Gestrandet: Dieser Syrer lebte 7 Monate am Flughafen

Gestrandet: Dieser Mann lebte 7 Monate am Flughafen

Der Syrer Hassan al-Kontar lebte mehrere Monate in der Transitzone eines Flughafens. Nun ist der 37-Jährige endlich in Freiheit. Wie er dort seine ersten Tage verbracht hat, erzählt der reisereporter.

Der Syrer Hassan al-Kontar (37) musste sieben Monate lang in der Transitzone eines malaysischen Flughafens leben.
Der Syrer Hassan al-Kontar (37) musste sieben Monate lang in der Transitzone eines malaysischen Flughafens leben.

Foto: Twitter.com/Hassan al-Kontar (Screenshot)

Hassan al-Kontar hat in der Realität das durchgemacht, was Tom Hanks im Film „Terminal“ erlebte. Er strandete am Flughafen Kuala Lumpur und musste in der Transitzone leben – sieben Monate lang. Der syrische Flüchtling hatte kein Visum und wäre in seine Heimat abgeschoben worden, wenn er den Transitbereich verlassen hätte. 

Syrer lebt in der Flughafen-Transitzone und teilt Erlebnisse im Netz

Die Geschichte des Syrers ging um die Welt, denn er berichtete von seinem Leben am Flughafen in einem Videotagebuch auf Twitter und Instagram. Er postete Versuche, sich selbst die Haare zu schneiden. Er berichtete von Heiratsanträgen – die er aus Visa-Gründen nicht annehmen durfte. Er zeigte, wie er sich Tiere häkelte zur Gesellschaft. Er machte bei der Keke-Challenge mit. Und er sprach über absolute Tiefpunkte.

Er war gefangen im Teil des Flughafens ohne Läden und Restaurants. Daher blieb ihm nichts anderes übrig, als unter den Treppen oder auf Stühlen zu schlafen, sich in einem kaputten WC zu waschen und auf gespendetes Essen zu hoffen.

Nach zwei Monaten Funkstille meldete er sich am Montag in einem Video zurück. Mit guten Nachrichten: Er ist frei. Sein Bart ist wuschelig, die schwarzen Haare sind inzwischen lang und gelockt. „Sorry, dass ich aussehe wie jemand aus dem Mittelalter“, beginnt er seine Videobotschaft und grinst.

Hassan ist inzwischen in Kanada angekommen. Der Weg dorthin war nicht leicht: Nach sieben Monaten im Flughafen wurde Hassan im Oktober verhaftet und verbrachte weitere zwei Monate in einem Auffanglager. 

Nach dem Flughafenleben: Gestrandeter freut sich auf Zukunft in Kanada

Über die Zeit dort möchte er nicht sprechen. „Das ist nicht wichtig. Wichtig ist jetzt das Heute und das Morgen, die Gegenwart und die Zukunft“, sagt er im Video. „Heute sitze ich am Taiwan International Airport, morgen werde ich mein Ziel erreichen: Vancouver in Kanada.“ An seine Unterstützer schickt er die Worte: „Danke an euch alle. Ich liebe euch.“ 

Die letzten acht Jahre seien eine schwierige Reise gewesen, die vergangenen zehn Monate sehr hart. Hassans Albtraum begann im Februar 2018: Er wollte von Kuala Lumpur in Malaysia nach Ecuador reisen. Er hoffte, dort ohne Visum einreisen zu können. Doch im letzten Moment sei er vom Turkish-Airlines-Flug ausgeschlossen worden, erzählte er in einem früheren Video. 

In Malaysia lebte Hassan gut ein Jahr lang, vorher hatte er in den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) gearbeitet. „Wegen des Syrien-Konfliktes habe ich dann beides verloren, meine Arbeitserlaubnis und meinen Job. Seitdem bin ich auf der Flucht.“ Im Januar 2017 wurde er aus den Vereinigten Arabischen Emiraten nach Malaysia abgeschoben, weil es „eines der wenigen Länder der Welt ist, das Syrern wie mir Visa bei der Ankunft anbietet“.

Doch nach dem Dilemma mit dem Turkish-Airlines-Flug war offenbar sein Touristenvisum für Malaysia ausgelaufen. Er musste nach eigenen Angaben eine Geldstrafe bezahlen und sei auf „die schwarze Liste“ gesetzt worden. Damit sei es ihm verboten gewesen, den Flughafen zu verlassen.

„Ich wurde in Malaysia als illegal betrachtet, daher wollte ich weiter nach Kambodscha fliegen“, so Hassan. Von dort aus wollte er nach ein paar Tagen Aufenthalt weiter nach Ecuador. „Aber sie beschlagnahmten meinen Reisepass bei der Ankunft.“

Warum dieser weitere Rückschlag? Syrer können bei der Ankunft in Kambodscha zwar ein Visum bekommen. Sie werden jedoch zurückgewiesen, wenn sie die „Anforderungen“ der Regierung nicht erfüllen. Hassan wurde zurück nach Kuala Lumpur geschickt. Und dort hing er seit dem 7. März 2018 in der Transitzone fest. Er fand viele Unterstützer, es wurde sogar eine Onlinepetition eingerichtet, um dem Syrer ein legales Leben in Kanada zu ermöglichen.

So verbringt der Syrer seine ersten Tage in Kanada

Dort ist er nun angekommen, sein persönliches Happy End. Freunde holten ihn vom Flughafen ab. Was er nun machen will? „Die frische Luft genießen und einfach auf den Straßen herumlaufen, so viel es geht. Ich dusche heiß und trinke Kaffee mit Freunden“, sagte er dem Sender „CNN“.

Er könne noch immer nicht ganz glauben, dass er tatsächlich frei sei. „Vor lauter Aufregung kann ich nicht schlafen“, so Hassan. Er habe bereits einen Job in einem Hotel sicher. Den will er antreten, sobald er sich erholt habe. Er sagt: „Mir wurde bewusst, dass das wirkliche Leben manchmal wunderbarer ist als die Träume von diesem Leben.“

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