Mit A-Rosa-Flora auf Flusskreuzfahrt| reisereporter.de

A-Rosa Flora: Flusskreuzfahrt auf hoher See

Dümpeln war gestern. A-Rosa will das Flussklientel konsequent verjüngen. Auf ihrem jüngsten Schiff, der A-Rosa Flora, ist das schon zu spüren. Dafür wagt sich die Flussflotte sogar in die Nordsee...

Das Ijsselmeer ist ein künstlich entstandener Süßwassersee und  besteht zum Teil aus der ehemaligen Meeresbucht Zuiderzee zwischen Friesland und Nordholland.
Die A-Rosa Flora reitet über die Wellen der Nordsee an der holländischen Küste.

Foto: Uwe Bahn

Was für ein Wind! Mit Stärke 9 bläst er aus Westen. Im Hafen von Harlingen liegen die Traditionsschiffe und Ausflugsdampfer fest vertaut. Die weißen Schaumkronen auf den Nordseewellen sind das untrügliche Zeichen: Die See wird stürmisch. Bei dieser Wetterlage überlegt sich ein Kapitän genau, ob er noch ins Wattenmeer hinausfährt. Und Bernhard Klausmann ganz besonders: Er steuert keinen Krabbenkutter, kein Plattbodenschiff, sondern die A-ROSA flora. Ein Flussschiff, mit gerade mal 1,60 Meter Tiefgang, das nun hier im Hochsee-Revier kreuzt. Salzwasser, Seegang, Sturmböen – Fremdworte für Fluss-Kreuzfahrten. Deren Terrain sind sonst eher Main und Mosel. See-, pardon flusskrank wurde dort noch niemand. Doch hier in Holland kann das anders werden. Auf dem Weg nach Amsterdam muss das Schiff durchs Wattenmeer, Ijsselmeer und Markermeer. Ein Hauch von Hochsee.

Mit der A-Rosa Flora auf hoher See

A-Rosa sucht das Abenteuer ganz gezielt. Nicht nur wegen der Windstärke. Die Rostocker Reederei will den Fluss revolutionieren. Wieder einmal. Die „Hardware“ dafür steht schon seit 2002, als die ersten beiden A-rosas in den Donau-Dienst gestellt wurden. Farbenfroh, loungig, modern sahen sie aus. Anders als die Sissi-Schiffe, die sonst in Passau liegen. A-Rosa fiel auf. Mit Spa und Fitness für eine Kundschaft, die eher für „Kur“ steht. Was Aida auf See gelang, das versucht A-Rosa auf dem Fluss. Hoffnungsträger: Jörg Eichler, fünf Jahre für Vermarktung und Verkauf bei Aida zuständig. Er ist der A-Rosa-Chef. Und er meint es ernst: Schluss mit Fluss. Jedenfalls mit dem, wofür der Fluss bisher steht: Senioren-Urlaub. „Ich möchte den langfristig den Gästemix verändern“, gibt er die Zielrichtung vor. Den wirksamsten Hebel dafür hat er bereits umgelegt: Kinder reisen umsonst bei A-rosa. Nicht gemeint: 85jährige in Begleitung ihres 60jährigen Sohnes. Das Angebot gilt bis 15 Jahre. Reisen die Eltern mit zwei Kindern, bekommt der Nachwuchs sogar eine eigene Kabine for free. Für Eichler eine Hercules-Aufgabe: eine Generation an Bord zu holen, die nicht für Grammophon, sondern für iPhone steht. Gratis W-Lan soll da nachhelfen. Das bekommt jeder, der den „Select Premium“-Tarif bucht. Was soviel bedeutet: A-rosa alles inklusive. Fast alle der 180 Passagiere haben das getan. Preise stabil auf hohem Niveau halten, Leistungen erhöhen, so das Denken bei der Reederei.

A-Rosa Flora: Crew und Ambiente an Bord

Kapitän Bernhard Klausmann hat unterdessen entschieden: Wir fahren. Er hat die Leinen lösen lassen und nun schaukelt die A-Rosa flora durchs kabbelige Wasser im Wattenmeer. Erstmal bis zum Abschlussdeich, der das Watten- vom Ijsselmeer trennt. Doch dort, an der Lorentzschleuse, ist Schluss. Die kräftigen Böen drücken das Schiff gegen die Dauben vor der Schleuseneinfahrt. Eine Daube hat es erwischt. Niederländisches Staatseigentum, das muss gemeldet werden. „Das Ijsselmeer ist heute die Beringsee“, freut sich der nautische Offizier. Endlich mal was los. Allerdings: Die Weiterfahrt ist unmöglich. Das Schiff bezieht Quartier an einem Notliegeplatz und macht längsseits vor der Schleuse fest. Jetzt zeigt das Team um Hotelmanagerin Anett Prinz wie flexibel es ist. Auf dem schmalen Schleusensteg hat sich die komplette Crew aufgereiht, bildet eine Menschenkette, an der sich die Passagiere entlanghangeln. Am Ende warten die Busse für die Tour nach Edam und Leeuwarden. Der Landgang in die friesische Stadt wurde noch auf die Schnelle organsiert. Bevor die Passagiere „Besichtigung der Lorentzschleuse auf eigene Faust“ ins Programm nehmen.

Ijsselmeer ist heute die Beringsee!

Die A-Rosa Flora, das ist das neueste Schiff der Flotte, gebaut 2014. Der chronische Platzmangel auf Flussschiffen wurde einfach ignoriert: Sieben Juniorsuiten, vier Balkonsuiten und zwei Familienkabinen gönnen die Rostocker ihren Reisenden. Und einen erstaunlichen Service, der noch einmal feinjustiert wurde. Genauso die Gastronomie. Showcooking am Buffet oder ein vier-Gänge-Menu. Es ist stimmig. Zehn Kinder reisen mit auf der Tour. Gemocht, nicht nur geduldet, so scheint es zumindest. Sie lernen in dieser Woche u.a. Cocktails mixen und Apfelstrudel backen. Durch das all inclusive-Konzept hat sich auch das Bordleben deutlich in den späten Abend verlängert. Der hat allerdings noch deutliche Entertainment-Engpässe. Ob die biederen Alleinunterhalter geknebelt im Maschinenraum liegen oder einfach nur vom Schiff verbannt wurden, ist egal. Sie sind nicht mehr da, und das ist gut so. Stattdessen kommt die Bordunterhaltung nun vom DJ aus dem aufgeklappten Macbook. Keine Hochkultur, aber eben nicht mehr Jerry, Jimmy oder Jacky an der Yamaha-Orgel mit ihren Penetranz-Potpourris. Trotzdem: Es darf schon ein bisschen mehr sein.

Die A-Rosa Flora hat sich tatsächlich durchs Ijsselmeer gekämpft und einen Tag verspätet Amsterdam erreicht. Nach den kleinen Städtchen Hoorn und Harlingen nun also die Metropolen. „Die Städtreise der Zukunft ist für mich die Kurzkreuzfahrt Amsterdam und Rotterdam“, ist Jörg Eichler überzeugt. Konsequenz: A-rosa hat die Overnights erhöht und die Liegezeiten verlängert. Falls die neue Zielgruppe abends noch mal um die Häuser ziehen will. Dafür dürfen die Liegeplätze gerne etwas zentraler sein als z. B. Antwerpens Westkaai „Kattendijkdok“. Detailarbeit. Der Kurs von A-rosa ist deutlich spürbar. Das Konzept Premium alles inklusive ist bereits aufgegangen, Service und Gastronomie sind auf hohem Niveau. Nun gilt es, den idealen Gästemix zu finden. Sollten in den Junior Suiten wirklich Junioren schlafen, dann ist Jörg Eichler schon wieder ein großes Stück weiter.

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