Urlauber auf Andamanen erschossen: Ureinwohner vertreiben Polizei

Urlauber erschossen: Ureinwohner vertreiben Polizisten

Die Ureinwohner einer Andamaneninsel haben einen US-Touristen mit Pfeilen getötet. Nun haben sich indische Polizisten der Insel mit Booten genähert – doch auch ihnen stellten sich Bewaffnete entgegen.

Die Sentinelesen verteidigen ihre Isolation mit Pfeil und Bogen.
Die Sentinelesen verteidigen ihre Isolation mit Pfeil und Bogen.

Foto: Youtube.com/Doc Facts (Screenshot)

North Sentinal Island ist eine verbotene Zone – kein Urlauber (und auch sonst niemand) darf die Insel betreten. Die Ureinwohner verteidigen ihre Isolation mit Pfeil und Bogen. Der US-Tourist John C. wollte trotzdem auf die Insel – seinen Leichtsinn bezahlte der 27-Jährige mit seinem Leben. Die Ureinwohner erschossen ihn mit Pfeilen

North Sentinel Island: Polizei will Leiche des US-Touristen bergen

Der Körper des Mannes liegt nach wie vor am Strand von North Sentinal Island. Die lokale Polizei wollte ihn von der Insel holen, doch das ließen die Sentinelesen nicht zu. Als die Beamten am Samstag mit Booten zur Insel fuhren, wurden sie von Männern des Inselvolks beobachtet. Als die Polizisten noch etwa 400 Meter von der Insel entfernt waren, stoppten sie die Boote.

„Sie haben uns angestarrt und wir haben sie angeschaut“, sagte der Polizeichef der Andamanen, Dependra Pathak, gegenüber „India Today“. Die Männer hätten an derselben Stelle gestanden, an der sie vor gut einer Woche den US-Touristen töteten – die Polizisten kehrten um.

Urlauber will auf Andamanen und wird mit Pfeilen getötet

Der Mann hatte lokale Fischer bestochen, die ihn in die Nähe der Insel brachten. John wollte offenbar das Volk zum Christentum bekehren. Das letzte Stück fuhr er allein im Kanu und soll den Sentinelesen zugerufen haben: „Mein Name ist John. Ich liebe euch und Jesus liebt euch.“

Doch sobald er sich der Insel näherte, schossen sie auf ihn. „Er wurde mit Pfeilen attackiert, ging aber weiter“, sagte ein lokaler Behördenvertreter. Die Fischer wollen gesehen haben, dass die Ureinwohner die Leiche am Strand vergruben.

John reiste viel um die Welt, Bilder von seinen Trekking- oder Kanutouren postete er auf Instagram. Dort hat seine Familie jetzt eine Art Nachruf veröffentlicht. Sie schreibt unter anderem, dass der Mann „nichts als Liebe für die Sentinelesen“ gefühlt habe. Sie vergebe den Tätern, so die Familie weiter.

Toter Urlauber auf Andamanen: Ermittlungen sind kompliziert

Die Ermittlungen, die wegen des Mordes gegen „unbekannte Stammesmitglieder“ aufgenommen wurden, bezeichnete Polizeichef Pathak auf Twitter als die „herausfordernsten aller Zeiten“.

Er habe Anthropologen, Psychologen und Locals kontaktiert, um die Sentinelesen besser zu verstehen und zu entscheiden, wie die Polizei nun weiter vorgeht. 

Die Sentinelesen attackieren jeden, der sich der Insel nähert, zuletzt waren im Jahr 2006 zwei Fischer getötet worden. Eine Woche später waren ihre Leichen an der Küste auf Bambusstäben aufgespießt worden. „Es wirkte wie eine Vogelscheuche“, sagte Pathak.

Ureinwohner der Andamanen: Wer sind die Sentinelesen?

Das Volk der Sentinelesen soll aus gerade einmal 150 Menschen bestehen. Sie leben seit Jahrhunderten völlig isoliert in einem offiziell geschützten Gebiet der Andamanen-Inselgruppe im Indischen Ozean. 

Vishvajit Pandya ist Ethnologe und hat North Sentinel Island einmal betreten. Er erzählte der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, dass er ein Volk von Jägern und Sammlern getroffen habe. Statt in Häusern schlafen sie offenbar in Unterständen. „Sie scheinen nur bis zwei zu zählen und größere Mengenverhältnisse anders zu beschreiben“, so der Ethnologe. Viel mehr wisse man nicht über das Volk.

„Wir wissen zum Beispiel nicht, ob die Sentinelesen das Feuermachen beherrschen“, so Pandya. Und auch ob sie religiös sind, ist nicht bekannt. 

Sentinelesen überlebten den Tsunami im Jahr 2004

Die indische Regierung habe bis Mitte der 90er-Jahre mehrfach versucht, die Sentinelesen in die moderne Gesellschaft zu integrieren und sie zum Beispiel zu Bauern zu machen. Geschenke wurden unterschiedlich behandelt. Säcke voller Kokosnüsse etwa wurden angenommen, andere Dinge wie eine Puppe oder ein Schwein wurden mit Pfeilen beschossen und vergraben.

Die Sentinelesen überlebten im Jahr 2004 den verheerenden Tsunami in der Region. Sie attackierten die Helikopterbesatzung, die dort nach Überlebenden suchte, mit Pfeilen. Vermutlich durch ihre Naturnähe hatten die Ureinwohner die Katastrophe erwartet.

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