Man munkelt hinter vorgehaltener Hand, dass der meiste Umsatz in Hallstatt auf der öffentlichen Toilette gemacht wird. Der Tourismus boomt in dem kleinen Bergdorf im Salzkammergut in Österreich, die meisten Touristen kommen aber aus dem asiatischen Raum und fallen in die Kategorie Tagestouristen.

Wobei selbst das oft übertrieben ist: Viele Reisebusse halten nur für ein, zwei Stunden in Hallstatt und spucken die Besucher aus, die im Schnelldurchlauf das Dorf besichtigen. Foto, Foto, Foto, fertig. Viel Zeit, um Geld in Hallstatt zu lassen, bleibt da nicht. Zur öffentlichen Toilette zieht es aber die meisten.

Warum machen Asiaten so einen Hype um Hallstatt?

Aber woher kommt der Hype rund um das kleine Bergdorf in Österreich? Keine Frage: Hallstatt ist ein Bilderbuchdorf mit seiner Kulisse direkt am Hallstätter See und gebaut in einen Berghang am Ufer.

Vor allem asiatische Touristen werden mit Bussen nach Hallstatt gekarrt.
Vor allem asiatische Touristen werden mit Bussen nach Hallstatt gekarrt. Foto: Jasmin Kreulitsch

Dazu kommt die Geschichte: Nach Funden in einem Gräberfeld oberhalb des Ortes wird sogar ein Zeitabschnitt der älteren Eisenzeit (800 bis 450 vor Christus) als Hallstattzeit bezeichnet. Zusammen mit dem Dachstein und dem Inneren Salzkammergut gehört Hallstatt deshalb zur Unesco-Welterbestätte Hallstatt-Dachstein/Salzkammergut.

Aber warum kommen so viele Asiaten? Theorien darüber gibt es viele. Zum einen die Tatsache, dass neben österreichischen Städten wie Wien und Salzburg auch ein Dorf auf die Bucket-List der Asiaten gehört. Das chinesische Wort für „Landschaft“ setzt sich aus den Begriffen „See“ und „Berg“ zusammen. Für Chinesen ist ein Dorf wie Hallstatt daher genau das, was sie sich unter einer perfekten Landschaft vorstellen. 

Die Kopie von Hallstatt steht in China

Der Hype kommt aber auch von einer anderen Seite. Im Jahr 2012 wurde in der chinesischen Provinz Guangdong ein Originalnachbau des Dorfes eröffnet. Das „chinesische Hallstatt“ steht nun eins zu eins am anderen Ende der Welt und macht ordentlich Werbung für sein Original. 

In China steht eine Kopie von Hallstatt: Kirche, Marktplatz und sogar der See wurden nachgebaut.
In China steht eine Kopie von Hallstatt: Kirche, Marktplatz und sogar der See wurden nachgebaut. Foto: Hanno Böck

Es haben aber auch ein paar TV-Menschen in Südkorea dazu beigetragen, dass so viele Asiaten kommen: Die schmalzige Seifenoper „Spring Waltz“ erfreut sich dort großer Beliebtheit, gedreht wurde in Wien und in Hallstatt.

Und weil der erste Kuss der beiden Hauptdarsteller am Ufer des Hallstätter Sees passierte, findet man heute viele asiatische Paare in derselben Pose: schmusend am See vor der Kulisse von Hallstatt.

Tipps für Hallstatt: So entkommst du den Touri-Massen

Keine Frage: Es ist voll in Hallstatt. Ob am Seeufer, auf den Schiffen oder dem Ortskern mit seinen aus dem 16. Jahrhundert stammenden Gassen und Häusern im alpinen Stil – es wirkt, als könne man das Bergdorf nie in seiner Ursprünglichkeit kennenlernen.

Leere Gassen in Hallstatt? Ja, kannst du erleben.
Leere Gassen in Hallstatt? Ja, kannst du erleben. Foto: Jasmin Kreulitsch

Oder vielleicht doch? Was unmöglich scheint, ist machbar – allerdings muss man einige Dinge beachten beziehungsweise in Kauf nehmen. Denn wie das bei Orten mit Overtourism nun mal so ist: Du musst früh aufstehen, Umwege gehen und vor allem Geduld haben.

Der Survival-Guide für Hallstatt in sieben Schritten

Vorab: Hallstatt ist klein, sehr klein. Hier leben Menschen mitten in einem Tourismusmagneten, der von Besuchern belagert wird, die oftmals keine Distanz wahren. Drohnen fliegen über Privatgrundstücke, Einheimische werden in ihren Gärten fotografiert, manchmal stehen Asiaten auch in Privathäusern, wenn die Eingangstüren nicht verschlossen sind.

Denn viele glauben tatsächlich, dass Hallstatt wie sein Nachbau eine Art Freiluftmuseum ist und die Bewohner nur Statisten. Deshalb ist es wichtig, Respekt zu zeigen.

Schritt 1: Reise abseits der Saison

Noch mal zum Mitschreiben: In Hallstatt treffen 780 Einwohner auf eine Million Touristen pro Jahr. Täglich kommen rund 2.000 an, zu Hochzeiten sind das 80 Busse am Tag. Dessen muss man sich bewusst sein. Aber: Im Winter ist es ruhiger in Hallstatt. Die wenigsten Touristen kommen in den Monaten November und Februar.

Übrigens: Schon die Anreise ist ein kleines Erlebnis: Weil die Hallstätter nie einen Bahnhof oder eine Uferstraße in ihrem kleinen Ort haben wollten, kommst du auf der gegenüberliegenden Seite des Hallstätter Seea an – und fährst etwa 15 Minuten mit dem Schiff nach Hallstatt (3 Euro pro Person). 

Schritt 2: Übernachte in Hallstatt

Ja, die Hotels in Hallstatt sind nicht unbedingt günstig, doch wenn du den Ort abseits der Massen kennenlernen willst, musst du das tun, was die meisten asiatischen Besucher nicht machen: hier übernachten. Denn wenn die Bustouristen den Ort verlassen haben, lichten sich die Straßen. 

Schritt 3: Geh um die Ecke

Stehst du auf dem Hauptplatz in Hallstatt, wird dich eine Menschentraube umgeben, die die aus dem 16. Jahrhundert stammenden Häuser mit ihren Balkonen und Blumen fotografiert. Möchtest du den Platz ohne Menschen sehen, musst du zum Sonnenaufgang kommen.

Tagsüber ist es besser, durch die engen Gassen zu schlendern und immer genau dorthin zu gehen, wo keine Menschen sind. Denn tatsächlich ziehen am Hauptplatz und an der Seestraße die meisten Touristen entlang.

Schritt 4: Verlasse den Ortskern

Wenn du vom Hauptplatz über die Seestraße aus dem Dorf spazierst, brauchst du gerade mal zehn Minuten, bis du die Badeinsel Hallstatt erreichst. Von hier aus hast du, da Hallstatt in einer Bucht liegt, einen super Blick auf das Dorf und bist vor allem im Winter fast allein. 

Impression aus dem 780-Einwohner-Dorf Hallstatt in Österreich.
Impression aus dem 780-Einwohner-Dorf Hallstatt in Österreich. Foto: Jasmin Kreulitsch

Schritt 5: Sei als Erste/-r da

Über dem Ort liegt das berühmte Bergwerk, das du besichtigen kannst. In den „Salzwelten“ erfährst du alles über die Hallstattzeit (30 Euro pro Person). Von Dezember bis März ist das Bergwerk jedoch geschlossen, aber nicht der Aussichtspunkt. Das minimiert schon mal die Besucheranzahl. Wenn du dann noch früh aufstehst und als Erstes auf dem Berg bist, gehört das 360-Grad-Panorama auf dem Hallstatt-Skywalk „Welterbeblick“ allein dir.

Skywalk mit Ausblick auf die Alpen und den Hallstädter See in Österreich
Wenn du als erstes auf dem Berg bist, gehört das 360-Grad-Panorama auf dem Hallstatt-Skywalk nur dir. Foto: imago/imagebroker

Schritt 6: Fahr ans gegenüberliegende Seeufer

Vor oder nach deinem Besuch in Hallstatt solltest du Zeit am gegenüberliegenden Ufer einplanen. Fahr in nur ein paar Minuten mit dem Zug in den nächsten Ort Obertraun und spazier in etwa 30 Minuten zurück in Richtung Hallstatt.

Auf dem Weg hast du einen tollen Blick auf das Bergdorf und den Bonus, dass der Hallstätter See auf jedem Foto ist. Und: Asiaten nehmen sich nicht die Zeit dafür! Unterwegs begegnest du also maximal einheimischen Spaziergängern.

Schritt 7: Wechsle die Perspektive

Wenn du schon auf der gegenüberliegenden Seeseite bist und noch Zeit hast, solltest du eine kleine Wanderung machen. Am Bahnhof in Hallstatt führt der Ostuferwanderweg vorbei, der auf einer leichten Strecke bis Steeg/Bad Goisern führt; insgesamt kannst du elf Kilometer am Ufer des Sees entlangspazieren. Du kannst den Weg auch easy abkürzen, da oberhalb des Wanderweges die Bahnstrecke verläuft und du immer einsteigen kannst.

Vor allem in den Wintermonaten ist der Ostuferwanderweg perfekt: Die Wege sind zwar oft verschneit und ein bisschen rutschig, dafür begegnest du aber keinem Menschen – und findest unterwegs unzählige tolle Fotomotive mit Hallstatt im Fokus.