Magen-Darm-Virus auf Kreuzfahrt: 7 Aida-Schiffe betroffen

Durchfall auf Kreuzfahrt: 7 Aida-Schiffe betroffen

„Aida Blu“, „Aida Stella“, „Aida Luna“, „Aida Perla“, „Aida Sol“, „Aida Prima“ und „Aida Mar“: Seit August 2018 grassieren auf mindestens sieben Aida-Kreuzfahrtschiffen Magen-Darm-Viren. Eine Chronologie.

Die „Aida Mar“ ist eines von mindestens sieben Kreuzfahrtschiffen von Aida, auf denen es Magen-Darm-Probleme gab. (Fotomontage)
Die „Aida Mar“ ist eines von mindestens sieben Kreuzfahrtschiffen von Aida, auf denen es Magen-Darm-Probleme gab. (Fotomontage)

Foto: imago/Rüdiger Wölk

Erst gab es 300 Norovirus-Erkrankte auf der „Aida Prima“, zeitgleich Durchfallalarm auf der „Aida Sol“, zuletzt erkrankte Kreuzfahrer auf der „Aida Mar“ und der „Aida Blu“. Nach der Berichterstattung über die Magen-Darm-Infektionen auf Kreuzfahrtschiffen von Aida melden sich immer mehr Betroffene bei uns.

Immer mehr Fälle: Hat Aida ein Novovirus-Problem?

Hat Aida ein Norovirus-Problem? Das lässt sich zumindest nach den Schilderungen der betroffenen Urlauber vermuten. Denn: Auf mindestens sieben Aida-Kreuzfahrtschiffen gab es Probleme mit Magen-Darm-Infekten – in den vergangenen vier Monaten. Eine Chronologie.

Durchfall auf der „Aida Blu“

Von unzumutbaren Zuständen auf der „Aida Blu“ berichtet eine Passagierin, die anonym bleiben möchte. Auf der Reise vom 5. bis 12. August mit Start in Venedig seien so viele Menschen an einem Magen-Darm-Virus erkrankt gewesen, dass die Plätze im Bordkrankenhaus nicht ausgereicht hätten. „Es wurden Liegen vom Pool geholt und diese vor dem Hospital bis zum Aufzug im Gang aufgestellt“, berichtet die Frau.

Sie hatte die Kreuzfahrt gemeinsam mit einer Freundin gemacht, Kosten pro Person: gut 1.200 Euro. Bereits der Start sei holprig verlaufen. „Wir durften erst Stunden zu spät aufs Schiff. Als wir mit dem Bus vom Flughafen abgeholt wurden, sagte man uns, dass das Schiff aufgrund von Magen-Darm-Erkrankungen auf der vorherigen Reise gründlich desinfiziert werden müsse.“

Doch geholfen habe das nicht, so die Passagierin: „Meine Freundin bekam nach zwei Tagen heftigen Durchfall, dabei war sie nur bei uns in der Kabine aufs Klo gegangen und hatte sich regelmäßig die Hände desinfiziert.“ Die beiden Frauen arbeiten im Krankenhaus, da sei das Achten auf Hygiene für sie auch im Privatleben selbstverständlich.

Die Freundin sei stundenlang im Krankenhaus gewesen und danach in Quarantäne auf dem Zimmer. Aus den Restaurants seien die Tischdecken, Besteck und Tassen verschwunden. Und zu allem Übel hätten sie am Abreisetag bereits um 9 Uhr von Bord sein müssen – „weil wieder desinfiziert wurde“. Die Passagierin ist sauer: „Da zahlt man einen Haufen Geld und kann dann die Reise nicht mal genießen. Und wir warten bis heute auf eine Stellungnahme von Aida.“

Ähnliches erlebte Manuela mit ihrer Famlie auf ihrer Kreuzfahrt mit der „Aida Blu“ vom 28. Oktober bis zum 4. November.

Magen-Darm-Infekt auf der „Aida Stella“

„Unsere Reise war wunderbar“, berichtet uns eine Reisende, die ebenfalls anonym bleiben möchte. Aber: „Bis mich ein Infekt plattgemacht hat.“ Auch ihr Mann steckte sich Anfang August mit einem Magen-Darm-Virus an, die Restaurants waren bereits Tage zuvor „verdächtig leer“. Am selben Tag wurden die Tische im Restaurant leer geräumt, es habe eine „Grundreinigung“ gegeben.

„Versuchskaninchen“ auf der „Aida Luna“

Raimund war vom 18. bis 25. August mit seiner Frau auf der „Aida Luna“ unterwegs. Aufgrund einer Desinfektion des Schiffs durften sie in Kiel er später an Bord, berichtet er. Aber: „Leider hat das nichts genutzt. Meine Frau bekam nach nur einer Nacht heftigste Magen-Darm-Probleme“, sagt er.

Seine Frau kam ins Krankenhaus auf dem Schiff, bekam dort eine Infusion und musste in Quarantäne aufs Zimmer. „Von wegen hohe Standards an Bord! Nachdem ich gesehen habe, wie das Desinfektionsteam gearbeitet hat, ist es logisch, dass es an Bord von Aida zu Kontaminationsverschleppungen kommt“, urteilt Raimund.

Er ist enttäuscht: „Was sie gut können, ist die Hospitalrechnung auf dem Bordkonto zu verbuchen. Die Rechnungen waren fast jedes mal schon nach zehn Minuten auf der Kabine. Insgesamt 400 Euro – aber kein Wort der Entschuldigung!“

Nach ihrem Urlaub („Eher entgangene Urlaubsfreuden!“) wurde das Schiff, so Raimund, wieder desinfiziert und „neue Versuchskaninchen an Bord gelassen“. Raimund: „Das alles grenzt für mich schon an Körperverletzung!“

„Unterlassene Hilfeleistung“ auf der „Aida Perla“

Tim war mit seiner Freundin vom 15. bis 22. September auf der „Aida Perla“ – seine inzwischen zwölfte Kreuzfahrt mit Aida. „Die ersten zwei Tage lief auch alles, wie bei den anderen Reisen zuvor auch. Aber das änderte sich dann“, erzählt er dem reisereporter.

Sie seien im asiatischen Restaurant Essen gegangen. Tim: „Am späten Abend wurde mir plötzlich total schlecht. Ich musste mich übergeben und hatte sehr starken Durchfall. Wobei: Das war eher Wasser, was da rauskam.“

Er verbrachte die Nacht auf der Toilette, rief den Schiffsnotruf. Tim behauptet: „Mir wurde gesagt, ich müsse ins Hospital kommen. Auf den Hinweis, dass ich nicht vom Klo komme, hieß es, ich soll eine Spucktüte nehmen.“ Er habe die Nacht daher auf dem Klo verbracht. „Leider fährt Aida unter italienischer Flagge, sonst hätte ich Anzeige wegen unterlassener Hilfeleistung erstattet“, sagt Tim noch immer wütend.

Am nächsten Tag erwischte es auch seine Freundin – und zahlreiche andere Reisende. „Es gab Durchsagen an Bord, dass es vermehrt Krankheitsfälle gibt“, erinnert sich Tim.

Durchfallalarm auf der „Aida Sol“

Vom 17. bis 27. September war ein Passagier, der namentlich nicht genannt werden möchte, auf der „Norwegens Fjorde“-Kreuzfahrt auf der „Aida Sol“. Er berichtet uns bereits im Oktober, dass am zweiten Tag das „Theater an Bord losgegangen“ sei. Das Schiffskrankenhaus wurde gesperrt, Passagiere auf ihren Kabinen unter Quarantäne gestellt.

300 Norovirus-Erkrankte auf der „Aida Prima“

Sie buchten die „Perlen am Mittelmeer“ auf der „Aida Prima“ und bekamen Anfang Oktober einen fiesen Magen-Darm-Infekt: Bis zu 300 Kreuzfahrtpassagiere hatten sich mit dem Norovirus angesteckt, Ärzte mussten eingeflogen werden.

Durchfall und Erbrechen auf der „Aida Mar“

Anfang November waren Alex und seine Freundin auf der „Aida Mar“ unterwegs – und verbrachten die meiste Zeit auf dem Klo und in der Kabine. Vier von sieben Tagen saßen sie in Quarantäne auf dem Zimmer, bekamen trockenes Brot und Suppe aufs Zimmer. Er sagt: „Wir werden jetzt lieber vorerst mit Mein Schiff oder MSC fahren. Da gibt es nämlich nicht auf jeder Kreuzfahrt ein Magen-Darm-Problem.“

Was sagt Aida dazu? Die Reederei beantwortet keine Fragen

Der reisereporter hat Aida zu all den Erlebnissen und mit zahlreichen Fragen kontaktiert. Die Reederei hat allerdings keine einzige der Fragen beantwortet und wollte auf keinen der geschilderten Fälle eingehen.

Dafür wiederholt sich das Unternehmen, wie bereits zuvor: „Nach der letzten Welle in den Sommermonaten treten aktuell in Deutschland wieder verstärkt unterschiedliche Magen-Darm-Erkrankungen auf. Bereits vor Reiseantritt empfehlen wir unseren Gästen, unsere Einreise- und Gesundheitsempfehlungen gründlich zu lesen und im Zweifel vor Reiseantritt den Hausarzt zu konsultieren.“

Weiter schreibt Aida: „Wir bitten unsere Gäste, sich im Fall einer Erkrankung, egal welcher Art, bereits vor beziehungsweise bei Reiseantritt mit uns in Verbindung zu setzten. Leider können wir es trotzdem nicht vermeiden, dass der eine oder andere Gast seine Reise mit einer Erkrankung antritt. Prävention ist das oberste Gebot.

Wir leiten umgehend erhöhte Hygienemaßnahmen ein, sobald sich Passagiere mit ersten Symptomen, die den Verdacht auf eine Magen-Darm-Infektion nahelegen, bei uns im Bordhospital melden. Sollte dies der Fall sein, informieren wir selbstverständlich umgehend proaktiv unsere Gäste an Bord. Denn sie können durch die Beachtung wichtiger Hygienehinweise zum Schutz der eigenen und der Gesundheit aller Gäste und Crewmitglieder ebenfalls beitragen.

Zu unseren verschiedenen erhöhten Hygienemaßnahmen gehört außerdem auch eine Tiefenreinigung aller Bereiche und der Kabinen des Schiffes am Abreisetag. Während dieser Maßnahme darf sich kein Passagier an Bord befinden.

Grundsätzlich gelten an Bord aller Aida-Schiffe strenge Hygienestandards. Die Einhaltung dieser wird regelmäßig und unangekündigt durch die zuständigen Behörden kontrolliert.“

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