Anti-Overtourism: Darum sollten einige Reisetipps geheim bleiben

Darum sollten einige Secret Spots geheim bleiben

Abenteuerurlaub hat einen Feind: das Internet. Dort verbreiten sich Empfehlungen rasant, und einstige Geheimtipps werden von Instagrammern überrannt. Manchmal ist es besser, nicht alle Top-Spots zu verraten.

Wo könnte das sein? Leos geheime Lieblingsorte sollen geheim bleiben – aus gutem Grund.
Wo könnte das sein? Leos geheime Lieblingsorte sollen geheim bleiben – aus gutem Grund.

Foto: Leo Bartsch

Overtourism ist kein neues Phänomen, ganze Städte versinken quasi im Strom der Touristen. Billigflieger und Globalisierung tragen dazu bei, dass jeder Ort für jeden erreichbar ist. Das ist natürlich toll, denn wer entdeckt nicht gern die Welt?! Der Nachteil: Es gibt kaum noch geheime Orte.

In den sozialen Netzwerken verbreiten sich Reisefotos wie ein Lauffeuer und kleine Dörfer werden von Instagrammern überrannt, die nur ein Foto machen wollen und dann wieder weg sind. Hier kommen ein paar Gründe, warum du kein Teil dieser Entwicklung sein solltest und deine Reisegeheimnisse besser für dich behältst.

Der schmale Grat zwischen Geheimtipp und Touri-Attraktion

Durch einen Zufall landete ich auf meiner Weltreise in Indonesien auf einer Insel abseits der typischen Touristenpfade. Dort warteten menschenleere, weiße Sandstrände auf mich, versteckte Wasserfälle, dichter Dschungel und Buchten wie aus dem Bilderbuch.

Motorroller am Strand einer indonesischen Insel.
In Indonesien entdeckte Leo zufällig eine paradiesische Insel. Den Namen behält sie für sich. Foto: Leonore Bartsch

Völlig verwundert fragte ich den Manager meiner Unterkunft, warum keine Werbung für diesen unfassbar paradiesischen Ort gemacht wird. Seine Antwort? Wir möchten nicht, dass die Touristen kommen! Das habe ich erst nicht verstanden.

Doch dann musste ich daran denken, wie oft ich schon in Berlin auf dem Weg zur Uni von Touris angehalten wurde, denen ich erklären musste, wie sie zum Brandenburger Tor kommen, und dann zu spät in der Vorlesung saß.

Oder daran, dass meine Lieblingsbar, lange Zeit ein absoluter Geheimtipp, auf einmal völlig überlaufen war, weil sie in irgendeinem Reiseführer gelistet wurde. Seitdem bin ich nie wieder dort gewesen.

Palmen an einem Strand in Indonesien
Wieder Indonesien, wieder verrät Leo den genauen Standort ihres geheimen Platz unter Palmen nicht… Foto: Leonore Bartsch

Overtourism ist nicht nur ein Problem der typischen Urlaubsziele unter Palmen, sondern passiert auch direkt vor unserer Haustür – es ist ein schmaler Grat zwischen Geheimtipp und Touristenattraktion. Der Feind? TripAdvisor, Instagram oder Apps, die geheime Spots mit genauen Koordinaten enttarnen.

Früher hat man seine Initialen in einen Baum geritzt, heute markiert man den Ort auf Instagram.

Experten sind sich sicher, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Instagram und Overtourism gibt, denn es muss nur ein Mensch mit großer Reichweite ein Bild von einem besonderen Ort posten, und schon verbreitet sich das Geheimnis wie ein Lauffeuer.

Vans stehen an einer Steilküste in Portugal bei Sonnenuntergang
An diesem traumhaften Spot in Portugal parkte Leo ihren Van. Foto: Leonore Bartsch

Plötzlich gibt es einen neuen Hotspot, zu dem die Leute mit ihrem Selfie-Stick pilgern und stundenlang anstehen, nur um ein Foto zu machen – früher hat man seine Initialen in einen Baum geritzt, heute markiert man den Ort auf Instagram.

Das ist ein zweischneidiges Schwert, denn der Touri-Boom bringt zwar wirtschaftliches Wachstum, zerstört jedoch oft die Authentizität eines Ortes und die Umwelt gleich dazu. Und natürlich sind wir alle – ich eingeschlossen – Teil dieses Problems. Denn einerseits möchten wir alle immer möglichst ursprüngliche und unberührte Orte sehen.

Sobald wir sie aber gefunden haben, machen wir vor allem eines: teilen, teilen, teilen.

Alle Reisenden können besondere Orte schützen

Sofort posten wir ein Foto von uns am einsamen Strand und schreiben dazu, wo er ist – einsam bleibt er dann nicht mehr lange. Sofort teilen wir unser Wissen darüber, wie man an die tollsten Orte kommt, in Facebook-Gruppen, sodass natürlich alle dorthin wollen und nicht einmal mehr recherchieren müssen. Sofort schreien wir es in die Welt, wenn wir eigentlich eines tun sollten: schweigen.

Denn wir alle können diese besonderen Orte schützen, wenn wir wollen, indem wir sie so hinterlassen, wie wir sie vorgefunden haben. Das Motto „Hinterlasse keine Spuren“ gilt auch für die digitale Welt! 

Hängematte an einem See in Brandenburg bei Sonnenschein.
Sogar in Brandenburg kannst du einsame Kleinode entdecken. Foto: Leonore Bartsch

Dabei geht es nicht um Egoismus oder darum, diese Orte nur für sich zu haben, sondern darum zu vermeiden, dass aus Trampelpfaden geteerte Straßen werden und aus kleinen Home-Stays große Hotelbunker.

Überleg dir einfach genau, wen du zu deinen Lieblingsplätzen schickst, denn deine intimsten Geheimnisse vertraust du ja auch keinem Fremden an – und schon gar nicht dem Internet.

Sei auf Reisen wieder ein Entdecker

Frag dich lieber mal wieder, worum es beim Reisen eigentlich geht. Es geht nicht um das perfekte Foto – es geht doch genau um die Momente, die du auch ohne Instagram für immer in Erinnerung behältst, weil sie dir den Atem geraubt haben. Um die Orte, die so wunderschön waren, dass du sie immer noch vor dir siehst, wenn du die Augen schließt.

Genau das wirst du finden, wenn du einfach „abenteurern“ gehst. Und du wirst stolz sein, dass du ganz allein etwas entdeckt hast.

In Zeiten, in denen Menschen sterben, weil sie ein Selfie machen wollten, sei lieber der Mensch, der ohne Handy in der Hand den Sonnenuntergang genießt. Egal ob in Brandenburg, auf Bali oder in Barcelona – deine liebsten und geheimsten Plätze solltest du lieber für dich behalten, damit es auch weiterhin noch Secret Spots zu erkunden gibt.

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