Mit Rock Musik auf Kreuzfahrt | reisereporter.de

Rock-Kreuzfahrt: Mit KISS in die Karibik

Sie waren einst der Eltern-Schreck: KISS, furchterregend geschminkt und eine der lautesten Rockgruppen der Welt. Seit Jahren fahren die US-Rocklegenden mit ihren Fans zur See. Eine besondere Kreuzfahrt – in jeder Hinsicht.

Paul Stanley rockt auf der Kiss Kruise.
Paul Stanley rockt auf der Kiss Kruise.

Foto: imago/CTK Photo

„Detroit Rock City“ von Kiss dröhnt durch den Cruise-Terminal. Aber hier ist nicht Detroit, hier ist Miami. Und hier in Florida beginnt der Wahnsinn, der einen Namen hat: „The KISS-Kruise“. Die Rock City, das ist für fünf Tage die Norwegian Pearl von NCL. Um unseren Hals baumelt der Pass von der „KISS Navy“. Darauf steht „Sailor“. Was soviel heißt wie „Greenhorn“. Die schon einmal dabei waren, tragen den „Officer“ Pass. Wer „Lieutenant“ ist, hat noch keine KISS-Kruise verpasst. Über tausend „Neue“ fahren mit, sogar 75 Deutsche. Wir fallen auf. Nicht-Tätowierte sind hier eine Minderheit. Vielleicht lassen wir uns ein Kiss-Tattoo an Bord stechen. So als Dresscode. Um 16 Uhr legt die KISS-Kruise ab. Kurs Karibik. Auf dem Pooldeck steht die große Open-Air-Bühne; der Soundcheck dröhnt bis nach Key West. Da ist Druck an Deck! Blauer Himmel, die Sonne brät in Fahrenheit und lässt das eiskalte Budweiser-Bier noch schneller wirken.

Die Sonne brät in Fahrenheit

Gleich gibt es hier das „Sail away“-Konzert von KISS. Unplugged und ungeschminkt. Im „klassischen“ Outfit werden sie zwei Shows im Stardust Theater geben. 2300 Passagiere sind oben auf dem Pooldeck, um die Heroes zu empfangen. Die Euphorie ist am Anschlag, als die Rocklegenden Gene Simmons und Paul Stanley von KISS auf die Bühne steigen. Die Stimmung kocht, die Songs werden aus tausend Kehlen mit gesungen. Textsicher. Rund um die Reling hängen die Fahnen der Fans aus aller Herren Länder. Schweizer, Österreicher, Finnen, Belgier. Über dreißig Nationen sind an Bord. Eine etwas andere Welt als noch gestern im schicken Miami Beach am Ocean Drive. Hier ist ein ganz anderer Drive.

Rock mit Kiss Kruise auf der Kreuzfahrt

Als ich 1984 bei NDR 2 begann, war eines meiner ersten Interviews mit KISS. Ich versuchte es zumindest. Vor dem Konzert in Hannover. Die Jungs hatten ihre Sensoren allerdings – wie meistens - auf eine weibliche Journalistin eingestellt. Und so bekam ich statt eines Interviews eine Melone. Zugeworfen. Völlig frustriert befragte ich dann auf der Herrentoilette den hilfsbereiten Sänger der Vorgruppe. Der war zwar in Deutschland kaum bekannt, aber sehr nett: Jon Bon Jovi. History. Und nun gehe ich tatsächlich ein paar Jährchen später mit einer Rockgruppe auf Kreuzfahrt, die mich mit einer Melone beworfen hat. Vergessen.

Kiss Kruise entert Key West 

Erste Station des Kiss-Kruises: Key West. Der südlichste Punkt der USA hat sich sein Flair bewahrt: Diese kolonialen Holzhäuser mit den weißen Verandas und dem üppigen Grün drumherum – hier lässt es sich leben. Ernest Hemmingway tat genau das auf Key West. Intensiv. Vor allem in seinem Stamm-Pub „Sloppy Joe’s Bar“. Zwar längst touristische Pflichtstation, aber immer noch urig. Der ganze Laden ist mit „Kiss-Kruisern“ gefüllt. Der US-Barde auf der Bühne, ein Peter Frampton-Verschnitt, begrüßt uns herzlich. Die Kiss-Kruise ist eben sehr besonders. Auch für Key West. Dort reiht sich in der Duval Street ein Musikladen an den nächsten. Und überall handmade Music live. Wie im Hinterhof vom Smokin’ Tuna Saloon von Charlie Bauer, der einmal im Jahr das großartige Songwriters Festival organisiert.

Zurück an Deck rocken am Pool „Nightranger“ mit Jeff Blades. Der ist eine echte Größe in den USA. Und dann ist es soweit. 21 Uhr Stardust Theatre auf der Norwegian Pearl. KISS steigen auf die Bühne und wirken frisch wie damals beim Melonenwurf. Die Schminke kaschiert die Spuren des Rock’n Roll bestens und als Gene Simmons seine Zunge ausrollt, ist es wie zu besten Zeiten. Wenn auch manch Groupie schon im Gertrud-Alter ist. Frenetisch wird die Band gefeiert. KiSS sind laut, KISS sind spielfreudig, KISS sind gut. Nach 90 Minuten, der Zugabe „Rock’n Roll all night“ und dem Konfetti-Regen ist Schluss. Paul Stanley erklärt später im Bord-TV, warum sie ihren größten Hit „I was made for loving you“ nicht spielen. Er habe den Songs damals in zehn Minuten „hingeschmiert“, und das sei ihm einfach peinlich.

Live-Musik auf dem Kreuzfahrtschiff

Wer wie KISS aussehen will, der kann das. Täglich von 19 bis 22 Uhr wartet der Maskenbildner auf die Mutigen in der Bliss-Lounge auf Deck 7 der Norwegian Pearl. Vierzig bis sechzig US-Dollar kostet das Schminken - je nach Farbaufwand. Eine vierköpfige Familie aus Atlanta lässt sich einmal komplett auf KISS stylen. Mom, Dad und die beiden Kids könnten so glatt auf die Bühne steigen. Sogar der Staff-Captain ist in den Schminktopf gefallen. KISS Fans sind loyal über die Jahre. Sie tragen T-Shirts aus den Siebzigern oder von den ersten KISS-Kruises. Sogar die eigene Kabinentür haben die Passagiere kunstvoll mit KISS-Postern und selbstgemalten KISS-Bildern beklebt.

Sogar der Staff-Captain ist geschminkt 

Am letzten Tag, das letzte Happening. Ziel ist „Great Stirrup Cay“, eine kleine Insel der Bahamas, die der Reederei NCL gehört. Die Kiss-Kruise ankert vor dem Eiland, in wenigen Minuten werden wir hinüber getendert. Clever, eine eigene Destination zu schaffen. So bleibt der Umsatz an Land quasi an Bord. Und an den Strandbars wird schon wieder kräftig ausgeschenkt. Die KISS-Kruiser nehmen ihre Drinks und stoßen im Wasser an. Direkt am Strand steht die Bühne, auf der ab Mittag „The Big Rock Show“ spielt, eine Coverband. Bei „Sweet Home Alabama“ oder „I was made for loving you“ (ja, sie spielen es) steigt die Stimmung. „Im März hat hier Kid Rock ein grandioses Beach-Concert gegeben“, erzählt uns Andy Levine. Er ist der Chef von Sixthman, der Agentur, die seit 2002 die Musik-Cruises in den USA perfekt produziert. KISS rocken nicht am Strand, aber sie geben - gut organisiert und geplant - eine Menge für ihre Fans. Über 2000 Plakate haben sie unterschrieben. Okay, dafür müssen sie beim Captains Dinner keine Hände schütteln, denn so etwas gibt es bei einer KISS-KRUISE nicht. Dafür kann sich jeder Passagier im Rahmen eines genauen Zeitplanes mit KISS fotografieren lassen. Die Bilder gibt’s dann zum Gratisdownloaden im Internet. Das Preis-Leistungsverhältnis beim KISS-Kruise stimmt. Immerhin 12 Bands performen an diesen fünf Tagen auf der Pool-Bühne, im Stardust-Theater oder der Atrium-Bühne. Am nächsten Morgen erreicht die KISS-Cruise wieder den Hafen von Miami und wir gehen wieder von Bord. Ohne Tattoo.

Kiss Kruise VI im November

Dieses Jahr steigt vom 4. bis 9. November bereits Kiss Kruise VI auf der Norwegian Pearl. Von Miami führt die Rock-Kreuzfahrt über Cozumel (Mexiko) und Grand Cayman zurück nach Miami. Alle Infos zur Kiss-Kruise findest du auf der Seite der Veranstalter.

 

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
#Trending
Zur
Startseite