Die Brasilianer sind wütend. Wütend über die Elite des Landes, die sich selbst verkauft. Wütend auf Politiker, die nur auf ihren eigenen Vorteil bedacht sind. Rund 147 Millionen Brasilianer waren für die Wahl ihres neuen Präsidenten wahlberechtigt – und der Rechtspopulist Jair Messias Bolsonaro war der überraschende Favorit.

Jair Messias Bolsonaro ist der neue Präsident Brasiliens

Passend zu seinem zweiten Vornamen versprach der 63-Jährige seinen Landsleuten Erlösung: Er will die Kriminalität bekämpfen, die Steuern vereinfachen, die Zahl der Ministerien reduzieren. Vor allem will Bolsonaro dem politischem Korruptionssumpf im Land den Kampf ansagen. Das wollten die Brasilianer hören.

Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro.
Der Rechtspopulist Jair Bolsonaro. Foto: imago/Xinhua

Und so kam es am gestrigen Sonntag, wie es kommen musste: Der Rechtspopulist, der im Wahlkampf als „Mini-Trump“ und „tropischer Hitler“ bezeichnet wurde, gewann die Präsidentschaftswahl in Brasilien.

Bolsonaro konnte sich mit 55,14 Prozent der Stimmen durchsetzen

In der Stichwahl konnte sich der umstrittene Ex-Militär mit 55,14 Prozent der Stimmen gegen seinen Gegner Fernando Haddad von der linken Arbeiterpartei (44,86 Prozent) durchsetzen.

„Ich werde das Schicksal des Landes verändern“, sagt Bolsonaro nach dem Sieg. Und weiter: „Brasilien über alles, Gott über alles.“ Klingt bekannt – „America first“ war Donald Trumps Schlachtruf. Genau der gratulierte Bolsonaro direkt am Telefon zum Wahlerfolg.

Dem folgte auch der amtierende Präsident Brasiliens, Michael Temer, auf Twitter: „Wir werden jetzt zusammenarbeiten, damit ab morgen der Übergang beginnen kann.“

Sein Gegenkandidat Fernando Haddad gratulierte seinem Konkurrenten nicht. Vielmehr erklärte er seinen Anhänger, dass sie „keine Angst“ haben sollten und rief die Brasilianer dazu auf, die Demokratie des Landes zu verteidigen.

Brasilian unter Schock: Angst und Tränen in sozialen Netzwerken

Auf den Straßen Brasiliens, bei Facebook und Twitter machen viele Brasilianer ihrem Unmut Luft. Der Hashtag #PrayForBrazil war in der Nacht zu Montag der meistgenutzte Hashtag auf dem Netzwerk.

Ein Amerikaner schrieb dort beispielsweise: „Ein trauriger Tag für Brasilien. Ich kenne das Gefühl. Ich habe dasselbe am 8. November 2016 gefühlt.“ Andere posteten Fotos von weinenden Brasilianern. Amnesty International rief öffentliche Einrichtungen dazu auf, die Menschenrechte und Menschenrechtsverteidiger zu schützen.

Dass die Sorgen nicht unbegründet zu sein scheinen, zeigen diverse Posts bei Facebook oder Twitter. In einem Fall zeigt sich zum Beispiel ein Brasilianer mit einem Schlagstock und schreibt dazu: „Können wir jetzt Schwarze, Schwule und Menschen aus dem Nordosten verprügeln?“

Jair Messias Bolsonaro: Eine stark umstrittene Persönlichkeit

Jair Bolsonaro ist eine umstrittene Persönlichkeit. Der Ex-Militär ist seit 26 Jahren in der Politik aktiv, sorgte für eine lange Liste an Klagen und Protesten. Auf der brasilianischen Wikipedia-Seite zu seiner Person gibt es eine weitere Seite für eben all diese Vorfälle. Schuld sind immer seine kontroversen Äußerungen.

Einer Kongressabgeordneten sagte er, sie hätte „es nicht verdient“, von ihm vergewaltigt zu werden. Die brasilianische Militärpolizei bezeichnet er als „zu weich“, sie sollten „mehr töten“. „Die afrikanischen Religionen“ seien eine „offene Tür für Terroristen“. Seine Söhne würde er lieber bei einem Unfall sterben sehen, als „dass einer von ihnen mit einem schnurrbärtigen Mann auftaucht“. Und Homosexualität könne durch Prügel verhindert werden.

Rechtsruck soll keine Auswirkungen auf Urlauber haben

Das Auswärtige Amt hat bisher nicht reagiert. Reiseveranstalter glauben nicht, dass sich für Reisende durch den Rechtsruck im Land irgendetwas ändern wird.