Brexit: Die wichtigsten Infos für Reisende und den England-Urlaub

Was der Brexit für deinen England-Urlaub bedeutet

Am 29. März 2019 will Großbritannien aus der EU austreten – sofern es bei den Planungen bleibt. Wie wirkt sich das auf künftige Reisen ins Vereinigte Königreich aus? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

London Eye, Big Ben und Westminster Palace gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in London.
London Eye, Big Ben und Westminster Palace gehören zu den beliebtesten Sehenswürdigkeiten in London. Ob die Reise für Bewohner von EU-Mitgliedsstaaten auch nach dem Brexit im März 2019 ohne Visum möglich ist, steht noch nicht fest.

Foto: Julian Elliott/Visit Britain

Der Stichtag ist der 29. März 2019: Wenn an diesem Freitag Besucher nach Großbritannien ein- oder von dort ausreisen, müssen sie sich auf einige Änderungen einstellen. Von 23 Uhr britischer Zeit an wird das Vereinigte Königreich nicht mehr Mitglied der Europäischen Union sein. Oder doch? Wenige Monate vor dem Austritt steht nur eines fest: dass nichts wirklich feststeht.

Die britische Botschaft in Berlin, den Fremdenverkehrsverband Visit Britain, die einzelnen Touristenzentralen und die Flug- und Fährlinien eint eine Aussage: Niemand weiß derzeit verlässlich, wie der Brexit eine Reise auf die Insel wirklich beeinflussen wird.

Gleichzeitig wird im britischen Unterhaus mehr denn je über die Möglichkeit eines zweiten Referendums diskutiert, um den Austritt aus der EU möglicherweise doch noch zu stoppen.

Bis es so weit sein könnte aber überbieten sich britische Medien in immer neuen Brexit-Horrormeldungen – auch für Reisende: Werden am 29. März alle britischen Flugzeuge am Boden bleiben müssen, weil automatisch ihre Landeerlaubnis in der EU erlischt? Wird eine Lastwagenschlange die Autobahn nach Dover blockieren, weil die Fähren nicht mehr in der EU anlegen dürfen?

All dies ist vor allem deswegen unwahrscheinlich, weil sich alle Beteiligten derzeit um eine Übergangsfrist bemühen, die mindestens bis Ende 2020 dauern soll. Antworten auf die wichtigsten Fragen für deinen England-Urlaub 2019:

Großbritannien: Brauchen Urlauber bald ein Visum für die Einreise?

Dass Urlauber künftig ein Visum brauchen, ist sehr unwahrscheinlich. Schon jetzt erfragen die britischen Behörden vor dem Abflug von allen Einreisenden die Passdaten. Es ist denkbar, dass Reisende aus der EU künftig wie solche aus außereuropäischen Ländern vor der Einreise sogenannte Landing Cards ausfüllen müssen.

Darin enthalten sind persönliche Angaben wie Name, Beruf, Nationalität und die Länge des Aufenthalts. Gleichzeitig gibt es aber in Großbritannien ohnehin Pläne, diese Landing Cards in absehbarer Zeit gegen ein digitales System zu tauschen. Im Brexit-Weißbuch der britischen Regierung ist nachzulesen, dass sich Besucher aus der EU auch nach einem EU-Austritt keiner Befragung an der Grenze gegenübersehen sollen, wie dies etwa in den USA oder Australien der Fall ist.

Wird der Fähr- und Bahnverkehr vom Brexit beeinträchtigt?

Die Fährhäfen sind so etwas wie die Lebensader Großbritanniens. Über Dover, einen der größten Fährhäfen Europas, werden jährlich Waren im Wert von 15,5 Milliarden Pfund abgewickelt.

Rund 14 Millionen Reisende kommen jährlich über die Verbindung Calais/Dünkirchen–Dover auf die Insel. Über die Burg Dover Castle heißt es seit Jahrhunderten: Fällt Dover Castle, fällt das Königreich. Man könnte das auf den Fährhafen übertragen: Ohne ihn würde der Warenverkehr nach Großbritannien zum Erliegen kommen. Daran kann zuallerletzt der britischen Regierung gelegen sein.

Der Fährhafen von Dover mit seinen berühmten weißen Klippen ist eine wichtige Lebensader Großbritanniens. Wie der Verkehr vom Brexit beeinträchtigt wird, steht noch nicht fest.
Der Fährhafen von Dover mit seinen berühmten weißen Klippen ist eine wichtige Lebensader Großbritanniens. Wie der Verkehr vom Brexit beeinträchtigt wird, steht noch nicht fest. Foto: Jason Hawkes/Visit Britian

Dan Bridgett, Kommunikationschef von P&O Ferries, bleibt insofern gelassen: Solange es Waren und Menschen gebe, die dort transportiert werden müssten, werde sein Unternehmen dies tun. Auch Anne-Laure Desclèves, Sprecherin des Eurotunnel-Betreibers Getlink, ist zuversichtlich, dass Reisende am Ende nichts von einer möglichen politischen Veränderung merken werden.

„Das Vereinigte Königreich war nie Teil der Schengen-Zone, deswegen gab es an der Grenze schon immer Passkontrollen.“ Und da Eurotunnel ein britisch-französisches Gemeinschaftsunternehmen sei, gehe sie davon aus, dass beide Länder an einem möglichst einfachen Grenzübertritt interessiert seien.

Was passiert nach dem Brexit mit meinem Flug?

Nach derzeitigem Stand dürfen Fluggesellschaften aus Großbritannien nach dem Brexit ohne ein entsprechendes Abkommen weder in der EU landen noch Flüge zwischen einzelnen EU-Staaten anbieten. Sowohl Easyjet als auch Ryanair sind massiv davon betroffen – beide haben ihre Flüge von und nach Großbritannien bereits deutlich reduziert, beide haben aber Tochtergesellschaften in der EU gegründet, um dieses Szenario zu umgehen.

Andere Airlines stoßen möglicherweise auf größere Probleme: Ein Sprecher der britischen Airline Flybe forderte gegenüber dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND) baldige Klarheit von der britischen Regierung. „Unsere Flugpläne für 2019 sind bereits veröffentlicht und im Verkauf.“ Allerdings seien 70 Prozent der Flybe-Flüge innerbritisch. Dies reduziere die Unsicherheit für die Airline deutlich.

Werden die EU-Fluggastrechte auch weiterhin für mich gelten?

Die EU-Fluggastrechte gelten für Reisen, die innerhalb der EU begonnen werden, und für solche von EU-Airlines, die einen Flughafen innerhalb der Europäischen Union zum Ziel haben. Wer von einem deutschen Flughafen aus nach Großbritannien fliegt, kommt also auch weiterhin in den Genuss dieser Rechte.

Ändern sich die Zollfreimengen?

Mit ziemlicher Sicherheit. Bislang gelten für Reisende aus der EU bei der Ein- und Ausreise aus Großbritannien für Waren des persönlichen Gebrauchs großzügige Freimengen – wie überall innerhalb der Europäischen Union. Dazu zählen 800 Zigaretten, 110 Liter Bier, 90 Liter Wein und anderes.

Es gilt als ausgeschlossen, dass dies auch nach dem Brexit der Fall ist. Dann werden, so die einhellige Ansicht der Behörden, die Richtlinien für Nicht-EU-Reisende gelten – wie schon jetzt in den nicht zur Europäischen Union gehörenden britischen Gebieten wie den Kanalinseln oder Gibraltar.

Dazu zählen bei der Einreise nach Großbritannien ein Liter Alkohol, vier Liter Wein, 200 Zigaretten und insgesamt Waren im Wert von 390 Pfund. Auf dem Rückweg in die EU sind die Mengen vergleichbar.

Für Zollfreimengen könnten nach dem Brexit dieselben Richtlinien gelten wie schon jetzt in britischen Überseegebieten wie Gibraltar.
Für Zollfreimengen könnten nach dem Brexit dieselben Richtlinien gelten wie schon jetzt in britischen Überseegebieten wie Gibraltar. Foto: imago/CHROMORANGE

Darf ich meinen EU-Führerschein weiterhin in Großbritannien benutzen?

Davon ist auszugehen. Er wird in Europa auch ohne internationalen Führerschein akzeptiert, selbst in Ländern, die nicht zur EU gehören.

Kann ich weiterhin die SB-Einreiseterminals benutzen?

An etlichen Flughäfen auf der Insel gibt es für Briten und alle anderen EU-Bürger vollautomatische Passkontrollen – obwohl das Vereinigte Königreich nie zum Schengen-Raum gehörte, können Flugpassagiere hier in der Regel deutlich schneller die Einreise hinter sich bringen als den Einkauf in manchem Supermarkt.

Allein um Personalkosten zu sparen, gehen Behörden in Großbritannien davon aus, dass dies auch künftig so bleiben werde – allerdings erfordert auch dies nach dem Brexit eine entsprechende Vereinbarung mit der EU.

Kann ich den Euro in Großbritannien benutzen?

Das Nutzen des Euro in Großbritannien funktioniert in der Praxis schon jetzt nicht. Dort gilt nach wie vor das Pfund Sterling als offizielle Währung.

Sollten einzelne Kaufhäuser oder Geschäfte den Euro akzeptieren – zum Beispiel in London oder an der inneririschen Grenze –, ist dies meist mit einem sehr ungünstigen Umtauschkurs verbunden. Wer sparen will, tauscht vor dem Einkauf Euro in Pfund, nutzt Geldautomaten vor Ort oder zahlt per Kreditkarte.

Wird mein Urlaub in Großbritannien teurer?

Das ist äußerst unwahrscheinlich. Der Pfundkurs ist schon jetzt massiv eingebrochen. Lag er zum Brexit-Votum noch entspannt bei 1,30 Euro, ging es danach kontinuierlich nach unten. Derzeit notiert das Pfund bei knapp 1,12 Euro.

Das macht einen Urlaub in Großbritannien schon jetzt so günstig wie lange nicht mehr, was auch der nationale Touristenverband Visit Britain immer wieder in Marketingkampagnen betont. Finanzexperten gehen davon aus, dass das Pfund bei einem ungeregelten Austritt aus der Europäischen Union noch mal um bis zu ein Fünftel an Wert verliert.

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