken zu Tattoos auf seinem Körper verewigen ließ: 

 
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