Kein Rollstuhl am Flughafen: Gelähmter muss über Boden robben

Gelähmter muss über Boden robben und verklagt Airport

Justin Levene, ein querschnittsgelähmter Mann, musste über den Boden des Flughafens London-Luton robben. Sein Rollstuhl war nicht mit dem Flugzeug angekommen – jetzt verklagt der 29-Jährige den Airport.

Justin Levene zog sich nach seiner Landung durch den Flughafen London-Luton, weil es keinen für ihn adäquaten Rollstuhl gab.
Justin Levene zog sich nach seiner Landung durch den Flughafen London-Luton, weil es keinen für ihn adäquaten Rollstuhl gab.

Foto: Twitter.com/James Field

Justin Levene sitzt auf dem Boden, mit den Armen zieht er sich in Ankunftshalle voran, Stück für Stück in Richtung Ausgang. Dort hievt er sich auf einen Gepäckwagen und schiebt ihn mit den Händen das letzte Stück bis zu seinem Taxi. Warum macht er das? 

Justin ist querschnittsgelähmt. Er ist ein internationaler Rollstuhlathlet, Trainer und Mentor für Sportler mit einer Behinderung. Nach einem Flug im August 2017 war sein Rollstuhl, den er mit den Händen vorwärtsbewegt, nicht am Airport London-Luton angekommen.

Er bat daraufhin um einen Ersatz – entweder wollte er einen manuellen Selbstfahrerrollstuhl zum oder einen elektrischen Buggy.

Flughafen London-Luton hatte keine Rollstühle zur Auswahl

Doch der Flughafen hatte beides nicht. Das Personal bot an, ihn in einem Rollstuhl mit hoher Rückenlehne zu schieben, doch der 29-Jährige lehnte ab. Er fühlte sich seiner Unabhängigkeit beraubt.

Nun verklagt er den Flughafen, weil er der Meinung ist, jeder Airport müsse Reisenden mit einer Behinderung die Möglichkeit geben, unabhängig zu reisen.

Mit 20 Jahren verletzte sich Justin an der Bandscheibe, bei der Operation ging etwas schief. Die Folge: Der Londoner war von der Taille abwärts gelähmt und fortan auf einen Rollstuhl abgewiesen.

„Ich habe jahrelang hart gearbeitet, um meine Unabhängigkeit zu erlangen“, erzählte Justin dem Fernsehsender „BBC“. Ohne seinen Rollstuhl sei er seiner Selbstständigkeit und Unabhängigkeit beraubt gewesen. „Ich hätte mich erniedrigt gefühlt, auf einem der Stühle sitzen zu müssen, die sie mir angeboten haben.“

Zudem hätten die Mitarbeiter ihn auf dem Stuhl festschnallen wollen, so Justin. „Das hätte bedeutet, dass ich meine Position nicht selbstständig hätte anpassen können. Und damit wäre das Risiko groß gewesen, dass ich ein Druckgeschwür bekomme.“

Justin kritisiert den Airport für fehlendes Equipment

Der 29-Jährige kritisiert den Airport scharf. Er ist der Meinung, dass man ihm entweder einen manuellen Rollstuhl oder einen motorisierten Buggy hätte zur Verfügung stellen müssen. Ihm sei jedoch nur eine einzige Option übriggeblieben – sich selbst Hunderte Meter über den Boden zu ziehen. 

„An jedem einzelnen Flughafen, an dem ich war, egal wo und egal, wie klein er war, es gab immer entweder einen Selbstfahrerrollstuhl  oder einen Buggy“, sagt er. 

Der Flughafen hingegen ist der Ansicht, richtig gehandelt zu haben. In einem Statement wird mitgeteilt: „Als wir festestellten, dass der Flug von Herrn Levene ohne seinen Rollstuhl gelandet war, arbeitete unser Team intensiv an einer Lösung und bot ihm einen Rollstuhl und Assistenz als vorübergehenden Ersatz an. Herr Levene lehnte alle Hilfsangebote ab, da er sie für nicht akzeptabel hielt. Wir entschuldigen uns, wenn er mit dem Service unglücklich war. Aber wir sind zufrieden mit unseren Mitarbeitern, die alles getan haben, was sie konnten.“

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