Fast unwirklich sehen die Holzhäuser mit ihren Spitzdächern und ihre mit Blumen geschmückten Balkone am Fuße der grünen, bis zu 1800 Meter hohen Berge aus. Gebaut haben sie österreichische und deutsche Auswanderer vor 150 Jahren.

Diese Städtchen sind Teil peruanischer Geschichte – und meiner. 1857 führte mein Urururgroßvater, der Tiroler Priester Joseph Egg, eine Gruppe von rund 200 bayerischen und Tiroler Landwirten an, um in Peru eine neue Heimat zu finden.  Die peruanische Regierung hatte ihnen Land in den Nebelwäldern Zentralperus versprochen.

 
Die europäischen Auswanderer sollten den Urwald besiedeln und Infrastruktur schaffen, damit die Peruaner eine Eisenbahnlinie durch den Dschungel bauen konnten. Das Projekt wurde niemals realisiert.

Pozuzo, Oxapampa und Villa Rica

Die Einwanderer schlugen sich dennoch durch die Wildnis durch, und bauten sich mitten in Peru  ein Stück Heimat nach. Doch das Leben im Dschungel war schwer. Hunger, Krankheit, Heimweh und vor allem die Abgeschiedenheit machten den Menschen in den Anfangsjahren schwer zu schaffen. Die grünen Täler, in denen Pozuzo, Oxapampa und Villa Rica versteckt liegen, sind reich an natürlichen Ressourcen. So fassten die Bauern Mut, weiterzumachen. Sie begannen Kühe und Schafe aufzuziehen, Früchte und vor allem Kaffee anzubauen.
Mit Erfolg. Villa Rica, übersetzt „Reicher Ort“, ist heute die Kaffeehauptstadt Perus. Mit dem Charme der anderen Kolonien kann sie nicht mithalten, aber der Geruch nach frisch geröstetem Kaffee, der überall durch die Straßen zieht, lässt das schnell vergessen.
 
Die Kolonien haben erfolgreich ihre Traditionen und ihre Sprache am Leben erhalten. Jedes Jahr wird in Oxapampa das Oktoberfest mit Trachten und Blasmusik gefeiert. In Pozuzo heißt es morgens noch „Grüß Gott“ – der Apfelstrudel wird aber mit Bananen gemacht, eine Anpassung an die Region. 
 
Wer sich aus der Hauptstadt Lima hierher aufmacht, muss Zeit und Ausdauer mitbringen. Etwa zehn Stunden wackelt der Reisebus die knapp 400 Kilometer über die Anden, vorbei am 4800 Meter hohen Ticliopass.
 
Die Busse fahren nachts los und kommen morgens mit dem Sonnenaufgang an. Gegen fünf Uhr schlagen sich die ersten Sonnenstrahlen hinten den grünen Bergen durch  – ein Anblick, der für alle Strapazen der Reise entschädigt. Vorbei an steilen Anhängen und reißenden Flüssen erreicht man die kleinen Siedlungen. Aus dem grünen Dickicht schauen langsam die ersten Holzhäuser raus. Plötzlich fühlt es sich wie zu Hause an.