Bellevaux liegt in der Nähe von Malmedy im Tal des Flüsschens Amblève. Die deutsch-belgische Grenze ist nicht weit. Nördlich schließt sich das Hochmoor Hohes Venn an, das mit seinen 600 Metern über Normalnull höchster Teil der Ardennen ist.

Und dieses Waldgebirge wiederum, das in Deutschland direkt in die Eifel übergeht und das viele in erster Linie als Gegend erbitterter Schlachten in zwei Weltkriegen kennen, etabliert sich gerade als Wanderregion. „Die Ardennen sind ein Geheimtipp“, sagt Wanderführer Eric Thomas, wobei er selbst lächeln muss. Schließlich gibt es kaum einen Begriff, der im Tourismus derart strapaziert wird – meistens mit dem Ansinnen, den Geheimtipp möglichst bekannt zu machen.

Ein Geheimtipp für Wanderer

Fest steht, dass die Ardennen nicht überlaufen sind. Das Wort hat seine Wurzeln im Keltischen und bedeutet schlicht Hochland. Charakteristisch sind ausgedehnte Eichen- und Buchenwälder, mit denen es bewachsen ist. Das Klima ist oft rau, es gibt viel Regen und somit reichlich Wasser. Spa, bekannt als „Stadt der Wässer“ und als „Mutter aller Kurorte“, liegt in den östlichen Ardennen.

Dieses Plateau wird von Flussläufen durchzogen, die sich im Laufe der Jahrtausende an vielen Stellen schluchtartig ins Gestein gegraben haben. An den Hängen sind durch Erosion bizarre Formationen entstanden. Wie so etwas aussieht, zeigt uns Wanderführer Thomas bei einer Tour über knapp 14 Kilometer entlang der Wildbäche Ninglinspo und Chefna, die beide in die Amblève münden.

Immer wieder müssen wir in den engen Tälern die Seiten wechseln. Überall gurgelt und braust es, kommen kleine Wasserfälle die Flanken herab und bilden Becken, in denen man sogar baden kann. Obwohl die Sonne hoch am Himmel steht, müssen wir an den Felsen und auf den Holzstegen über den Bachläufen aufpassen. „Es wird hier unten nie ganz trocken“, sagt Thomas. Das ändert sich erst, als wir oben auf dem Plateau angelangt sind – begrüßt von ein paar mächtigen Pferden, Ardenner Kaltblütern. „Sie werden hier noch zum Rücken eingesetzt, ziehen also gefälltes Holz aus den Wäldern.“ Von uns lassen sich die Pferde nicht beim Grasen stören.

Entspannte Wanderung mit belgischem Bier

Unsere Wanderung in Bellevaux ist gemütlicher und mit zehn Kilometern Länge auch etwas kürzer. Beginn und Ende liegen bei Schuwers Brauerei, was die Sache anscheinend nicht nur für uns interessant macht. Auf den Parkplätzen stehen auffällig viele Fahrzeuge mit deutschen Kennzeichen. Wir müssen uns auf der Tour entlang der Flüsse Amblève und Warche nicht verausgaben.

Unterwegs genießen wir die Sonne und den Anblick einer friedlichen, von mit Hecken gesäumten Weiden und Wäldern geprägten sowie leicht hügeligen Landschaft. Höhepunkte sind die Felsen von Falize und von Warche, zwei Aussichtspunkte, von denen aus sich das gesamte Amblève-Becken überschauen lässt.

Der gebürtige Holländer William Schuwer war früher Apotheker und findet vielleicht deshalb, dass Bierbrauen und das Herstellen von Arzneien fast dasselbe sind. Vom Reinheitsgebot, das die deutschen Brauereien so hochhalten, hält er nichts. „Wir packen keine Chemikalien in unsere Biere, aber zum Beispiel Kräuter. Welcher gute Apotheker oder Koch würde denn freiwillig darauf verzichten?“, fragt Schuwer.

Wir geben ihm recht und müssen lächeln, als wir noch einmal einen genaueren Blick auf die Wanderkarte werfen. Die Routen in der Gegend von Bellevaux sind nach den Biersorten der Brauerei benannt  –  „Blanche“, „Blonde“, „Brune“ oder „Black“.