Skyline: Ist das noch New York oder schon Dubai?

Skyline: Ist das noch New York oder schon Dubai?

Manhattan ist die Heimat der schönsten Wolkenratzer. Doch ein neuer, zahnstocherartiker Skyscraper-Typ verändert die klassische Skyline fast bis zur Orientierungslosigkeit, findet reisereporterin Christina.

NYC-Skyline.
Skinny Towers an der 57th Street: Neue Ausblicke vom Central Park.

Foto: Christina Mänz

Ahhh, Manhattan! Schon beim Landeanflug auf den Flughafen Newark, New Jersey, sehen Urlauber im besten Fall diesen Sehnsuchtsort links liegen, schaltet sich ihr Gehirn auf das Schachbrettmuster der Straßenschluchten und die ikonischen Wolkenkratzer scharf: Hier die Türme vom San Remo an der Upper West Side, da die Art-déco-Spitze vom Empire State Building, und im Süden überragt One World Trade Center mit 541 Metern ganz Lower Manhattan. 

Die neuen Wolkenkratzer haben Size Zero

Doch in die Wolkenkratzerromantik vor allem der 30er-Jahre mischt sich mehr und mehr die verstörerische Gigantomanie des 21. Jahrhunderts.

In das so vertraute Stadtbild drängeln sich die neuen Skyscraper der nächsten Generation: schwindelerregend hohe, ultraschmale, entsetzlich teure Wohntürme. 

NYC-Skyline.
Links der Metropolitan Clock Tower von 1909. Er war vier Jahre lang das höchste Gebäude der Welt (213 Meter). Rechts das historische Flatiron Building, eines der Wahrzeichen New Yorks. Mittendrin zwei neue Türme. Foto: Christina Mänz

Wie Fabrikschornsteine ragen die Super Skinny Towers in den Himmel, wie Strohhalme, dass man schon beim Versuch, die Stockwerke zu zählen, Genickstarre kriegt. Faszinierend sind sie, einige ästhetische Meisterleistungen von Stararchitekten, andere extrem fade und angsteinflößend seelenlos.

Vor allem verändern sie für immer die Skyline von Manhattan dermaßen, dass man in der Stadt mit der größten Wolkenkratzerdichte (1.507 Gebäude sind über 100 Meter hoch!) zuweilen die Orientierung verliert. Wie mag es wohl erst denen gehen, die im 80. Stock mehr Verbindung in den Himmel haben als zum Asphalt?

Die Luxustürme sind nichts für Sparfüchse

Nun müssen wir uns um die Bewohner der Luxus-Legotürme aber keine Gedanken machen. Die Glitzerfassaden spiegeln den Lifestyle der Superreichen wieder. Längst ist der beste Ausblick, der „trophy view“, so begehrenswert wie die richtige Adresse im knapp 60 Quadratkilometer großen Manhattan, in dem Platz in der Horizontalen nun mal beschränkt ist.

So verwandelt sich gerade die 57. Straße südlich des Central Parks von einer exklusiven Einkaufsmeile zur Straßenschlucht mit Skinny Towers. Das Gebäude One57 zum Beispiel hat 90 Stockwerke. Und auf dem Grund von 111 West 57th Street wachsen derzeit Wohnträume unfassbare 435 Meter hoch in den Himmel.

   

Alt versus neu: New Yorks Hochhäuser

Lange Schatten, hohe Mieten

Der Skyscraper 432 Park Avenue wirft ebenfalls einen langen Schatten auf die Stadt. Nach der Fertigstellung 2016 galt er mit 426 Metern kurzzeitig als höchstes Wohnhaus der westlichen Welt. Der Durchschnittspreis für ein Apartment lag damals bei 21 Millionen Dollar.

Als skinny (also schlank) gelten übrigens jene Türme, deren Höhe mindestens rund zehnmal so groß ist wie die schmalste Breite. Im Fall von 111 West 57th beträgt das Verhältnis unglaubliche 23:1. Dass die Türme auf effizient kleiner Grundfläche überhaupt immer höher werden können, liegt an der technischen Entwicklung bei Material und Statik, an der Übertragungsmöglichkeit von „Luftrechten“ und eben daran, dass auch der umkämpfte Immobilienmark in New York nach oben keine Grenzen kennt.

36 neue Wolkenkratzer wurden 2018 gebaut

Und so herrscht sei 2015 ein regelrechter Bauboom. Laut einer Branchendatenbank wurden allein im vergangenen Jahr 36 Wolkenkratzer fertiggestellt; so viele wie noch nie in der Geschichte New Yorks. 2019 sollen weitere 26 bezugsfertig sein.

Und noch mehr schwindelerregende Zahlen: Mittlerweile gibt es acht Skyscraper, die über 300 Meter hoch sind. Zehn weitere Giganten wie der 472 Meter hohe Central Park Tower sind derzeit im Bau.

Wir haben also mitten in Manhattan die Wahl: Wir könnten im Skyscraper Museum die historische Skyline beweinen und moderne Strukturen feiern. Wir könnten von der Lobby Lounge des Mandarin Oriental aus den ikonischen roten Schriftzug vom Essex House suchen, bevor er ganz zwischen Baukränen und Glasfassaden verschwindet. Oder wir könnten auch einfach nur Lotto spielen.

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