Urlaub im Wohnmobil. Das ist totale Freiheit. Das ist günstig, weil Camping doch so billig ist. Alles Blödsinn! Nach einer dreiwöchigen Tour bin ich schlauer. Ein paar Illusionen musste ich schon nach wenigen Tagen beerdigen...
 
Aber besser erzähle ich die Geschichte wohl von vorn.
 
Ich bin 20 Jahre alt, als ich in einem winzigen Zweimannzelt auf Borkum liege. Es regnet. Seit Tagen. Der Schlafsack ist feucht, die Klamotten klamm. Ich habe Hunger. Aber Ravioli aus der Dose kriege ich nicht mehr runter. In der Sekunde, als ein Wassertropfen vom undichten Zeltdach fällt und auf meiner Nase zerplatzt, fasse ich einen Beschluss: Das wars! Nie mehr Campingplatz. Nie mehr Campingkocher. Nie mehr eklige Sanitärräume. Dafür bin ich zu alt. Fertig, aus, vorbei. Am nächsten Morgen reise ich wirklich ab – und bleibe meinem Camping-Hass treu. 27 Jahre lang. Bis zu diesem Sommer.
 
Gegen die Übermacht von zwei Kindern und einer Frau kommt Mann nicht an. Familienväter wissen, was ich meine. Wochen-, nein monatelang haben sie auf mich eingeredet. „Papa, wir wollen mit dem Wohnmobil in Urlaub fahren, bitte bitte...“ Irgendwann zerbröselt mein Widerstand unter dem Druck gnadenlos blauer Kinderaugen. Also gut, dann mieten wir eben ein Wohnmobil.

Wohnmobil: Worauf du wirklich achten solltest

Aber wenn ich mich schon breitschlagen lasse, dann will ich es zumindest so luxuriös wie möglich haben. Groß, gut ausgestattet, Satellitenschüssel auf dem Dach. Daran denke ich. Heute weiß ich, worauf es wirklich ankommt: Ein Wohnmobil kann gar nicht geräumig sein. Selbst ein Monstertruck bietet weniger Platz als ein winziges Hotelzimmer. Da kommt es auf einen Quadratmeter mehr oder weniger nicht an. Viel wichtiger: Wie groß ist der Aufwand des „Betten-Bauens“? Nichts nervt unterwegs mehr als eine Sitzecke „mit wenigen Handgriffen“ (Das behaupten sie alle!) in ein Doppelbett umbauen zu müssen. Achtet also darauf, wie anstrengend die Umbauerei wirklich ist. Nichts geht über feste Schlafplätze – ganz ohne Handgriffe.
 
Unser Modell hat davon vier. Gute Wahl. Das Geschoss, das ich miete, ist mehr als sieben Meter lang. Fahrradträger, Klimaanlage, Fernseher, Markise – alles an Bord. Dann muss ich wohl auch einen klitzekleinen Nachteil in Kauf nehmen. Unser „Wohni“, wie die Kids das Haus auf Rädern schon bei der Besichtigung taufen, kostet in den Sommerferien 169 Euro – pro Tag! Dazu kommt eine einmalige „Servicepauschale“ von 140 Euro. Und natürlich müssen wir eine Kaution hinterlegen. 1500 Euro! Wir sind also mehr als 5000 Euro los und noch keinen Kilometer gefahren.

Mieten: Dieser Tipp kann viel Geld wert sein

Trotzdem solltet ihr genau zu diesem Zeitpunkt einen wichtigen Tipp beachten, auch wenn er erst einmal noch ein paar Euro extra kosten kann: Lest die Versicherungsbedingungen genau! Fast immer ist dort für Diebstahl und Unfall eine Selbstbeteiligung von 1500 Euro vorgesehen. Dabei musst du wissen: Schon ein kleiner Parkrempler oder ein Kratzer im Lack werden bei einem Wohnmobil sehr schnell sehr teuer. Du bist die Ausmaße des Wagens nicht gewöhnt, die Straßen in Südeuropa sind sehr eng ... Es passiert so leicht. Mein Vermieter sagt es mir ganz offen: „Jeder Zweite kommt mit einem Schaden zurück.“
 
Bei uns ist es ein winziger Steinschlag auf der Frontscheibe. Reparaturkosten: rund 1700 Euro. Zum Glück hatten wir vor der Reise eine Selbstbehalt-Reduzierungs-Versicherung (auch bekannt unter dem Kürzel CDW, steht für: „Collision Damage Waiver“) abgeschlossen. Die kostet rund fünf Euro am Tag, senkt die Selbstbeteiligung auf 250 Euro und ist wirklich zu empfehlen. Infos gibt es zum Beispiel hier.

Campingplätze: Das Ende der großen Freiheit

Das Mobil ist also ausgewählt, der Termin steht. Bevor es losgeht, denken wir über die Route nach. Zu viel Planung verbieten wir uns aber. Wir wollen ja schließlich Freiheit und Unabhängigkeit genießen. Warum sonst Wohnmobil?! Über Paris soll es durch Frankreich, Italien und die Schweiz gehen. Nur so zum Spaß schaue ich mir Internetseiten empfohlener Campingplätze an – und stoße immer wieder auf einen beängstigenden Hinweis: „Ausgebucht bis Ende September!“.
 
Schnell wird klar: Wer nicht an der Stellplatz-Resterampe enden will, muss reservieren. Vor allem in der Hauptsaison. Ich will es schließlich nett haben. Also pfeife ich auf die große Freiheit (die am Ende wohl ewiges Suchen bedeuten würde) und buche uns zumindest für einige Nächte auf besonders schicken Campingplätzen ein.
 
Wieder treiben die Preise mir dabei Falten auf die Stirn. Zwar kostet der Platz offiziell meist „nur“ zwischen 30 und 40 Euro. Dazu summieren sich aber Gebühren für Strom, Wasser, Kurtaxe und Bearbeitung auf rund 80 Euro. Allein für die Reservierung werden gern schon mal 25 Euro veranschlagt.

Stellplätze: Günstig – aber trostlos!

Wir suchen uns eine Packliste, räumen ein und fahren los. Am ersten Tag schaffen wir es bis nach Belgien. Als es dunkel wird, finden wir im Stellplatzführer ein günstiges Fleckchen für die Nacht. Wir biegen von der Autobahn ab, fahren eine halbe Stunde durch die belgische Dunkelheit und enden – im Nichts. Ein Parkplatz auf einer Industriebrache. Trostlos, gähnend leer. Am Rand der Einsamkeit stehen Automaten, in die wir zehn Euro einwerfen, um uns mit Strom und Wasser zu versorgen. Wir sind zu müde, um nach einer Alternative zu suchen.
 
Am Morgen danach will ich hier nur noch weg. Zurück in die Zivilisation. Und schon wieder mit einem Beschluss im Gepäck: Stellplätze mögen günstig sein, es mag sie auch in hübsch geben, aber meine Vorstellung von Urlaub ist eine andere. Ich will Leben, Restaurants, gerne auch einen Pool. Der Stellplatzführer landet im Handschuhfach. Und da bleibt er auch.

Bis zu 1.500 Euro Bußgeld für „Wildes Camping

Wer jetzt fragt, warum wir nicht einfach irgendwo anhalten, wo es schön ist und dort dann auch übernachten, dem hilft ein Blick in die Gesetzbücher. „Wildes Camping“ steht fast überall in Europa unter Strafe. In Belgien, Frankreich und Italien drohen Bußgelder zwischen 300 und 1.500 Euro. Wir durften beobachten, dass die Polizei da keinen Spaß kennt – und haben es lieber gelassen.
 
Unser nächstes Ziel heißt Paris. Auch davor haben uns viele gewarnt. Mit einem Sieben-Meter-Mobil durch den irren Verkehr der französischen Hauptstadt – das ist doch Wahnsinn. Ich ignoriere die Bedenken. Und behalte Recht. Das Wohnmobil fährt sich erstaunlich wendig und wer das Fahren in der Großstadt gewöhnt ist, kommt auch hier ohne Angstschweiß durch.
 
Unser Ziel, der Indigo-Campingplatz, liegt zentral im Bois de Boulogne und ist ein echter Geheimtipp. Wir parken direkt am Ufer der Seine, von hier braucht es mit öffentlichen Verkehrsmitteln nur rund 15 Minuten bis zu den Champs-Elysées. 

Geheimtipps: Die schönsten Campingplätze

Generell zeigt sich, dass das Informieren im Netz lohnt. Und das Reservieren sowieso. Wir übernachten auf wunderschönen Anlagen, die manch Fünf-Sterne-Hotel in den Schatten stellen. Mein Favorit ist „Camping La Baume“ in Fréjus am französischen Mittelmeer mit seiner palmengesäumten Poolanlage. Ein Traum!
 

Selten von Deutschen angesteuert wird die Ardèche-Region. Ein Fehler! Der Naturpark ist überwältigend schön, Kanu-Touren auf dem Fluss ein Riesen-Spaß und der „Camping Nature Parc“ eine echte Empfehlung.

Ufer der Ardèche in Frankreich
Die Ardèche ist ein Paradies für Wassersportler. Foto: pixabay.com/Unsplash
Und auch für Italien habe ich noch einen Tipp. Gardasee kann jeder. Weniger überlaufen und mindestens genauso schön gelegen ist der Lago Maggiore. Im „Camping Village Conca D’Oro“ wohnen wir direkt am Strand. Nur zehn Schritte sind es bis ins Wasser. Und: In keinem anderen Campingplatz-Restaurant haben wir für wenig Geld so gut gegessen!  
Lago Maggiore bei Nacht.
Der Lago Maggiore, eine zauberhafte Alternative zum Gardasee. Foto: pixabay

Camping – die ganze Wahrheit

Ok, ich gebe es zu, Camping ist manchmal gar nicht so übel. Das Bedienen von Gasherd, Dusche und Satelliten-Fernseher ist nach kurzer Einweisung kein Problem. Auf- und Abbau schaffen wir mit ein bisschen Erfahrung in wenigen Minuten.
Wohnmobil am Lago Maggiore.
Schon nach wenigen Tagen schaffen wir den Aufbau in wenigen Minuten. Foto: Heun
Gutes Wetter ist allerdings Pflicht. Ohne den Platz vor dem Wohnmobil als Wohnzimmer wird es sehr schnell sehr eng – und mit vier Personen changiert die Luft im Wagen dann auch binnen Stunden Richtung Pumakäfig.  
 
Beim Stichwort Geruch kommen wir zwangsläufig zur Toilette an Bord. Das ist ein Thema für sich. Zwar verhindert moderne Technik, dass es an Bord stinkt. Das Problem ist aber, um es so höflich wie möglich zu formulieren: Alles, was in den Behälter rein kommt, muss auch wieder raus. Ich empfinde das Entleeren und Ausspülen der Toilette als extrem eklig. Deshalb haben wir das Klo schon ab Tag drei nur noch im Notfall benutzt. Glücklicherweise sind Sanitärhäuser auf Campingplätzen heute lange nicht mehr so widerlich wie noch vor 27 Jahren.
 
Wer mehr als 80 Kilo wiegt, hat ein weiteres Problem: Selbst Luxus-Wohnmobile sind standardmäßig mit sehr dünnen Matratzen ausgestattet. Mein Rücken bedankte sich nach drei Wochen schmerzhaft für das Durchliegen auf die Holzunterlage. Fragt euren Vermieter nach einer dickeren Matratze. Die gibt es nämlich.

Fahren toll, Anhalten schwierig

Ein riesiger Vorteil des Wohnmobils: Lange Reisen fallen Kindern deutlich leichter als im Auto. Da es verboten ist, haben wir unseren Kids selbstverständlich nicht erlaubt, während der Fahrt im Bett zu liegen, zum Kühlschrank oder zur Toilette zu gehen. Sollten sie es trotzdem getan haben, war das ein bedauerliches Versehen. Am Tisch spielen oder essen zu können, hilft aber schon sehr, das Gemaule in Grenzen zu halten.
 
Mal eben anhalten und die Aussicht genießen: Das funktioniert im Wohnmobil-Prospekt und in der Provinz, aber versuchen sie das mal in Monaco, Nizza oder Saint-Tropez. Wie gerne hätten wir schnell einen Spaziergang durch die mondänen Yachthäfen gemacht. Keine Chance. Kein Parkplatz. Schon wenn wir nur kurz am Straßenrand stoppen, vertreiben uns uniformierte Security-Männer binnen Sekunden mit wild fuchtelnden Armen. Wir parken also außerhalb, nehmen den Bus. Freiheit kann manchmal ganz schön kompliziert sein.
Die Promenade des Anglais in Nizza
Auch in Nizza sind spontane Stopps unmöglich. Foto: pixabay.com

Das Putzen vertreibt einen Teil der Erholung

Nach drei Wochen kommen wir wieder in Deutschland an. Natürlich auf die letzte Minute. Wer will bei der teuren Miete schon Zeit vergeuden. Ich muss einräumen, dass es auch mir Spaß gemacht hat. Ehe wir das Wohnmobil zurückgeben, müssen wir es innen aber gründlich reinigen. Das dauert – und nervt. Die Reinigungspauschale in Höhe von 300 Euro (!) ist uns als Alternative aber entschieden zu teuer. Also wienern wir zu zweit drei Stunden lang. Danach brauche ich Urlaub...
 
Würdest du es noch mal machen? Das fragen mich Freunde nach der Tour. Ich muss nachdenken, ehe ich antworte: Ja. Aber ich vergesse nicht, dass Wohnmobil-Miete, Stellplatz-Gebühren, Benzin und Autobahn-Maut diese Reise richtig teuer gemacht haben. Nächstes Mal vergleiche ich vorher sehr genau, ob ich für den gleichen Preis nicht auch einen Luxus-Urlaub in der Karibik bekomme...