Deutsche Bahn: Nur jeder fünfte ICE ohne Probleme

Deutsche Bahn: Nur jeder fünfte ICE ohne Probleme

Klo kaputt, Klimaanlage kaputt, Reservierungsanzeige kaputt: Nur jeder fünfte ICE ist „vollständig funktionsfähig“, wie interne Dokumente der Deutschen Bahn zeigen. Die kaputten Züge fahren trotzdem.

Klimaanlage kaputt: Kein Grund, den Zug stehenzulassen.
Klimaanlage kaputt: Kein Grund, den Zug stehen zu lassen.

Foto: imago/Ralph Peters

Nur 20 Prozent aller ICE sind „vollständig funktionsfähig“, berichtet das ARD-Magazin „Kontraste“. Das gehe aus internen Dokumenten des DB-Aufsichtsrates hervor. 

Zwar werden seit dem Jahr 2016 mehr Schäden an Zügen behoben – die Steigerung betrage sogar 45 Prozent. Bringt aber nichts, denn im gleichen Zeitraum kamen mehr ICE-Züge mit Schäden in die Werkstatt. 

ICE fahren verspätet in Werkstatt und verlassen sie mit Mängeln wieder

Das führte dazu, dass die Anzahl der ICE, welche die Werkstatt mit Mängeln wieder verließen, sogar um 17 Prozent anstieg. Warum ist das so? Stichwort: Verspätung.

Und zwar nicht im normalen Bahnbetrieb (da ist jeder vierte Zug nicht pünktlich), sondern bei der Fahrt zur Werkstatt. Auch im Instandhaltungswerk kommen viele ICE verspätet an, damit wird die Werkstattzeit knapper.

Kaputte Toiletten und Klimaanlagen im ICE werden nicht repariert

Repariert wird nur noch, was sicherheitsrelevant ist, alles andere bleibt auf der Strecke. Und da weder kaputte Toiletten noch defekte Klimaanlagen, Kaffeemaschinen oder Platzreservierungsanzeigen sicherheitsrelevant sind, fahren manchmal tagelang dieselben ICE mit denselben Problemen durch Deutschland.

Ein Teufelskreis, denn die kleinen Fehler summieren sich über den Tag zu immer großeren Verspätungen. 

Einen großen Teil trägt die „umgekehrte Wagenreihung“ dazu bei. Klingelt’s? Bei diesem Phänomen kommt es oft zu Chaos am Bahnsteig, die Passagiere rennen von A nach D oder von E nach B, weil der Wagen 13 nun am anderen Ende des Gleises steht. Die Folge: Das Einsteigen verzögert sich – und zwar an jedem Bahnhof – und es kommt zu Verspätungen.

Die Deutsche Bahn hat zu wenig Lokführer

Warum Züge überhaupt mit der falschen Wagenreihung fahren, hat mit einem zweiten Problem zu tun: Personalmangel. Es gibt zu wenig Lokführer, Instandhaltungskräfte und IT-Spezialisten.

Insgesamt fehlen der Deutschen Bahn aktuell rund 5.800 Mitarbeiter im „betriebskritischen Bereich“, der direkt für den Zugverkehr zuständig ist. 

Jeder vierte Zug ist verspätet.
Jeder vierte Zug ist verspätet. Foto: imago/Ralph Peters

Bei der „Wagenreihung“ führe das zu einem enormen Problem, berichtet „Kontraste“. Zugbegleiter sagten, dass die „Nachtbereitschaften“ auf den Bahnhöfen nicht ausreichend besetzt seien. Es gebe keinen Bereitschaftslokführer, der nachts mit dem ICE die nötige Drehfahrt macht, damit die Wagen am nächsten Morgen richtig herum stehen.

Die Deutsche Bahn erreicht ihr Pünktlichkeitsziel nicht

Die Konsequenz: Das selbst gesetzte Pünktlichkeitsziel wurde vorerst verworfen. Wie aus den Dokumenten hervorgeht, soll die Pünktlichkeitsquote von 82 Prozent nicht mehr in diesem Jahr, sondern erst 2025 erreicht werden. Aktuell sind nur 73 Prozent der Züge pünktlich.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite