Brasilien: Ein Urlaub als Tourist im eigenen Land | reisereporter.de

Brasilien: Ein Urlaub als Tourist im eigenen Land

Die Reise nach Brasilien ist ihre letzte Tour als „reisereporter 2018“ – und eine ganz besondere. Doch das fünftgrößte Land der Erde verlangt Carina Doliwa und Eduardo Lima auch einigen Mut ab.

Edu & Carina
Nach zwei Jahren war Edu wieder in seiner Heimat Brasilien – mit dabei war natürlich Carina.
Nach zwei Jahren war Edu wieder in seiner Heimat Brasilien – mit dabei war natürlich Carina.

Foto: Menzel

Ich, Eduardo, komme aus Brasilien – dem fünftgrößten Land der Erde. Ich reise gern, habe – dem Sport und Stipendien sei Dank – in Chile und Südkorea gelebt. Seit zwei Jahren wohnen Carina und ich zusammen in Deutschland.

Von meiner Heimat Brasilien kenne ich neben Rio de Janeiro, wo ich geboren, und Natal und Saõ Paulo, wo ich aufgewachsen bin, nicht viel – nicht nur, weil das Land so groß ist, sondern auch, weil man mit einem durchschnittlichen brasilianisches Gehalt, das meine Eltern verdienten, selbst in Brasilien nicht sehr weit kommt.

Unsere beiden „reisereporter 2018“ haben ihre Dschungelprüfung in Brasilien bestanden.
Unsere beiden „reisereporter 2018“ haben ihre Dschungelprüfung in Brasilien bestanden. Foto: Menzel

Als wir das große „reisereporter 2018“-Voting gewonnen hatten, war also klar, dass wir uns für das erste der beiden zur Auswahl stehenden Reisepakete entscheiden würden: den Trip zum Eurovision Song Contest nach Lissabon, eine Kreuzfahrt von Malta über das Mittelmeer, eine Reise auf die griechische Insel Paros – und eben die Rundreise mit Gebeco durch Brasilien.

Brasilien-Rundreise: 14 Tage, vier Welten

14 Tage, vier Welten, dazwischen 7.000 Kilometer Luftlinie, die Anreise aus Deutschland exklusive. Die Wasserfälle von Iguazú, über die je nach Jahreszeit etwa 1.700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde, oft sogar ein Vielfaches davon in den Abgrund stürzen. Drei Tage im Amazonasgebiet. Rio de Janeiro und die Copacabana und schließlich Salvador.

Tatsächlich lernt man bei einer Brasilien-Rundreise mit Gebeco neben Land und Leuten auch die Flughäfen gut kennen – das Reisen mit Bus und Auto ist mühsam und langwierig, das Straßennetz gerade in entlegeneren Regionen wie dem Amazonasgebiet schlecht bis gar nicht ausgebaut.

  

Foto-Rundreise: Carina und Edu in Brasilien

Projekten wie der Transamazônica – einer Straße, die die Atlantik- und Pazifikküste Südamerikas miteinander verbinden soll – machen die Naturgewalten immer wieder einen Strich durch die Rechnung.

Naturgewalten, die wir beim Landeanflug auf Manaus am eigenen Leib erfahren, weil gerade ein mächtiges Gewitter über der Stadt hängt, das den Piloten dreimal zum Durchstarten zwingt. Und als er das Flugzeug und uns im vierten Anlauf sicher zu Boden bringt, bedenken ihn selbst die Vielflieger unter den Passagieren mit beherztem Applaus.

Der Amazonas reicht den Urlaubern nur bis zum Knie

Und während die Gläser Cachaça, mit denen wir den Schrecken am Abend hinunterspülen, bis zum Rand gefüllt sind, steht uns der Amazonas am nächsten Tag gerade einmal bis zu den Knien. Immer wieder müssen wir aussteigen und die Boote, mit denen wir zur Lodge fahren, durch das flache Wasser schieben – nachdem man uns versichert hat, dass es in diesem Teil des Amazonas weder Piranhas noch Krokodile gebe.

Überhaupt habe man früher, als das Wasser selbst während der Trockenzeit noch höher stand, hier mehr Tiere gesehen, sagt unser Guide Rosalina – eine Frau, deren Augen beim Anblick einer Tarantel leuchten und die aus Pflanzen ein Feuerwerk basteln kann, das selbst den Action-Held MacGyver alt aussehen lässt.

Copacabana: Die schönsten Sonnenuntergänge

Eine Frau, die auch in der Dunkelheit im Dschungel überleben würde, während wir Stadtindianer vor dem Schlafengehen den ein oder anderen Caipirinha genießen, um den Gedanken zu verdrängen, wir könnten beim Absuchen unseres eigentlich hervorragend präparierten Lodge-Zimmers doch eine Spinne übersehen haben.

Doch der Dschungel belässt es bei den schönen Überraschungen – wie der, dass wir im Amazonas baden gehen dürfen.

Romantisch: Edu und Carina genießen den Sonnenuntergang.
Romantisch: Edu und Carina genießen den Sonnenuntergang. Foto: Maria Menzel

Copacabana kann jeder – wobei es zugegebenermaßen keine schöneren Orte als Rio de Janeiros Strände für einen Sonnenuntergang gibt. Überhaupt ist Rio pures Kontrastprogramm: vom Sambódromo, dem 88.000 Menschen fassenden Sambastadion, über die futuristische Cathédrale Sao Sebastio bis zur Escadaria Selarón, für die der Künstler Jorge Selarón sich Fliesen aus aller Welt hat schicken lassen und diese an einer Treppe verbaut hat – von New York bis zum Schwarzwald.

Die Krönung: die Fahrten zur Christusstatue auf dem Corcovado und auf den Zuckerhut, an dessen Fuß Eduardo seinen Militärdienst abgeleistet hat.

Na klar, ein Foto vor der Christusstatue in Rio musste natürlich sein.
Zurück aus dem Dschungel. In Rio musste ein Foto vor der Christusstatue natürlich sein. Foto: Menzel

Man muss aber nicht zwangsläufig große Entfernungen zurücklegen, um einen Eindruck von der Vielfalt Brasiliens zu bekommen. Man sieht sie auf den Bürgersteigen einer jeden mittelgroßen Stadt: Haar- und Hauttöne reichen von Schwarz bis Blond beziehungsweise einem mitteleuropäischen Weiß, von dem man sich nicht vorstellen kann, dass es die äquatoriale Sonne verträgt.

Wären da nicht die Rucksäcke und Koffer und die Socken in den Sandalen: Man könnte nicht sagen, wer Tourist und wer Einheimischer ist. Und während in Blumenau, einer deutschen Siedlung im Süden, das zweitgrößte Oktoberfest der Welt gefeiert wird, tanzt und kämpft man auf den Straßen Salvadors an der Ostküste Capoeira, dessen Ursprünge aus Afrika nach Bahia verschleppte Sklaven mit sich brachten.

Essen in Brasilien: Fleisch, Fleisch, Fleisch

Und auch wenn im Einwanderungsland Brasilien überall Portugiesisch gesprochen wird, so könnten auch die Dialekte unterschiedlicher kaum sein – ebenso wie das Essen, das von Fischeintopf bis Pizza reicht. Wobei man um eines tatsächlich nirgendwo herumkommt: Fleisch.

Mhhhh, Carina und Edu genießen den letzten Abend in einer Churrascaria.
Mhhhh, Carina und Edu genießen den letzten Abend in einer Churrascaria. Foto: Maria Menzel

Beim Barbecue, in Teigtaschen, die hier Empanadas heißen, oder in einer Churrascaria, wo uns von der Lende bis zum Herz so schnell und so lange bestes Allerlei vom Spieß direkt auf den Teller geschnitten wird, bis wir uns ergeben – ohne es zwischendurch zum Salatbuffet geschafft zu haben.

Selbst ein Sandwich, das man ausdrücklich „sin carne“ – ohne Fleisch – bestellt, kommt hier mit einer Scheibe Schinken daher. Für Vegetarier ist das eine echte Herausforderung – für mich, Eduardo, ist es der Geschmack von Heimat.

Apropos Heimat: Am Ende unseres Jahres als „reisereporter 2018“ steht noch ein ganz besonderes Erlebnis – dass ich meine Familie in Indaiatuba bei Saõ Paulo nach fast zwei Jahren wiedersehen und Carina sie endlich kennenlernen darf.

Das Beste kommt eben oft ganz zum Schluss!

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