Overtourism: Norwegen will Touristensteuer einführen

Overtourism: Norwegen will Touristensteuer einführen

Island und Neuseeland haben es vorgemacht, nun will Norwegen nachziehen: Das Land plant die Einführung einer Touristensteuer. Damit sollen die negativen Folgen des Massentourismus bekämpft werden.

Ruhe und Natur pur? So entspannt ist es nicht überall in Norwegen. (Symbolfoto)
Ruhe und Natur pur? So entspannt ist es nicht überall in Norwegen. (Symbolfoto)

Foto: unsplash.com/Mikita Karasiou

Endlose Weite, unberührte Natur, Stille. Nur du und das Polarlicht. Klingt traumhaft, oder? Doch die Realität sieht auch in Norwegen inzwischen vielerorts anders aus. Denn: Skandinavien liegt total im Trend.

Airlines bieten Flug-Flatrates für den Sommer, Kreuzfahrtreedereien immer mehr Reisen in den Norden an. Und so stehen Dörfer teils riesigen Touristenhorden gegenüber.

Zwei Beispiele: Mehr als eine Million Touristen haben im vergangenen Jahr die Lofoten bereist – insgesamt leben auf der Inselgruppe nur 25.000 Menschen. Und die Gemeinde Nordkap hat nur 3.300 Einwohner, denen 2017 rund 400.000 Touristen gegenüberstanden, die das berühmte Nordkap-Plateau sehen wollten.

Overtourism in Norwegen: Touristensteuer gegen negative Folgen

Das bringt zwar viel Geld, doch die Ruhe vieler Orte wird gestört. Daher wird in Norwegen intensiv daran gearbeitet, den Overtourism zu bekämpfen. Aktuell diskutieren die bei Touristen beliebtesten Gemeinden des Landes – darunter Nordkap, Lofoten und Vestlandsfjord  – über die Einführung einer Touristensteuer. Das berichtet die linke Tageszeitung „Klassekampen“.

Mit dem Geld wollen die Gemeinden die negativen Folgen bekämpfen, die der Massentourismus mit sich bringt. Die Regierung will Umweltschutzmaßnahmen finanzieren.

„Wir wollen mit dem Geld etwa auch den Touristen den korrekten Umgang mit unserer Natur nahebringen, ihnen zum Beispiel erklären, wie man sich auf Weiden, wo Schafe frei herumlaufen, zu verhalten hat“, sagt Elisabeth Dreyer von Destinasjon Lofoten.

Außerdem soll die Infrastruktur verbessert werden. Dreyer: „Wir brauchen mehr Mittel für die Abfallentsorgung, mehr Toiletten und Picknickplätze.“

Spitzbergen erhebt bereits eine Touristensteuer

Eine norwegische Region erhebt bereits seit zehn Jahren von Besuchern eine Touristensteuer: Spitzbergen. Wer mit dem Schiff auf der arktischen Inselgruppe ankommt – meistens, um Eisbären zu beobachten – muss umgerechnet 15,50 Euro bezahlen.

Bislang hat Spitzbergen damit insgesamt umgerechnet rund 132 Millionen Euro eingenommen. Geld, das in Umweltprojekte floss – zum Beispiel wurden Strände von Plastikmüll befreit.

Norweger wehren sich gegen Kreuzfahrtboom

In Norwegen wehren sich außerdem etliche Menschen gegen den Kreuzfahrtboom und die damit einhergehende Umweltverschmutzung.

So protestiert zum Beispiel ein Mann nackt gegen vorbeifahrende Kreuzfahrtschiffe. Und die Stadt Bergen verbannt ab dem Jahr 2026 alle Kreuzfahrtschiffe, die nicht mit Strom oder Wasserstoff fahren.

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