Roadtrip als Hochzeitsreise: 34 Länder, 30 Monate, 55.000 Kilometer

34 Länder in 30 Monaten: Was ’ne Hochzeitsreise!

Das erste gemeinsame Zuhause ist nur sieben Quadratmeter groß. Jennifer und Peter Glas gehen mit einem Unimog auf einen 55.000 Kilometer langen Roadtrip – und dabei kennen sie sich erst ein paar Monate.

Jennifer und Peter haben ein großes Abenteuer gewagt: Sie machen einen 30 Monate langen Roadtrip, obwohl sie sich erst wenige Monate kannten.
Jennifer und Peter haben ein großes Abenteuer gewagt: Sie machen einen 30 Monate langen Roadtrip, obwohl sie sich erst wenige Monate kannten.

Foto: Glas

Als der Kaufvertrag für einen fast 30 Jahre alten Unimog-Truck vor Jennifer (35) und Peter (40) liegt, fragen sich beide: „Was zur Hölle mache ich da?“ Es ist Frühsommer 2013, und die zwei stehen kurz vor dem vielleicht größten Abenteuer ihres Lebens – und dabei kennen sie sich gerade einmal viereinhalb Monate.

Peter und Jennifer haben ihre Wohnungen und ihre Jobs als Personalleiter und Kreativdirektorin gekündigt, wollen alle Möbel einlagern und dann auf eine lange Reise starten. Es wurde ein 55.000-Kilometer-Roadtrip von München nach Wladiwostok und zurück – ein paar Umwege und eine Hochzeit inklusive.

Der Unimog war ihr erstes Zuhause: Peter und Jennifer Glas wagten das große Abenteuer.
Der Unimog war ihr erstes gemeinsames Zuhause: Peter und Jennifer Glas wagten das große Abenteuer. Foto: Glas

In 30 Monaten sahen sie 34 Länder: Sie lernten Südosteuropa kennen, waren in der Türkei und im Iran, auf der Arabischen Halbinsel, in Indien, Nepal, Myanmar, Laos, Thailand und Kambodscha. In Singapur verschifften sie ihren Unimog nach Wladiwostok. Von dort aus fuhren sie zurück nach München.

Der reisereporter hat mit den verrückten Abenteurern gesprochen.

Erzählt doch mal, wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt?
Jennifer:
Ganz unspektakulär in einem Münchner Café. Wir haben uns dort von Anfang an über Gott und die Welt unterhalten. Etwas irritierend für mich war, dass Peter die ganze Zeit auf einen Screen mit einem Bayern-Spiel hinter mir geschaut hat und ich mir nicht so ganz sicher war, was er spannender fand. 

Peter: Natürlich fand ich Jennifer um ein Vielfaches spannender! Daher hab ich auch immer nur kurz den Spielstand abgelesen. Überraschend war, dass wir gleich bei unserem ersten Gespräch über sehr ernste und sehr persönliche Dinge sprechen konnten. Schnell war klar, dass wir uns wenige Tage später in Basel wiedersehen wollten. Es folgte ein reger Mail- und Telefonkontakt – und wir waren sehr schnell sehr verliebt.

Ihr habt euch schon nach gut vier Monaten Beziehung für die lange Reise entschieden. Warum nicht gleich zusammenziehen?
Jennifer: Eigentlich war der Ursprungsplan, dass wir zusammenziehen. Da gab es nur das kleine Problem, dass wir nicht wussten, wo. Peter wollte damals nicht zurück nach München, seine Heimat, wo ich lebte. Und ich wollte damals nicht zurück nach Basel, meine Heimat, wo er lebte. Also musste eine andere Lösung her. Dafür hätten wir aber eh beide unsere Jobs und unsere Wohnungen kündigen müssen, und so kamen wir auf die Idee, erst einmal länger zu verreisen.

Hattet ihr einen Plan, wie lange ihr unterwegs sein wollt?
Peter:
Der erste Plan war „so für zwei drei Monate mit dem Rucksack los“. Als uns bewusst wurde, wie groß der Schritt tatsächlich ist, alles aufzugeben, Jobs und Wohnungen, und alle Möbel unterzubringen, merkten wir schnell, dass sich der ganze Aufwand für drei Monate gar nicht wirklich lohnt. Also planten wir sechs Monate ein, mit der Option auf Verlängerung.

Peter und Jennifer kannten sich erst vier Monate, als sie zu ihrer Tour starteten.
Peter und Jennifer kannten sich erst vier Monate, als sie zu ihrer Tour starteten. Foto: Kunal-Kelkar

Hattet ihr keine Angst, dass euer Plan nach hinten losgeht?
Jennifer: Wir dachten, dass das bei uns genauso schiefgehen kann wie bei Paaren, die sich schon seit 20 Jahren kennen. Das Nonstop-Zusammensein ist vermutlich auch für ein „erprobtes“ Paar eine große Herausforderung, vielleicht ist es sogar leichter, wenn man keine Altlasten mit auf so eine große Reise nimmt.

Peter: Wir waren aber von Anfang an ehrlich zueinander und uns durchaus darüber bewusst, dass das mit uns beiden auch schiefgehen kann. Wir haben offen darüber gesprochen und uns auch immer wieder gesagt: Wenn es schiefgeht, kehren wir einfach um. Diese Option sollte es immer geben und das hat uns vielleicht von Anfang an den Druck rausgenommen.

Wieso war’s letztendlich nicht nur ein Roadtrip, sondern gleich eine Hochzeitsreise?
Jennifer: Peter hatte mir schon an Weihnachten vor unserer Abfahrt einen Antrag gemacht. Wir haben dann ganz zu Beginn der Reise – ganz kitschig – in Venedig geheiratet. Doch ganz unspektakulär, an einem Wochentag auf dem Standesamt. Es war wundervoll entspannt, lustig und voller Liebe und Glück. Der perfekte Start in unser Abenteuer.

In Venedig hat das Paar geheiratet.
In Venedig hat das Paar geheiratet. Foto: Glas

Was habt ihr auf eurer Reise über euch als Menschen und über eure Beziehung gelernt?
Peter: Für unsere Beziehung war die Reise mit Sicherheit eine große Bestandsprobe. Unterwegs wird man mit vielen bürokratischen Hürden, technischen Schwierigkeiten, harten Entscheidungen und manchmal auch der Sehnsucht nach Freunden konfrontiert.

Außerdem waren wir wirklich fast 24 Stunden am Tag zusammen. Natürlich hat es da mal gekracht. Weil wir uns nicht immer richtig gut zurückziehen konnten, haben wir eine gute Streitkultur entwickelt: Achtsamkeit, Respekt und viel Austausch war die Essenz für unser Miteinander.

Jennifer: Wir haben auch sehr viel Dankbarkeit und Demut gespürt während unserer Reise. Wir waren in vielen ärmeren oder sehr armen Ländern unterwegs – so zum Beispiel mehr als ein Jahr in Indien und Nepal –, und da wird einem schnell bewusst, wie gut es uns in Deutschland eigentlich geht.

Fließendes Trinkwasser, die stete Verfügbarkeit von Lebensmitteln, die medizinische Versorgung oder politische Stabilität sind in den meisten Ländern dieser Welt keine Selbstverständlichkeit. Umso überraschender ist, dass man uns selbst in den ärmsten Regionen der unterschiedlichsten Länder mit unheimlich großer Gastfreundschaft begegnet ist.

Solch schöne Aussichten wie hier in Laos hatten Jennifer und Peter von ihren Stellplätzen aus.
Solch schöne Aussichten wie hier in Laos hatten Jennifer und Peter von ihren Stellplätzen aus. Foto: Glas

Wann und wo war der Moment für euch, an dem ihr gesagt habt: „Es reicht jetzt mit der Reise“?
Peter: Als wir innerhalb weniger Wochen mehrere schwerwiegende Pannen hatten – der Bruch einer Hinterachsfeder, dann der Bruch einer Vorderachsfeder, Probleme mit dem Bremssystem – und mehrere Wochen in Werkstätten, mit dem Warten auf Ersatzteile und ärgerlichen Verhandlungen am Zoll verbracht hatten, waren wir tatsächlich mal an dem Punkt: So, jetzt reicht’s.

Wir hatten einfach keine Lust mehr auf Probleme. Als dann aber alles wieder lief, war dieser Frust schnell vergessen und wir waren sehr glücklich über die Fortsetzung.

Hat es euch überrascht, dass das Abenteuer letztendlich 30 Monate dauern würde?
Jennifer: Ja, auf jeden Fall. Einige Vorkommnisse haben unsere Pläne durcheinandergeworfen, zum Beispiel durften wir aufgrund politischer Unruhen im Jahr 2015 nicht nach Tibet einreisen. Und so wurde die Route unterwegs immer wieder geändert. Dass wir diese Flexibilität und kein Zeitlimit hatten, das hat uns ungeheuer frei gemacht.

Hand aufs Herz: Die Reise war bestimmt nicht immer leicht, oder?
Peter: Abgesehen von den technischen Problemen gab es natürlich auch andere Schwierigkeiten. In Indien hatten wir immer wieder harte Zeiten. Der unvorstellbar chaotische Straßenverkehr, die Rücksichtslosigkeit und Lebensgefährdung durch andere Verkehrsteilnehmer, der Staub, die schlechten Straßen. Das hat uns schon manchmal an unsere eigenen Grenzen gebracht.

Vielmehr vielleicht auch die fehlende Privatsphäre in Indien. Mit unserem Fahrzeug sind wir natürlich aufgefallen… und so war es keine Seltenheit, dass einfach mal 40 Leute vor unserer Tür standen und einfach ungeniert gestarrt haben. Das war einfach nicht mehr schön.

Indien war unfassbar spannend, bunt, eindrücklich – aber irgendwann waren wir auch froh, als wir über die Grenze nach Burma gefahren sind.

Neugierige Kinder in der Mongolei: So ein Unimog zieht viel Aufmerksamkeit auf sich...
Neugierige Kinder in der Mongolei: So ein Unimog zieht viel Aufmerksamkeit auf sich... Foto: Glas

Was war das schönste Erlebnis auf der Reise?
Jennifer: Jedes Land hatte seine Besonderheit, und gerade die Gastfreundschaft, die uns überall wiederfahren ist, war unfassbar! Rückblickend erinnere ich mich vermutlich am liebsten an unseren wunderschönen Alltag fernab großer Städte irgendwo im Nichts, an die einsamen Stellplätze mitten in der Natur, die Ruhe, das Baden in irgendwelchen Bächen oder Seen, das Fahren auf einsamen Straßen und das Aufsaugen der Landschaften, das Entdecken von wenig besiedelten Regionen, die Sternenhimmel und unseren Lebensrhythmus, der sich dieser natürlichen Umgebung angepasst hat.

Wie konntet ihr euch den Wahnsinns-Roadtrip leisten?
Peter: Wir haben nicht im Lotto gewonnen oder geerbt! Nein, im Ernst. Teuer waren die Anschaffungen davor, das Fahrzeug, das wir aber später wieder verkauft haben, die Verschiffungen und der Sprit. Ansonsten haben wir zu zweit rund 1.000 Euro pro Monat gebraucht, mit allem drum und dran. Das ist deutlich weniger, als man in Deutschland benötigen würde.

Seid ihr nach der Megareise so richtig sesshaft geworden?
Jennifer: Erst einmal ja. Wir haben uns sehr auf zu Hause gefreut und sind momentan sehr glücklich über das Nest, dass wir uns hier gebaut haben. Wir denken immer wieder über das Reisen nach und es gibt auch Gedanken dazu, doch momentan freuen wir uns über kleinere und größere Trips in Europa und genießen unser neues Familienleben. Vier Wochen nach unserer Rückkehr war ich schwanger, unsere kleine Tochter Frida ist gerade zwei Jahre alt geworden.

  

Über ihre Erlebnisse haben Jennifer und Peter ein Buch geschrieben: „Roadtrip – Eine Liebesgeschichte“.

Kommentare
Erhalte täglich Reisegeschichten, folge uns auf Facebook:
Zur
Startseite