Die Flutwellen brachen mitten in der Urlaubssaison über beliebte Touristenstrände herein: Die Tsunamikatastrophe auf den indonesischen Inseln Sumatra und Java hat mehr als 200 Menschenleben gekostet. Mehr als 840 Menschen wurden verletzt, Dutzende werden noch vermisst. Das teilte die nationale Katastrophenschutzbehörde am Sonntag mit.

Mit am heftigsten getroffen wurde die Provinz Banten im Westen der Insel Java mit Pandeglang und Serang sowie Südlampung auf Sumatra. Dort gibt es auch viele Strandunterkünfte für Touristen.

Nach Vulkanausbruch trifft Tsunami auf Touristenorte

Die Ursache für den Tsunami war vermutlich ein Ausbruch des Vulkans Anak Krakatau. Er liegt in der Meerenge Sundastraße und soll einen Unterwassererdrutsch ausgelöst haben, berichtet die „Jakarta Post“. 

Die Eruption ereignete sich nach Behördenangaben am Samstagabend um 21.03 Uhr (Ortszeit), 24 Minuten später sei der Tsunami auf Land getroffen. Noch schlimmer wurde die Situation durch die zu der Zeit herrschende Flut.

Tsunamiwelle reißt Band und Publikum mit sich

Und besonders fatal war offenbar, dass die Indonesische Behörde für Geophysik (BMKG) fälschlicherweise zunächst Entwarnung gegeben hatte, weil kein starkes Erdbeben stattgefunden hatte. Daher hatten auch die Behörden, darunter der indonesische Katastrophenschutz, die Menschen auf Twitter besänftigt.

Ohne Vorwarnung traf die Monsterwelle daher auf Land und überraschte Einwohner und Urlauber. Das zeigt auch ein Video: Darin spielt die indonesische Band Seventeen ein Konzert am Tanjung-Lesung-Strand in Banten, als plötzlich von hinten eine Welle die Bühne trifft und die Musiker sowie das Publikum mitreißt.  

Ob unter den Tsunamiopfern auch deutsche Urlauber sind, ist bisher unklar, so das Auswärtige Amt. Der indonesische Katastrophenschutzsprecher Sutopo Nugroho teilte über Twitter mit, dass mindestens 556 Häuser, neun Hotels, 350 Boote und Dutzende Autos beschädigt wurden. 

Er empfahl den Menschen in der Gegend, sich weiterhin von der Küste fernzuhalten, da die Möglichkeit weiterer Vulkanausbrüche und somit eines weiteren Tsunamis bestehe.

Sumatra: Zweite Katastrophe in drei Monaten

Die Insel Sumatra war erst vor knapp drei Monaten von einem schweren Erdbeben und einem Tsunami getroffen worden, damals kamen rund 2.000 Menschen ums Leben.

Indonesien liegt auf dem Pazifischen Feuerring, der geologisch aktivsten Zone der Erde. Der Inselstaat hat so viele aktive Vulkane wie kein anderes Land der Welt. Beim Megatsunami an Weihnachten 2004 starben dort mehr als 160.000 Menschen.

Tsunamikatastrophe in Indonesien: Was bedeutet das für Urlauber?

Urlauber, die vor Ort sind, sollen laut dem Auswärtigen Amt die lokalen Medien verfolgen, beschädigte Gebäude, Brücken und Straßen meiden und Anweisungen von örtlichen Sicherheitskräften unbedingt befolgen.

Wenn während der Reise am Urlaubsort eine Katastrophe passiert, haben Pauschalurlauber das Recht auf den Abbruch der Reise sowie eine Teilerstattung. Leistungen, die bislang in Anspruch genommen wurden, zum Beispiel Hinflug und bisherige Tage im Hotel, müssen bezahlt werden.

Die Kündigung eines gebuchten Urlaubs wegen höherer Gewalt ist nach Angaben des Reiserechtsanwaltes Paul Degott gerechtfertigt, wenn die Reise konkret beeinträchtigt ist. Das sei der Fall, wenn die Infrastruktur in der Region und viele Gebäude zerstört seien. „Wenn die Reise genau in die Tsunamiregion führt, dann kann der Vertrag zum Beispiel über eine Pauschalreise gekündigt werden“, so Degott.