Verbotene Insel: Tagebuch des getöteten US-Touristen aufgetaucht

Verbotene Insel: Die letzten Zeilen des Touristen

North Sentinel Island ist Sperrgebiet. Ein 27-jähriger US-Tourist fuhr trotz des Verbotes auf die Insel – und wurde von Ureinwohnern mit Pfeilen erschossen. Jetzt ist das Tagebuch des Mannes aufgetaucht.

Die Ureinwohner von North Sentinel Island verteidigen ihre Isolation mit Pfeil und Bogen.
Die Ureinwohner von North Sentinel Island verteidigen ihre Isolation mit Pfeil und Bogen.

Foto: Youtube.com/Doc Facts (Screenshot)

Die Ureinwohner einer Andamanen-Insel haben einen 27-jährigen US-Touristen mit Pfeilen getötet. John C. hatte trotz eines offiziellen Verbotes die Insel betreten wollen.

Kurz vor seiner Reise zu der Insel hatte John Tagebuch geschrieben. 13 Seiten, beschrieben mit Bleistift und Kugelschreiber, die er bei Fischern hinterließ. Es offenbart das Bild eines jungen Mannes, der offenbar davon besessen war, die Sentinelesen zum Christentum zu bekehren.

Der 27-Jährige betrachtete seine Reise als Gottes Auftrag: „Herr, ist die Insel Satans letzte Festung, in der niemand deinen Namen gehört hat oder nicht einmal die Chance hatte, ihn zu hören?“ – es sind einige der letzten Zeilen, die John in sein Tagebuch schrieb, das die Mutter des Amerikaners der „Washington Post“ überreichte.

Das verrät das Tagebuch des erschossenen US-Urlaubers

John war sich der Gefahr bewusst, der er sich aussetzen würde. „Ich denke, ich könnte lebendig nützlicher sein… Aber dir, Gott, erweise ich die ganze Ehre, was immer auch passiert.“ 

Auch, dass er North Sentinel Island nicht betreten darf, wusste John. Die Insel ist offiziell Sperrgebiet – allein für Fotos der Sentinelesen drohen in Indien bis zu drei Jahre Haft.

Doch das interessierte den Mann offenbar nicht, er unternahm mehrere Manöver, um den indischen Behörden zu entkommen, mit Erfolg, wie er schrieb: „Gott selbst verbarg uns vor der Küstenwache und Patrouillien.“

US-Tourist war schon mehrmals auf den Andamanen

Doch da war auch Angst: „Gott, ich will nicht sterben.“ Er bat Gott in dem Eintrag auch darum, „jedem der Menschen auf dieser Insel zu vergeben, die versuchen, mich zu töten, vor allem, wenn es ihnen gelingt.“

John reiste jahrelang um die Welt, erlebte beim Wandern und Kajakfahren zahlreiche Abenteuer, die er auf Instagram teilte. Auch auf den Andamanen war er bereits mehrfach unterwegs gewesen.

Die Sentinelesen schützen ihre Isolation mit Gewalt und reagieren extrem aggressiv auf Fremde. Das sichert dem Volk das Überleben, denn durch ihre Abgeschiedenheit haben sie keine Abwehrkräfte gegen bestimmte Krankheiten entwickelt.

Die Leiche des Amerikaners liegt nach wie vor am Strand, es ist unklar, ob und wie sie geborgen werden kann. Einige Polizisten waren am Samstag mit Booten bis auf 400 Meter an die Insel herangefahren. Doch am Strand stellten sich auch ihnen bewaffnete Ureinwohner entgegen. Die Polizisten drehten ab, um eine Konfrontation zu vermeiden.

Wer sind die Sentinelesen eigentlich?

Das Volk der Sentinelesen soll aus gerade einmal 150 Menschen bestehen. Sie leben seit rund 60.000 Jahren auf der Andamanen-Insel North Sentinel Island im Indischen Ozean. Die Ureinwohner sind Jäger und Sammler und können möglicherweise nur bis zwei zählen. Viel mehr ist nicht bekannt, so ist zum Beispiel unklar, ob sie einer Religion angehören oder ob sie Feuer machen können.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite