Lion Air: So war mein Flug mit der indonesischen Unglücks-Airline

Lion Air: So war mein Flug mit der Unglücks-Airline

Die Fluggesellschaft Lion Air macht immer wieder negative Schlagzeilen, zuletzt mit einem tragischen Absturz. Wie so ein „ganz normaler“ Flug mit der Unglücks-Airline aussieht, erzählt reisereporter Justus.

Völlig ermüdet und entnervt: Mein Flug mit der Unglücks-Airline Lion Air ging nicht spurlos an mir vorbei.
Völlig ermüdet und entnervt: Mein Flug mit der Unglücks-Airline Lion Air ging nicht spurlos an mir vorbei.

Foto: imago/Aviation-Stock; Justus Wildhagen

Der Absturz des Lion-Air-Flugs JT610 war ein besonders tragisches Unglück in der Geschichte der indonesischen Billig-Airline – alle 188 Insassen starben dabei Ende Oktober. Aber auch zuvor war die Fluggesellschaft schon für ihre Unzuverlässigkeit bekannt, machte immer wieder mit negativen News auf sich aufmerksam.

Als ich im Sommer 2018 von Yogyakarta (Java) nach Lombok fliegen wollte, wählte ich unwissend auch die Billig-Airline aus – und machte einige unschöne Erfahrungen.

Flug mit Lion Air: Bestechungsgeld und Stehplätze

Nachdem ich mich zweieinhalb Wochen mit öffentlichen Verkehrsmitteln von West- nach Ostjava gekämpft hatte, wollte ich nur noch eines: Ein zuverlässiges Transportmittel, das mich nicht mehr mit Schrittgeschwindigkeit transportiert, sondern schnell von einem Ort zum nächsten bringt.

Das Flugzeug verspricht genau das: schnell, bequem, sicher, zuverlässig. Dachte ich zumindest. Aber auch hier habe ich die Rechnung ohne die tiefenentspannte, häufig chaotische indonesische Lebensweise gemacht.

Die Odyssee begann schon bei der Buchung des Tickets. Nur bestimmte Kreditkarten waren zulässig, und die Hotline-Mitarbeiter legten immer wieder mitten im Gespräch auf. Letztendlich musste ich eine andere Zahlungsweise bei meiner Bank freischalten, mir eine Banking-App herunterladen und ein Passwort bestellen – hat dann doch alles irgendwie geklappt.

Also ab zum Flughafen von Yogyakarta. Mit Reiserucksack auf dem Buckel, Handgepäck vor dem Bauch und Surfbrett unterm Arm ging’s gut gelaunt zum Check-in-Schalter, wo das nächste Hindernis auf mich wartete.

„Mister, no surfboard!“, erklärte mir der Airline-Mitarbeiter. Ehrlich gesagt war ich nicht wirklich überrascht, dass der Herr die Mitnahme meines Surfbretts verweigerte. Reisebekanntschaften hatten mir schon im Voraus von dieser „Masche“ berichtet. Eigentlich ist die Boardmitnahme bei Lion Air auf dieser Strecke nämlich kostenlos, die Mitarbeiter sehen hier aber ihre Chance, sich ein kleines Trinkgeld zu verdienen.

Nach einigem Hin und Her war klar: Der Typ will Geld sehen. Da das Surfbrett mein wichtigster Gegenstand und überhaupt der Grund für die Reise war, musste ich in die Tasche greifen. Für umgerechnet 10 Euro flog mein Brett aufs Gepäckband.

Also ab durch den Sicherheitsscan, und eine knappe Stunde vor dem geplanten Abflug kam ich im Wartebereich des Flughafens an. Wobei… Wartebreich ist etwas zu gut gemeint: Eine viel zu kleine und niedrige Halle mit Bahnhofsatmosphäre trifft es eher.

Der Bereich war von Beginn an so dermaßen überfüllt, dass ich keine Chance auf einen Sitzplatz hatte. Bei dem baldigen Abflug sollte das aber nicht so schlimm sein, dachte ich.

Die Wartehalle des Flughafens von Yogyakarta war überfüllt.
Sitzplatz? Fehlanzeige! Die Wartehalle des Flughafens von Yogyakarta war überfüllt. Foto: Justus Wildhagen

Geduldsprobe am Flughafen

Leider musste ich aber schnell feststellen, dass auch auf den Luftverkehr in Indonesien kein Verlass ist, zumindest nicht auf den von Lion Air. Nach einer Stunde stand immer noch kein Flugzeug am Gate bereit, eine Stunde später ertönte die erste Durchsage: Der Flug verspätet sich um zwei Stunden. Mit fünf Tagen Busreise in den Knochen war ich eigentlich in Geduld geübt, die Flughafenhalle machte die Warterei aber unerträglich.

Im Minutentakt gab es Durchsagen, die mit einem scheppernden „Dingdong“ eingeleitet wurden und mit unverständlichem Rauschen weitergingen. Dabei füllte sich der Raum immer mehr, und der Geräuschpegel stieg ins Unermessliche.

Natürlich stand auch nach zwei Stunden kein Flieger parat. Ein Schweizer Paar, das die Strecke regelmäßig fliegt, erzählte mir, dass die Maschine in der Regel erst am nächsten Morgen eintreffe, wenn überhaupt. Klasse!

Also warten, rumlaufen (da eh kein Sitzplatz verfügbar), aus dem Fenster spähen, die Ohren zuhalten. Nach zwei weiteren Stunden dann die nächste Durchsage: Noch mal zwei Stunden warten, dann sollte es losgehen.

Lion Air: Kuriose Entschuldigung beim Boarding

Mit insgesamt acht Stunden Verspätung tauchte dann aber wirklich ein Lion-Air-Flugzeug auf dem Rollfeld auf, das Boarding konnte sofort beginnen, denn aus Zeitgründen wurde die Maschine gar nicht erst gereinigt.

Beim Betreten der Maschine verflog dann auch sämtlicher Ärger über die Verspätung, denn die Chaos-Airline entschuldigte sich bei allen Passagiern, indem jeder eine kleine Papierbox in die Hand gedrückt bekam.

Mitten in der Nacht ging es dann doch noch los.
Mitten in der Nacht ging es dann doch noch los. Foto: Justus Wildhagen

Auf der rot-gelben Schachtel stand „Yogya Chicken“. Lion Air hatte allen Ernstes für alle Passagiere Fast Food aus einem Lokal mitten in der Stadt liefern lassen! In der Box lag eine Hähnchenkeule und ein in Papier eingeschlagener Ball Reis – kuriose Entschuldigung.

Der Flug an sich verlief dann aber ganz unspektakulär. Meinen Rückflug, den ich auch mit Lion Air gebucht hatte, cancelte ich dann aber doch und buchte ein Ticket bei einer der anderen indonesischen Airlines.

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