Ein Flug in einem Privatjet ist für den Durchschnittsurlauber kaum bezahlbar. Deshalb habe auch ich für meinen Flug von Hannover nach Mallorca ein normales Ticket bei Norwegian Airlines gebucht.

Erst zwei Wochen vorher für 29,90 Euro – ein echtes Schnäppchen. Doch schon beim Security-Check am Flughafen Hannover wundere ich mich: keine Schlange. Oder besser gesagt: Der Security-Bereich in Terminal C wird sogar erst geöffnet, als ich darauf hinweise, dass mein Flieger in weniger als 70 Minuten abhebt.

Der leere Boardingbereich am Flughafen in Hannover.
Der leere Boardingbereich am Flughafen in Hannover. Foto: Lena Obschinsky

Gut, mein Flieger geht am Sonntagmorgen um 0.25 Uhr, der nächste Flieger folgt erst mehr als eine Stunde später – daher denke ich mir nicht viel dabei. Kaum durch die Security durch, spricht mich eine Flughafenmitarbeiterin an: „Fliegen Sie nach Mallorca? Frau Obschinsky?“ Irritiert über die persönliche Ansprache nicke ich nur.

Norwegian Air: Die reisereporterin als einziger Fluggast

Die Dame erklärt: „Sie sind wahrscheinlich die einzige Passagierin auf dem Flug.“ Das Flugzeug, eine Boeing 737, steht längst bereit, das Team auch: Pilot und Co-Pilot sowie drei Flugbegleiter.

Bevor ich boarden darf, frage ich noch zweimal ungläubig: „Und die Maschine fliegt wirklich?“ Ja, tut sie.

Meine Bordkarte weist mir einen Platz in Reihe 28 zu, der Flugbegleiter bietet netterweise an: „Sie können sich gern umsetzen.“ 189 freie Plätze hat das Flugzeug, ich entscheide mich aus praktischen Gründen für die erste Reihe.

Ob die doch sehr geringe Auslastung normal sei, frage ich den Flugbegleiter. Seine Antwort: „So etwas habe ich noch nie erlebt. Normalerweise ist der Flieger gut gebucht.“

Bevor die Vorbereitungen abgeschlossen sind, schaut auch der Pilot noch persönlich vorbei. Er kann sich ein Lachen nicht verkneifen: „Ich fliege heute Ihren Privatjet.“ Doch der Pilot sollte nicht recht behalten: Ich bleibe nicht ganz allein, kurz vor dem Abflug steigt noch ein Spanier dazu. Die Borddurchsage richtet der Pilot später deshalb ausnahmsweise nur an „Lady and Gentleman“ – die Airline-Angestellten nehmen die Situation also immerhin mit Humor.

Die Mitarbeiter nehmen die ungewöhnliche Situation im Flugzeug mit Humor

Und wie ist nun so ein Flug, bei dem es doppelt so viel Personal an Bord gibt wie Gäste? Ruhig und unspektakulär. Wie bei günstigen Airlines üblich, gibt es keinen Bordservice. So kommen die Flugbegleiter nur ab und an vorbei, um zu fragen, ob alles okay sei – und um während der Turbulenzen zu überprüfen, ob ich auch wirklich angeschnallt bin. 

Fast schon froh scheint der Flugbegleiter, als er mir im dunklen Flugzeug den Weg zur Toilette zeigen kann. 

Als wir um kurz vor 3 Uhr nachts in Palma landen, steht die Crew am Ausgang Spalier. „Danke, dass Sie mich geflogen haben“, sage ich – und meine das tatsächlich mal wörtlich.