Møre og Romsdal: Mehr Norwegen geht nicht! I reisereporter.de

Møre og Romsdal: Mehr Norwegen geht nicht!

Fjorde, alpine Berge, sanfte Täler, kleine Städte und Paradiese für Wanderer: Abseits der Nordkap-Route liegt rund um Ålesund alles, was das skandinavische Land zu bieten hat, ganz nah beieinander.

Hans-Martin Koch
Nach einem kurzen Aufstieg bietet sich auf der Insel Godøy ein unverstellter Ausblick auf die malerische Natur.
Nach einem kurzen Aufstieg bietet sich auf der Insel Godøy ein unverstellter Ausblick auf die malerische Natur.

Foto: Arthur Selbach/Wikinger Reisen

Geht es nicht weiter, helfen nur noch Karte, Kompass oder gute Ortskenntnis. Wir haben Tobias Riegel. Er kennt jeden Fjord, jeden See und jeden Gipfel hier mitten in Norwegen. 200 Kilometer nördlich von Bergen, 200 südwestlich von Trondheim.

Die Region Møre og Romsdal bietet abseits der Nordkap-Route ein Konzentrat Norwegens: die vielleicht schönste Stadt, den wahrscheinlich beeindruckendsten Fjord, das eventuell idyllischste Bergtal und nach einigen weiteren Superlativen folgt noch das garantiert abgelegenste Bluesfestival.

Alle Arten von Wetter gibt es gratis dazu. „Es ist fantastisch, welche Möglichkeiten sich hier bieten“, sagt Tobias, der seit mehr als 20 Jahren als Guide arbeitet.

Guide Tobias Riegel kennt in der Region Møre og Romsdal jeden Berg, jeden See und jeden Pfad.
Guide Tobias Riegel kennt in der Region Møre og Romsdal jeden Berg, jeden See und jeden Pfad. Foto: Hans-Martin Koch

Die Stadt Ålesund rühmen viele Norweger als die schönste im Land. Das liegt an der Katastrophe von 1904. Damals, am 23. Januar, kippte in einer Margarinefabrik eine Petroleumlampe um. 850 Holzhäuser brannten nieder. 10.000 Menschen waren plötzlich obdachlos. Die Stadt wurde in Stein neu errichtet, und an jeder Ecke blicken dem Besucher heute Jugendstilbauten entgegen.

Viele Kreuzfahrtschiffe legen in Ålesund an

Das Stadtzentrum döst heute scheinbar vor sich hin. Doch wenn Hurtigruten, Aida oder ein anderes Kreuzfahrtschiff anlegt, wird es für Stunden betriebsam. Die monströs großen Schiffe stoppen gern hier. Ålesund liegt am Eingang zum berühmten Geirangerfjord, den keine Reederei auslässt. Das hat Folgen. „Im Geirangerfjord gibt es keine Flechten mehr, sie sind ein Umweltindikator“, sagt Tobias Riegel.

In Ålesund sind die Bewohner über die wachsende Zahl der Kreuzfahrtschiffe auch nicht glücklich. „Sie flüchten aus dem Zentrum, wenn hier bis zu vier Schiffe liegen. Sie sind es müde“, beobachtet Kirsten, die fürs Tourismusbüro der knapp 50 000 Einwohner zählenden Stadt arbeitet.

Zur Jugendstilstadt Ålesund gehört auch ein sehenswerter Hafen.
Zur Jugendstilstadt Ålesund gehört auch ein sehenswerter Hafen. Foto: Hans-Martin Koch


Den Passagieren der Kreuzfahrtschiffe ausweichen lässt sich über 418 Stufen auf den Aussichtspunkt Fjellstua. Von hier öffnet sich ein imposanter Blick über die auf eine Landzunge gebaute Stadt und weiter auf Insel und Fjorde. Es fährt sogar ein Bimmelbähnchen hoch.

Die Sommersaison in Norwegen ist nur kurz

Abseits der Kreuzfahrtroute hat der Tourismus kaum Spuren ins Land gefurcht. Tobias Riegel führt uns über die Insel Godøy. Es geht recht steil hinauf. Oben wird es unübersichtlich. „Die Norweger mögen keine Wegmarkierung, sie verschandelt die Landschaft“, sagt der Guide und führt auf sumpfigem Kurs um einen idyllischen Bergsee und noch etwas hinauf zu faszinierenden Panoramen über Meer und Land.

Eine Felszunge ragt über den steil abfallenden Bergrücken, unten steht der Leuchtturm von Alnes, zu dem es sich leicht hinunterkraxeln lässt. Ein Postkartenmotiv, und heute vor dem denkbar blauesten Himmel. Angekommen, gibt es Preiselbeertorte im kleinen Café. Wie überall ist auch hier die Sommersaison kurz, sie dauert von Juni bis August.

Der Leuchtturm von Alnes eignet sich als Pausenstopp auf Godøy. Kaffee und Kuchen gibt es hier auch.
Der Leuchtturm von Alnes eignet sich als Pausenstopp auf Godøy. Kaffee und Kuchen gibt es hier auch. Foto: Hans-Martin Koch

Schmale Straßen winden sich zur Insel Runde. Das Eiland bietet mit seiner Felsküste ein Paradies für Papageientaucher, Trottellummen, Basstölpel und weitere Arten; 170.000 Seevogelpaare brüten in den steilen Felsen. Wer gucken will, steigt gegen Wind und Wetter einen grünen Berg empor, bis das Gelände jäh ins Meer abfällt. Die Vögel sind aber vor allem im Frühjahr da, wenn der Winter sich noch übers Land legt.

Campingplatz am Berg hat einen rauen Charme

Zu Füßen des Berges unterhält Knut Goksøyr seit 45 Jahren einen Campingplatz mit rauem Charme. Im Kiosk hängt unter der Decke alles voll mit Bierdosen – von deutschem Bier. Viele Wohnmobilfahrer treffen sich Jahr um Jahr in dieser eher kahlen Gegend, 75 Prozent davon sind Deutsche. „Wenn sie nicht mehr kommen, höre ich auf“, sagt Goksøyr.

Wie viel schöner ist es doch am Fjord. Tobias Riegel führt uns zum Hjørundfjord: Hier sind keine Kreuzfahrtschiffe unterwegs, allenfalls mal eine kleine Fähre, mal ein Fischerboot. Stille und dazu traumhafte Ausblicke auf die Sunnmøre-Alpen mit Bergen wie dem Saksa und dem Slogen, deren Gipfel zwischen 1.000 und 1.500 Meter Höhe messen. „Die will jeder Norweger bestiegen haben“, sagt der Guide. Er war natürlich oben.

In den Sunnmøre-Alpen streckt sich das Tal Romedalen aus, gerahmt von gezackten und angespitzten Bergen samt Wasserfällen. Es ist das schönste Tal im Land, finden viele Norweger.

Wer will es bestreiten, wenn er beim leichten Auf und Ab auf Schneefelder schaut, wenn der Romedalselva-Bach Kurven malt, wenn der Wandernde über kleine Nebenbäche springt, kurz ein Geröllfeld kreuzt und die farbigen, ins Tal gewürfelten Holzhäuschen mit ihren begrünten Dächern passiert?

Am Wegesrand sitzen zwei Männer mit Ferngläsern. Nein, sie beobachten keine Adler. Sie geben dem Kollegen oben am Steilhang Hinweise, wo sich Rehwild aufhält – es ist Jagdzeit.

Nach Trandal geht es nur übers Wasser

Der Weg wird wilder, schöner, wie ein romantisches Gemälde. In der Ferne verwischen sich die Konturen der Berge in Dunst und Wolken, es hat etwas Mystisches. Plötzlich aber zerstört ein Hubschrauber das Idyll. Ein Mann seilt sich ab und birgt aus dem Fels einen Verletzten. Nichts Schlimmes offenbar, die Sanitäter bleiben gelassen – aber gut zu wissen, dass es auch fernab Handyempfang gibt.

Der Hjørundfjord bietet Ruhe und beste Sicht auf die Sunnmøre-Alpen.
Der Hjørundfjord bietet Ruhe und beste Sicht auf die Sunnmøre-Alpen. Foto: Arthur Selbach/Wikinger Reisen


Den brauchen auch die zurzeit zehn Bewohnern von Trandal am Ufer des Hjørundfjords. Zu ihnen geht es nur übers Wasser. Zweimal am Tag kommt von Store Standal die Fähre – und bei Anruf.

Wenn es noch so etwas wie einen Geheimtipp gibt in Norwegen, dann ist es Christian Gaard, der denkbar abgelegenste und dazu verblüffend urige Pub in Trandal. Die Familie von Linda lebt hier seit Generationen und betreibt seit 20 Jahren ein Lokal im Blockhausstil.

Bei Blues- und Countryfestival wird Geheimtipp zum Hotspot

Linda serviert Fischsuppe und danach Blaubeerkuchen. Sie trägt ein T-Shirt mit der Aufschrift „Trandalrock“. Das hat seinen Grund, denn an ein bis zwei Wochenenden im Jahr wird der Geheimtipp zum Hotspot – bei Blues- und Countryfestivals. „Wir hatten schon 1900 Besucher hier“, sagt Linda. Kaum zu glauben. Wo finden die Platz? „Viele bleiben in ihrem Boot.“ Im Jahr 2019 wird am 5. und 6. Juli Blues und vom 8. bis 11. August Country gespielt.

Natürlich hat unser Guide Tobias auch rund um Trandal Wege erkundet und Gipfel erklommen. „Diese Region ist eben vollgepackt mit Schönheiten und Möglichkeiten“, sagt er und schwärmt schon von einem Weg, der an einem Wasserfall hochführt zu einem Bergsee.

Falls das Wetter nicht optimal sein sollte, gibt es ein Aquarium in Ålesund, das Herøy Kystmuseum, die Marmorkirche in Giske und anderes. Aber draußen ist es auch bei Regen schön. Und Tobias hat für jedes Wetter den passenden Weg. Er kennt sie alle.

Tipps für deine Reise nach Norwegen

Anreise: Mehrere Fluggesellschaften bieten Flüge nach Ålesund an. Die schnellste Verbindung führt mit KLM über Amsterdam.

Beste Reisezeit: Die Sommer sind kurz, Juni bis August eignen sich am besten zum Wandern. Die Temperatur erreicht dann etwa 18 Grad Celsius, Regenkleidung ist empfehlenswert. Während der vergleichsweise milden Wintersaison sind alle Formen von Skisport und Schneeschuhtouren möglich.

   

Diese Reise wurde unterstützt von Wikinger Reisen und Innovation Norway. Über Auswahl und Ausrichtung der Inhalte entscheidet allein die Redaktion.

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